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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 10

Zur Besiedelung der Heimat (3)

beschwichtigen, und hielt mit großer Hartnäckigkeit daran fest: "Jo's is doch wuhr!" dieser Behauptung mit einem kräftigen Handschlag aufs Bein begleitend. Wer kann da widerstehen! Jakob Georg erzählte: Erdbach wurde von zwei Brüdern gegründet, von denen der eine verheiratet war. Als nun der ledige, ein Schäfer, eines Tages über "Gassen" ( die bekannte Schlucht) kam und die besser zum Ackerbau geeignete Breitscheider Gegend sah, beschloss er, sich hier oben anzusiedeln. Wieder nach Erdbach zurück gekehrt, teilte er seinem Bruder sein Vorhaben mit und fügte hinzu, das Ackerland in Erdbach wolle er ihm ganz lassen, da er jetzt schöneres da oben erhalte, aber die Wiesen in Erdbach wolle er zur Hälfte behalten.

Mein Gewehrsmann setzte hinzu, daher komme es auch, daß später, noch bis in die neueste Zeit, die Breitscheider in Erdbach so viel Wiesen gehabt hätten. So sei nun Breitscheid gegründet worden und gewissermaßen als Ableger von Erdbach anzusehen. (dass die Breitscheider in Erdbach viel Wiesen besaßen, ist wahr; dies lässt sich aber aus der Tatsache erklären, daß es in der älteren Zeit nur in den feuchten Niederungen an den Gewässern Wiesen gab. Breitscheid besaß lange Zeit nur den kleinen Wiesengrund unterhalb des Dorfes, welcher darum heute noch den Flurnamen, "die Wiesen" trägt. So war es genötigt, in Erdbach Wiesen zu erwerben). In Breitscheid wird die Sache wie folgt erzählt: Zur Zeit einer großen Pest starb Breitscheid einmal ganz aus und Erdbach bis auf zwei Brüder, einen dummen und einen gescheiten. Der Dumme blieb in Erdbach und der Gescheite zog nach Breitscheid. (Natürlich nimmt Breitscheid den Gescheiten für sich in Anspruch!)

Viele Ortschaften sind im Laufe der Jahrhunderte wieder vom Erdboden verschwunden. So lagen in der weiteren Umgebung Driedorfs (nach Vogel) noch mindestens 7 ausgegangene Dörfer. Ferner gab es zwischen Rabenscheid und Willingen das Dörfchen Katzhausen, das erst im vorigen Jahrhundert verschwunden sein soll. Haben die Geschichtsforscher alle "Wüstungen" (so werden die Dörfer heute meist in der Siedlungskunde genannt, festgestellt und verzeichnet?) Es scheint nicht so. Denn nirgends findet man das Dörfchen Rollsbach verzeichnet, das im "Rollsbach, dem Tale unterhalb Liebstein, gelegen haben soll.

In Breitscheid sowohl auch in Erdbach kennt die Überlieferung dieses Dörfchen. "Dort unten im Rollsbach war ein Dorf"! so wurde es den Breitscheider Kindern von Geschlecht zu Geschlecht vererbt, wenn sie auf Liebstein arbeiteten.
Vor etwa 50 Jahren wollen die Breitscheider Bauern auf den Äckern dort noch auf Reste von Fundamentmauern gestoßen sein. Um 1900 fanden Arbeiter (Häfner) beim Graben der Rösche im Tonfeld am Schönbacherweg hölzerne Wasserleitungsrohre, die in der Richtung auf Liebstein und den Rollsbach zu lagen. Auffallenderweise wird aber in keiner Urkunde des Dörfchens Erwähnung getan. Wie mir der Kirchenschneider, Th. Petry sagte, soll es am Schlucken ausgestorben sein. Am Schlucken!?

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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