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Die ersten Öfen in Breitscheid

Diesmal möchte ich einen Bericht von Ernst Henn wieder-veröffentlichen, den er im Jahr 1965 für die "Heimatblätter" geschrieben hat und der in der März-Ausgabe der Beilage zur "Dill-Zeitung" schon einmal gedruckt wurde. Er berichtet über die ersten Öfen in unserem Ort wie folgt:

Die ersten Öfen in Breitscheid

Jahrhundertelang war der Herd im "Ern" die einzige Feuerstelle der Häuser in den Bauerndörfern. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als zunehmender Wohlstand es erlaubte, kam der Stubenofen als zweite Feuerstelle hinzu - wenn auch nur allmählich, wie alles Neue in der bäuerlichen Welt.

Öfen gab es in unserem Heimatgebiet seit Ausgang des Mittelalters, als sich den alten Gewerben der Eisenschmelzer und Waldschmiede das neue Gewerbe der Eisengießer angeschlossen hatte. Die aus Gussplatten in beträchtlichem Umfang und mit viel Zierrat hergestellten neuen Wärmespender blieben jedoch zunächst den herrschaftlichen und bürgerlichen Wohnungen vorbehalten. In die Bauernhäuser fanden sie nur langsam Eingang, weil die Anschaffung eines Ofens auch mit erheblichen Kosten verbunden war.

Die erste Erwähnung eines Ofens in Breitscheid fällt in das Jahr 1590. In diesem Jahr kaufte der wohlhabende Bauer und Heimberger Adam Schmidt einen "isernen ofen der kleineren gattung" und bezahlte dafür 7 Gulden. Das entsprach dem Wert von drei Schweinen und einer Kuh. Der Vergleich macht deutlich, dass der Ofen damals ein Luxusgegenstand war, den sich anfangs nur wenige Hausbesitzer leisten konnten. Es ist noch zu berücksichtigen, dass die Anschaffung eines Ofens auch die Errichtung eines Schornsteins erforderlich machte; für den Herd allein war ein solcher nicht notwendig.

Der Ofen des Heimbergers wird aber sicher nicht der erste im Dorfe gewesen sein. Das können wir annehmen nach einem Eintrag des Pfarrers Gudelius in ein Breitscheider Pfarrbuch. 1603 hatte die Pfarrei ein Grundstück, "die Bitz genandt", verkauft. Von dem Erlös wurde ein Teilbetrag zur Anschaffung eines Ofens für das Pfarrhaus verwandt. Es heißt im Pfarrbuch: "Weill aber ein Neuer ofen in der grosen stuben in dem pfarhauß vonnöten gewesen vndt derselbige Zu Herborn bey Walter Schlos-sern (eigentlich: Walter Braun, er ist ein Schlosser) bezalt. . . " wurde sind "... 9 g 14 alb Zum ofen ausgegeben worden."- Da hier von einem neuen Ofen die Rede ist, werden wir das Vorhandensein eines älteren -nun abgängigen - vermuten und dem Pfarrhaus den Besitz des ersten Ofens in Breitscheid zubilligen können.

Neun Gulden und 14 Albus war ein Betrag, der den erheblichen Wertunterschied zwischen gewerblichen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen in der damaligen Zeit erkennen lässt. Als private Anschaffung hätte der Pfarrer dafür ein Viertel seiner Jahres-Bareinnahme aufwenden, oder - da er auch Bauer war - ein Schwein und zwei Kühe verkaufen müssen.

Der 1603 für das Pfarrhaus beschaffte Ofen kann aber nicht alt gewor-den sein. Als 1636, in einem der schlimmsten Jahre des 30jährigen Krieges, Henrich Wissenbach als Pfarrer nach Breitscheid kam, traf er trostlose Verhältnisse an. Er berichtet, dass er in das Haus von Best Pfeiffer (eigentlich Best Reiff, der neue Pfarrer verwechselte den ähnlich klingenden Namen) eingezogen sei, weil das Pfarrhaus neu gebaut wurde. Er habe keinen Hausrat vorgefunden, weder Tisch noch Stuhl, Bank oder Schaft; es sei kein Kasten (Behältnis für Pfarrakten, Kirchenbücher und Geld) mehr vorhanden gewesen und weder Schloss noch Schlüssel.- Im Jahre 1635 war das Dillenburger Land von den Soldaten des Grafen von Mansfeld verheert worden; Zerstörung, Pest und Not waren zurückgeblieben. Auch der Ofen im Pfarrhaus wird dieses Ereignis nicht überstanden haben, obwohl er in der Aufzählung des fehlenden Hausrats von Pfarrer Wissenbach nicht erwähnt wird. Wahrscheinlich hat der Pfarrer nicht einmal mehr die Trümmer gesehen !

Bearbeitet von Manfred Thielmann, Breitscheid-Erdbach

 

 

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