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Breitscheid im Jahre 1863

Aus den letzten Jahren des Herzogtums Nassau, das von 1806 bis 1866 bestand, sind im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden die Ergebnisse der jährlichen Volkszählungen und die Viehbestandstabellen aus dieser Zeit noch vorhanden. Die Auswertung solcher Unterlagen vermittelt ein gutes Bild der dörflichen Verhältnisse vor den Veränderungen, die durch die späteren Einflüsse der Industrie und der politischen Ereignisse, be-sonders unseres Jahrhunderts, herbeigeführt worden sind.

Für Breitscheid, das damals wirtschaftlich durch die Landwirtschaft, den Braunkohlenbergbau, die Ton- und Kalkgewinnung und das Häfnerhandwerk geprägt war, ergibt sich aus den Zähltabellen des Jahres 1863 (als herausgegriffenes Beispiel) folgendes Bild:

In 105 Häusern wohnten 629 Personen, die sich auf 164 Haushaltungen verteilten. Es waren 118 verheiratete, 8 verwitwete und 5 ledige Männer = 131 Personen; 118 verheiratete, 29 verwitwete und 7 ledige Frauen = 154 Personen; 170 männliche und 157 weibliche Kinder = 327 Personen; 10 Gesellen und Lehrlinge, 3 Knechte und 4 Mägde = 17 Personen. Alle Einwohner waren evangelischen Glaubens. Im Durchschnitt wohnten 6 Personen in einem Haus und (rein rechnerisch) 4,2 Personen in einer Familie. Mit wenigen Ausnahmen waren die Häuser zweistöckig, so dass alte und junge Familien unter einem Dach wohnen konnten, aber nicht unbedingt einen gemeinsamen Haushalt zu führen brauchten. In diesem Zusammenhang sind auch die Zahlen der Personenstand-Veränderungen im Jahre 1863 interessant. Es heirateten in diesem Jahr 11 Paare, geboren wurden 19 Kinder, und es starben 12 Personen. Der Bevölkerungsüberschuss betrug demnach für das Berichtsjahr 1863 7 Personen = rund 1,1 Prozent der Einwohner. Die Todesfälle sind nach Altersstufen aufgeführt: Bis zum 12. Lebensjahr 4, vom 13 bis zum 25. Lebensjahr keine, vom 26. bis zum 50. Lebensjahr 2, vom 51. bis 75. Lebensjahr 4 und über dem 75. Lebensjahr 2 Verstorbene.

Anderen Quellen ist zu entnehmen, dass rund 90 Prozent der Haushalte im Haupt- und Nebenerwerb Landwirtschaft betrieben. Nach der Viehstands-Tabelle des Jahres 1865, die sich wohl nur unwesentlich von der des Jahres 1863 unterscheidet, gab es in Breitscheid 12 Pferde, 2 Bullen, 40 Mast-, Zug- und Jungochsen, 353 Zug-, Stall- und Jungkühe, 247 Schafe, 39 Schweine, 17 Ziegen und 12 Bienenvölker.

Diese Zahlen, bei denen der geringe Anteil von Schweinen und Ziegen besonders auffällt, zeigen an, dass bei einem Durchschnitt von 2 bis 3 Kühen die meisten Haushaltungen als kleinbäuerlich angesprochen werden müssen. Das wird auch dadurch bestätigt, dass es nur 7 landwirtschaftliche Hilfskräfte gab gegenüber 10 Gesellen und Lehrlingen.

Aus diesen Angaben ist zu schließen, dass die Einwohner von Breitscheid - trotz der verhältnismäßig großen Feldfluren und Waldbezirke - sich schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ohne die oben genannten Kleingewerbe nicht mehr ernähren konnten. Die Gemeinde als Körperschaft allerdings war finanzkräftig genug, um bis in unser Jahrhundert hinein auf direkte Steuern zu verzichten und in vielen Jahren vor 1900 jedem Haushalt ein Klafter (= vier Raummeter) Brennholz aus dem Gemeindewald kostenlos zu überlassen.

Veröffentlicht von Ernst Henn im Juli 1981 in den "Heimatblättern", nacherzählt von Manfred Thielmann, Breitscheid-Erdbach.

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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