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Breitscheider Postgeschichte

Vier Generationen versahen seit 1890 den Postdienst. (aus Heimat an Lahn und Dill ca. 1990)


Ein Kapitel heimatlicher Verkehrs und Wirtschaftsgeschichte stellt die Entwicklung der Breitscheider Post dar, die in den nächsten Monaten auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken kann. Zum 75jährigen Jubiläum brachte das Herborner Tageblatt am 11. Januar 1966 von unserem Mitarbeiter Ernst Henn (Mayen) einen Rück und Ausblick auf das Postwesen im Westerwald, dem wir die nachstehenden Auszüge entnehmen. Sie wurden ergänzt durch Angaben von Rudolf Brandenburger aus Herborn, dem Enkel des ersten Breitscheider Postagenten, Wilhelm Brandenburger.

Eine von Romantik umwobene Postgeschichte hat sich in diesem Jahrhundert allerdings nicht abgespielt; keine Postboten hoch zu Ross, keine Postkutschen mit Hörnerklang und Pferdegetrappel sind ins Dorf gekommen. Das Zeitalter. der Romantik war bei der Ein-richtung der Poststelle Breitscheid längst vergangen und das der Technik hatte begonnen. So lässt sich in einem Rückblick nur über nüchternes . Geschehen berichten jedoch auch ein Vergleich ,ziehen und eine Entwicklung aufzeigen, die vor 100 Jahren noch nicht geahnt werden konnte. Obgleich das Dorf Breitscheid in der Nähe eines mittelalterlichen Verkehrsweges lag und einst der Klang des Posthorns von der "Alten Rheinstraße" her zuhören war, ist es zu nassauischen Zeiten nicht Poststation geworden. Die geringe Entfernung von Dillenburg, Herborn und Rennerod, den alten Postorten, wies ihm eine solche Rolle nicht
(oben: Ankunft des letzten Postillions von Rennerod auf dem Posthof in Herborn.)

zu. Auch nach dem Anschluss des Nassauer Landes an Preußen (1866) sollte es noch mehr als zwei Jahrzehnte dauern, bis es hier zur Einrichtung einer Poststelle kam.

Die postalische Versorgung Breitscheids ist immer von Herborn aus erfolgt. Bis gegen 1600, solange außer dem Pfarrer niemand in der Dorfbevölkerung lesen und schreiben konnte und es Handel und Wandel in einem Westerwalddorf kaum gab, wird höchstens ein-mal im Monat ein Landpostbote das Dorf besucht haben. Das hat sich wahrscheinlich auch in den folgenden 100 Jahren nicht geändert, obwohl inzwischen die Kunst des Lesens und Schreibens in der Winterschule gelehrt wurde. Erst die Entwicklung des Gewerbes (Ton , Walkererde und Kalksteingewinnung, Häfnerei und Braunkohlenbergbau) wird zusammen mit der Bevölkerungszunahme den Postverkehr so vermehrt haben, dass der Anschluss des Dorfes an eine der fahrenden Posten von und nach Herborn notwendig wurde. Die Einrichtung von Poststellen auf dem Lande kam in größerem Umfang erst durch die Gründung der Kaiserlichen Post und den Ausbau des Postwesens nach dem Kriege 1870/ 71 zustande in Breitscheid jedoch nicht vor dem Jahre 1890. Am 13. Mai dieses Jahres schrieb die Oberpostdirektion Frankfurt unter dem Aktenzeichen II 19 957 folgendes:

"An Herrn Wilhelm Brandenburger, Wohlgeboren, Breitscheid bei Herborn (Bez. Wiesbaden).

Ich bin bereit, Ihnen die Verwaltung der daselbst zur Einrichtung gelangenden Postagentur unter denjenigen Bedingungen, welche der Herr Postmeister Schröder in Herborn (Bez. Wiesbaden) mittels Verhandlung vom 9. d. Mts. Ihnen bekanntgegeben hat, insbesondere unter Vorbehalt einer dreimonatigen Kündigung und gegen eine feste Jahresvergütung von 240 Mark zu übertragen. Ich fordere Sie daher auf, dass für den Dienstbetrieb der Postagentur erforderliche Zimmer mit thunlichster Beschleunigung herrichten, insbesondere in der Thür zwischen diesem Zimmer und dem Hausflur ein Schalterfenster einrichten sowie die Fenster des künftigen Postdienstzimmers mit Läden und je einer Eisenstange zur Sicherung versehen zu lassen und von der stattgehabten Ausführung durch Vermittlung des Kaiserlichen Postamtes in Herborn (Bez. Wiesbaden) hierher Anzeige zu erstatten.

Im Weiteren werden Sie veranlasst, die für Ihre künftige Dienststellung als Postagent vorgeschriebene Kaution von 200 Mark durch Vermittlung des genannten Postamtes alsbald bei der hiesigen Ober-Postkasse zu hinterlegen.
Der Kaiserliche Ober Postdirektor
Geheimer Ober Postrath
Heldberg."                 (oben: Die letzte Fahrt der Landpost mit den Bediensteten des Postamtes Herborn. Auf dem Fahrersitz Karl Brandenburger.)

Christian Wilhelm Brandenburger war 1838 in Willingen (Westerwald) geboren und hatte 1863 nach Breitscheid geheiratet. Nach Erfüllung der Bedingungen wurde er Verwalter der am 10. Juni 1890 eingerichteten Postagentur.

Postwagen von Herborn

Bis zur Eröffnung des Teilstücks der Westerwaldbahn von Herborn nach Driedorf 1906 wurden die Postsachen mit einem Wagen des Postamts Herborn gebracht. Ab 1906 mussten sie von Breitscheid aus an der Bahnstation Schönbach geholt werden. Die Fahrt mit dem Postwagen ging von Herborn über Burg, Uckersdorf, Medenbach nach Breitscheid. Nachmittags ging dann die Fahrt über Schönbach nach Herborn zurück. Die Post für Erdbach nach Rabenscheid wurde von Breitscheid aus zu Fuß ausgetragen.

In Herborn traf der Landpostwagen etwa zur gleichen Zeit mit dem Postillion in Rennerod ein. Dieser fuhr mit zwei Pferden und beförderte auch Personen. Während der Wagen des Landbriefträgers der Post gehörte, war das Pferd sein Eigentum. Lange Jahre wurde diese Landpost von dem Sohn des Breitscheider Postagenten, dem späteren Postbetriebsassistenten Karl Brandenburger, gefahren. Die letzte Fahrt war am 30. April 1906.

Zu dieser Zeit hatte sich die Bedeutung der Poststelle Breitscheid schon erheblich ausgeweitet, da um die Jahrhundertwende die Firma "Westerwälder Thonindustrie" hier die alte Braunkohlengrube übernommen, eine Tongrube angelegt und eine Fabrik für feuerfeste Steine gebaut hatte. Die Bevölkerung des Dorfes nahm durch Einheiraten und Sesshaft Werden fremder Arbeitskräfte rasch zu.

Betriebliche Erweiterung

Die erste betriebliche Erweiterung der Post in Breitscheid war die Einrichtung der Fernsprechvermittlungsstelle im Jahre 1912. Haus Nr. 6 Brannebueersch - ale posteDer einfache Fernsprech und Telegrafendienst war schon 1890 aufgenommen worden. Eine sprunghafte Zunahme des Postverkehrs trat 1914 mit dem Beginn des ersten Weltkrieges ein. Von da an bis zum Ende des Krieges wurden von der Poststelle. Breitscheid die größten Leistungen in der ganzen Zeit ihres Bestehens verlangt. Postfahrzeuge gab es nicht und männliche Hilfskräfte fehlten. Nur unter Mithilfe der weiblichen Familienmitglieder war es damals möglich, die Postsäcke und Pakete mit Handwagen von und nach Schönbach zu befördern und in den Dörfern des Zustellungsbereichs zu verteilen.

(links: Die alte Post in Breitscheid (1890 1939). Zweiter von rechts Wilhelm Brandenburger mit Schwiegersohn Heinrich Lupp (dritter von rechts) und dessen Kindern.)

Nach dem Kriege übernahmen Postschaffner mit Fahrrädern ausgerüstet die Postbeförderung, bis 1933 der Kraftpostverkehr von Herborn aus eingeführt wurde. 1931 erhielt Breitscheid ein Wählamt.

1939 neues Gebäude

Die Post und Fernsprechdienststelle war nahezu ein halbes Jahrhundert im Hause Brandenburger Lupp am Schönbacher Weg gewesen. Als 1939 die inzwischen wesentlich vergrößerten Einrichtungen in das Gebäude des damaligen Poststellenleiters Heinrich Lupp übernommen wurden.

Von Kriegsschäden blieb die Post in Breitscheid verschont. Die Entwicklung vor allem im Fernsprechwesen ist nach dem Kriege weitergegangen. Um die modernen Anlagen unterzubringen, musste das Postgebäude noch einmal vergrößert werden. Mit der Gebietsreform 1977 wurde aus der Poststelle I ein Postamt mit allen dazugehörigen Diensten.

Bis dahin war die Post in Breitscheid in der Familie des ersten Postagenten geblieben: nach Wilhelm Brandenburger sein Schwiegersohn Heinrich Lupp, dessen Schwiegersohn Paul Thielmann und dessen Sohn Klaus Thielmann.

Wenn das Postamt Breitscheid sein 100jähriges Bestehen verzeichnet, so war diese Zeit eng mit vier Familiengenerationen verbunden. Und auch die fünfte Generation ist der Post treu geblieben.

"So nimm denn, theures Nassauisches Land, das mich geboren und erzogen und mir einen freundlichen Kreis des Wirkens geöffnet hat, dieses Buch als kleinen Tribut meines dankbaren Herzens hin für den Hochgenuß, den du mir in deiner reichbegabten Natur und in den Schätzen und Denkmälern der Vorzeit so oft hast zu Theil werden lassen. "

(Christian Daniel Vogel: aus der Vorrede seines Buches "Historische Topographie des Herzogtums Nassau Herborn 1836)

 

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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