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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 124

Die Presbyterialprotokolle

Von 1705 bis 1803 sind die Presbyterialprotokolle - mit Ausnahme einiger Jahre während der großen französischen Revolution - in unserm Pfarrhaus noch vorhanden. Das Presbyterium, eine Einrichtung der reformierten Kirche, war die Versammlung der Kirchenältesten unter dem Vorsitz des Pfarrers; es unterstand dem Konsistorium zu Dillenburg. Ihm lag die Handhabung der Kirchenzucht ob, überhaupt die Ordnung der nicht rein geistlichen Angelegenheiten.

Die Protokolle des Presbyteriums sind als Quellen für die Geschichte unseres Dorfes von hervorragender Bedeutung. Was uns heute beim Lesen der Protokolle besonders auffällt, das ist die Machtstellung der Kirche, die wir aus ihnen erkennen. Der Pfarrer war nicht nur der Seelsorger, sondern auch der Zuchtmeister des Dorfes; auch die Kirchenältesten waren gefürchtete Leute; die Kirchenordnung räumte ihnen besonderen Schutz ein. Manches in den Protokollen mutet uns heute seltsam an, und ohne Zweifel haben Staat und Kirche durch zu große Bevormundung ihre Macht über die Gemüter oft mißbraucht.

So wurde z.B. 1767 ein Medenbacher vom Presbytorium bestraft, weil er seinem Sohn eine Geige angeschafft hatte, uneheliche Mütter wurden in der Kirche vor der versammelten Gemeinde an den Pranger gestellt, unfleißige Kirchengänger (wurden) bestraft.

Aber wir müssen solche Übergriffe, wie alles, was uns Heutige aus der Vergangenheit fremdartig anmutet, in ihrer geschichtlichen Gebundenheit betrachten und werten. Jedenfalls hatte man das Beste für die Menschen im Auge, wenn man sich auch in den Mitteln zur Erreichung dieses Zieles vergriff. Im Ganzen betrachtet, hat man aber beim Lesen der Protokolle den Eindruck, dass die Einrichtung des Presbyteriums von Segen gewesen ist. Streit in den Familien oder unter den Nachbarn wurde auf christliche Weise zu schlichten gesucht. Meist kam es wieder zur Versöhnung. Sich jahrelang grollen und böse sein, wie es heute in den christlichen Gemeinden möglich ist und vorkommt, wurde nicht geduldet. Unversöhnliche durften nicht zum heiligen Abendmahl gehen, und das war für die meisten die schwerste Strafe.-

Das Erscheinen vor dem Presbyterium im Pfarrhaus wurde erzwungen. 1744 waren einige Vorgeladene von der Verhandlung im Pfarrhaus weggelaufen. Pfarrer Fuchs berichtete dies ans Konsistorium (zu Dillenburg). Bescheid: Sollte solcher ordnungswidrige Vorfall sich wieder begeben, so sollten die Betreffenden 3 Gulden Strafe ans Waisenhaus zahlen und doch mit Schützen vors Presbyterium geführt werden. - Wir werden an gegebener Stelle das eine und andere Protokoll zur Beleuchtung der Zeitverhältnisse bringen.

1705 Unfall. "den 4. Xber (Dezember) ist Anna Elisabetha, Jost Henrich feeschin eheliche Hausfrau, die sich todt gefallen hatte, begraben worden. Hat sich fromm gehalten biß in Todt." (Sterbebuch.)

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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