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Gedicht vom Kuhhirten Reinhold Wegener
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Breitscheid

Dies Dörfchen hab' ich mir erwählt
Zum ständigen Aufenthalt,
Weil es mir nirgends so gefällt
Wie hier im Westerwald.
So weit ich auch durch Flur und Hag
In's Land gezogen bin -
Wo ich nur immer weilen mag,
Nach Breitscheid steht mein Sinn.

  • Ein Örtchen hab ich mir erwählt,
  • Im schönen Westerwald,
  • Weil es mir nirgends mehr gefällt,
  • Zu meinem Aufenthalt!
  • So weit ich auch durch Flur und Haag
  • In´s Land gezogen bin,
  • Wo ich nur immer weilen mag,
  • Nach Breitscheid stand mein Sinn!

Hier lebst Du froh und sorgenfrei
Wie nirgends in der Welt,
Mit Arbeit - welcher Art sie sei -
Ist es stets gut bestellt.
So hast Du täglichen Verdienst, (So schaffst Du leicht Dein täglich Brot)
was willst Du weiter mehr;
und wenn Du's große Los gewinnst, (Und sparst Du recht, hat´s keine Not,)
wirst Du gar Millionär. (Du wirst noch Millionär!)

Viel' grüne Wiesen findest Du
Und Weiden für das Vieh
Und fruchtbar Ackerland dazu -
Not kennt der Bauer nie.
Für's zweite findest Du sodann
Ringsum die Wälder stolz,
Sie liefern billig jedermann
Zum Bau´n und Brennen Holz.

Auch ist der Reichtum riesengroß,
Den man in schwerer Schicht
Tief aus der Erde finstrem Schoß
Bringt an das Tageslicht.
Man findet Ocker, weißen Ton
Und grüne Walkererd',
Auch Eisenerze grub man schon -
Viel sind die Kohlen wert.

Und wenn Du hörst, wie rings im Kreis
Der Schüsse Donner hallt,
Weißt Du: Man bricht mit vielem Fleiß (Bricht man daselbst mit großem Fleiß (1917)
Den Kalkstein und Basalt.
Schamotte und feuerfeste Stein'
Erfreuen sich hoher Gunst,
Und Töpfe, Schüsseln groß und klein,
Verfertigt man mit Kunst.

So herrscht hier rege Industrie,
Es blüht der Bauernstand;
Und gleichen Wohlstand fand man nie
Ringsum im ganzen Land.
Gemeindesteuer sind sogar
Ein unbekanntes Wort;
Und wer das Dörfchen einmal sah, (Und wer einmal in Breitscheid war,
Möcht nimmer wieder fort.

  • Ein kleines Bächlein fließet hier,
  • Du übersiehst es fast,
  • Dort zeigt man eine Brücke Dir,
  • Wie Du noch nirgends sahst.
  • Teils ist mit Hochwald sie bedeckt,
  • Teils baut man Korn und Kraut,
  • Die wird, so weit sie sich erstreckt,
  • Beackert und bebaut!

Stets ist man um Dein Wohl besorgt,
Drei Wirte zapfen Bier,
Und Du bekommst sogar geborgt,
Fehlt's mal am Gelde Dir.
Und bist Du so ein armer Wicht,
Der nichts als Wasser säuft,
Verdurstest Du auch hier noch nicht:
Die Wasserleitung läuft

  • Kultur vermisst man gleichfalls nicht.
  • Auf Fortschritt stets bedacht,
  • Hat man im Ort elektrisch Licht,
  • Bei Tage und bei Nacht!
  • Stets sorgt man um Dein Wohl sich gar,
  • Drei Wirte zapfen Bier,
  • Verschmähst Du die, läuft hell und klar
  • Die Wasserleitung Dir!

Auch legte man - vom Ort nicht weit -
Jüngst einen Bahnhof an,
Vielleicht gibt es in spät'rer Zeit
Sogar noch eine Bahn!
Dann hebt sich riesig der Verkehr,
Ich seh' den Trubel schon,
Von ringsum kommen Fremde her
Und schwelgen im Ozon.-

  • Zum Kurort wächst das Dörfchen aus,
  • Es wird zum Modebad,
  • Und man erblickt in jedem Haus,
  • Ein Fremdenpensionat.
  • Doch, ach, die Urgemütlichkeit,
  • Flog vor den Fremden fort,
  • Drum hoffe ich, es kommt so weit
  • Noch nicht, so lang ich dort!

Drum hab' ich diesen Ort erwählt
Zum ständ'gen Aufenthalt,
Weil es mir nirgends so gefällt
Wie hier im Westerwald.

Reinhold Wegener.
Kuhirt und Poet, Breitscheid.
1916

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