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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann


(Seite 105)

Michaelistag in die Aspenstrut, was sie seit Menschengedenken nicht getan haben. Hät =
ten nun die Breitscheider statt der Pfändung der ganzen Schweineherde dem Säuhirten
nur den Hut gepfändet oder ein Schwein, wie es in solchen Fällen vorgeschrieben war,
so wäre wohl die Sache rasch beigelegt gewesen. Wie sie auch ausgegangen sein mag,
es wird beiden Teilen ergangen haben, wie in den Prozessen unserer Gemeinde mit
Dr. Schick in der Mitte der 1920er Jahre:sie haben bedauert, die Prozesse überhaupt in dem
Ausmaße geführt zu haben. Der Prozeßgegenstand ist nicht die ungeheuren Kosten wert
gewesen. Der Karren läuft manchmal anders als man denkt.
     Erdbach unterstellt: das der Streit wegen des Nußbrechens angefangen habe,
wie die Breitscheider behaupten, " ist ein von Ihnen, Breidtscheidern selbst, in Ihrem
eigenen Sinn vndt gedanken formirtes, oder viell mehr ertreümtes affektirtes
(erheucheltes) ohnerwiesenes, dirinirtes (erratenes), vndt ohn grundt conjecturir =
tes (vermutetes) gedicht" (Hirngespinst). Breitscheid hat vielmehr den Streit mutwil =
lig erregt, es hofft, es den Erdbacher, " alß den Schwächeren, geringeren vndt Un =
vermögenden..... also Sauer vnd schwer zu machen, daß solche streitigkeit aber =
mals zu einem Vertrag führen sollen, da sie den Erdbachern wieder wie in anno
1627 ein großes Stück von ihrer Gemarkung abzwacken können". Damals, "in der
Bösen Zeit (30jhrgr. Krieg) mit Ihrer Hochempfindlichen vervortheilung,"habe Breitscheid
etwa die Hälfte aus der Koppelweide an sich gerissen. Die Mühe und Beschwerde, die
der Prozeß bringt, sei an der Gegenseite (Breitscheid), vohr gahr nichts zu achten", für
sie eher ein Vergnügen ("oblectament") als ein Verdruß. -Breitscheid erwidert, es habe
sich nur mit großer Unlust und aus Not für den Prozeß entschieden; "und ob schon
unsere Gemeind nicht geringer als die Erdbacher und derowegen einen process so
wohl als dieselbe ausführen kann, so folgt doch daraus nicht das, indem wir Zu =
verhüthung vieller mühe, arbeit und großen Kosten, so die procehs, wie bekannt hin =
weg pflegen zu fressen (!) und weill auch in den gerechtesten streitssachen ein zweif =
felhafftiger ausschlag zu sein pfleget"(!) und also in unsern Schaden hinüberführen
("transigiren") können - es folgt also daraus nicht, daß "unsere molestia ( Beschwer =
de ) pro affecta et simulata (erheuchelt) zu halten sey".- Was den Ort der Streitig =
keiten betrifft, so führt Erdbach aus: " daß die streitige strut nie kein Büchen strut
oder Haßelln, oder Eichenstrut, Sondern ein Aspen Strut...gewesen, vndt dannen =
hero noch vff diese jetzige stunde den Nahmen hatt, auch wohl so Lang die welt
stehet Behalten wirdt" (heute kennt niemand mehr den Namen!)...Es wären so
wohl " die Büchen alß insonderheit die Haßellnuß Sträucher in den Leider bekanten
vorgewesenen Bösen wüsten vndt verödeten Zeiten (30jähr. Krieg) von selbst vndt
ohne Zuthun menschlicher Hülffe gewachsen." Anfangs handelte es sich nur um die
Frage, ob der Vertrag von 1544 so aus zulegen sei, dass Erdbach neben der Weidegerech=
tigkeit in der Aspenstrut auch das Recht auf die Nüsse, das Holzmachen und auf das
Mästen der Schweine zustehe. Der Appetit kommt beim Essen, und Erdbach denkt: wer
viel fordert, erhält viel. Es stellt bald die Behauptung auf, daß der strittige Ort

in seiner

aus der alten Handschrift übersetzt durch Hans Henn

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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