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Der Verkauf der Kohlenmühle bei Breitscheid im Jahre 1722

Im Jahre 1722 verkauft der Müller Peter Nix die Kohlenmühle an seinen Sohn. Dieser Kauf ist für den Sohn mit Auflagen verbunden, die heute in dieser Form nicht mehr auferlegt werden und deswegen für unsere Generation nicht ganz verständlich sind. Für die damalige Zeit, in ersten Quartal des 18. Jahrhunderts, war diese Erbregelung gang und gäbe und letztlich für die abgebenden Eltern ein Stück Altersfürsorge.
Ernst Henn schildert in den "Heimatblättern", Ausgabe Februar 1974, den Verkauf der Kohlenmühle und stellt mit diesem Handel das Beispiel einer Erbteilung vor 273 Jahren und der damit verbundenen Altersversorgung dar.

Er berichtet:
Die Vermögensübergabe an Kinder, Enkel oder andere Erben erforderte in früherer Zeit bei der Landbevölkerung auch immer die Regelung der Altersversorgung für die Erblasser, selbst dann, wenn die Großfamilie weiter bestehen blieb. Der Grundsatz "Man zieht sich nicht eher ganz aus, bis man schlafen geht" stammt aus der Erfahrung derjenigen, die Haus und Hof im Alter abgegeben hatten, ohne sich den "Aushalt" zu sichern. Daraus sind die späteren Absicherungen entstanden, in denen die Rechte bis ins kleinste festgelegt wurden - oft bis zur Stelle auf dem Küchenherd, wo die Alten ihr Essen kochen konnten, und bis zum Platz im Stall, wo die Aushaltskuh ihren Stand haben sollte. Solche Schriftstücke aus alter Zeit sind heute noch vorhanden.

Eine andere Form der Vermögensübergabe wählten 1722 der Breitscheider Kohlenmüller. Peter Mix und seine Frau, indem sie ihrem Sohn die Mühle im Aubachtal mit allem Hab und Gut verkauften. Einen Vorvertrag über den Verkauf mit Verteilung des Erlöses und Sicherung der Altersversorgung ließen sie sich von dem Pfarrer in Breitscheid schreiben und von fünf Zeugen beglaubigen. Die Niederschrift lautet:

"Peter Nix, der Kohlenmüller, verkauft seine Mühle um dreihundert Taler samt allem Zugehörigen, als Wiese, Garten pp. Davon soll der Sohn geben einhundert Taler dem Tochtermann und einhundert Taler für sie, nämlich die Eltern. Sollte heute oder morgen etwas von den hundert Talern der Eltern übrig bleiben, soll das nach beider Eltern Tod in gleiche Teilung kommen, denn was ferner da ist an Garten und Wiesen, ist schon in den Kauf getan.- Dieses, wie Peter Nix berichtet, hat er vorgenommen aus freiem Willen, ohne Überredung seines Sohnes.

Breitscheid, den 1. Februar 1722"

Unterschrieben haben: Conrad Hein (Pfarrer), Peter Nix, Anna Nixin, J. H. Beuel (Heimberger), Joh. Jost Stahl (Geschworener), Georg Göbel (Kirchenältester), Joh. Erasmus Thielmann (Schulmeister), Jost Henrich Fesch (Geschworener).

Vier Tage später wurde der Kaufvertrag in der Kanzlei der Fürstlichen Regierung zu Dillenburg bestätigt und besiegelt, wahrscheinlich auch deswegen, weil damit der Übergang des Mühlenlehens an den neuen Besitzer verbunden war. Das Aktenstück hat folgenden Wortlaut: "Kund und zu wissen hiermit, daß auf unten gemeldetem Datum vor hiesiger Fürstlicher Kanzlei erschienen: Peter Nix, Müller von Breitscheid, und namens seiner Frau Anna, welche wegen Schwachheit behindert wäre, Johann Henrich Kläfer (richtig: Kleber), Geschworener daselbst, und angezeigt, welcher gestalt sie, beide Eheleute, mit gutem Bedacht, Wissen und Willen ihrem Sohn Johann Henrich Nix erb- und eigentümlich, besucht und unbesucht, frei und unbeschwert, ihre Güter, Äcker, Wiesen und Gärten: als eine

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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