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Lehrer und Schüler als Mitwirkende bei Beerdigungen in früherer Zeit

Ein Schülerchor sang beim Haus und am Grab

Die Begleitung der Trauerzüge vom Sterbehaus zum Friedhof durch Schüler der älteren Jahrgänge unter Führung eines Lehrers und das Singen der Schulkinder beim Haus und am Grab war ein alter kirchlicher Brauch, der aus der Zeit der engen Bindung der Schule an die Kirche stammte. Er bestand bis kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges. Umstritten war die Mitwirkung der Schule an den Beerdigungen jedoch schon lange vorher. Nach dem Übergang des Herzogtums Nassau an das Königreich Preußen (1866) beantragten die Volksschullehrer die Abschaffung des ihrer Meinung nach nicht mehr zeitgemäßen Brauches und erreichten 1873, dass die Bezirksregierung in Wiesbaden die Aufhebung der Leichenbegleitung durch Lehrer und Schüler verfügte. Dagegen wehrten sich aber die Kirchengemeinden.

Im August 1873 beschloss der Kirchenvorstand von Breitscheid einstimmig, über das Dekanat Herborn gegen die Verfügung der Regierung vom 15.Juli des gleichen Jahres Verwahrung einzulegen. Der Kirchenvorstand erklärte, dass er sich das alte Recht nicht verkürzen lassen wolle und begründete das in sieben Punkten:

1. Es handele sich um einen über ein halbes Jahrhundert alten Brauch (in Wirklichkeit war er viel älter !).
2. Diese "kirchliche Ehrenbezeugung" (so im Protokoll) sei durch Generalverfügung der Nassauischen Regierung vom 28. Mai 1816 und vom 9.Mai 1818 gewährleistet.
3. Die Kirchengemeinde habe ein Recht, die Leichenbegleitung vom Lehrer zu fordern, da dies eine kirchliche Funktion sei, für die der Lehrer als Vorsänger von der Kirche eine Besoldung erhalte.
4. Es sei Pflicht der Regierung, die den Lehrer ernenne, die kirchlichen Rechte der Gemeinde den Lehrern gegenüber zu wahren und zu schützen.
5. Die Verweigerung der Leichenbegleitung habe bisher bei der Bevölkerung als kirchliches Zuchtmittel und als Strafe gegolten.
6. Nach den örtlichen und klimatischen Verhältnissen sei eine Verlegung der Beerdigungen außerhalb der Schulzeit nicht möglich (es wurde damals in den frühen Nachmittagsstunden noch Schule gehalten).
7. Der Schulunterricht werde nur dann benachteiligt, wenn der Lehrer die Teilnahme an der Beerdigung dazu benutze, den Unterricht ganz ausfallen zu lassen.

Die Niederschrift ist unterzeichnet vom Pfarrer, von den Bürgermeistern der drei Kirchspielgemeinden Breitscheid, Medenbach und Rabenscheid und von zwei weiteren Kirchenvorstehern.

Es blieb damals bei der alten Ordnung. Auch als 1914 Schulleiter Rinn in Breitscheid die Abschaffung der Leichenbegleitung beim Kirchenvorstand beantragte, lehnten die Kirchenvorsteher der drei Gemeinden dies entschieden ab. Nach dem Ersten Weltkrieg jedoch, als sich die Beziehungen zwischen Staat, Kirche und Schule änderten, konnte die Lehrerschaft ihr Begehren durchsetzen. In einem Beschluss des Kirchenvorstands in Breitscheid vom August 1919 heißt es: "Beerdigungsfeiern sollen in Zukunft bei günstiger Witterung auf dem Friedhof selbst gehalten werden, bei ungünstiger Witterung in der Kirche. Da die Begleitung durch die Schulkinder jetzt wegfällt, sollen die Gemeindeglieder gebeten werden, bei den Beerdigungen am Haus und am Grabe selbst zu singen, wie dies auch anderwärts geschieht". In einigen Gemeinden, so auch in Rabenscheid, ist der alte Brauch noch mehrere Jahre beibehalten worden.

Einer Publikation von Ernst Henn in den "Heimatblättern" im Dezember 1978 nacherzählt von Manfred Thielmann, Breitscheid-Erdbach

aus der Festschrift zur Neueinweihung der Pfarrkirche in 1970

 

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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