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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 128

1723

Da nun damals die Bürgerschaft Dillenburgs außer Stande war, einen Kreis um die Verurtheilte zu schließen, und als Wache dieselbe auf den Richtplatz zu führen, so wurden die Bauersleute von den nächsten Dörfern beordert, dies zu tun: Zunächst wurde die Person durch Wacht vom Schloß "abgelangt" und unten in Dillenburg vor Kanzleidirektor Diltheis, später Kanzleidirektor Lorsbach (jetzt Schmidtborns) Haus auf dem großen Platz (Wilhelmsplatz) gebracht und der Kreis geschlossen. Hier wurde der Verurtheilten das oben erwähnte Urtheil vorgelesen, darauf dieselbe vom Schinder oder Scharfrichter rücklings und scharf gebunden und auf eine Schleife gesetzt. Der Scharfrichter hatte einen großen Kroppen mit glühenden Kohlen nebst einem Blasebalg und einer dazu gemachten Kluftzange, welche glühend gemacht und damit dem Frauenzimmer in die Brüste gepetzt wurde, dass das Blut aus denselben strömte. Bei dieser Prozedur gab die Person keine Stimme von sich. Nachdem sie das letzte Mal auf der Brücke vor dem Oberthor gepetzt worden war, nahm der Schinder den Kroppen, warf ihn gegen die Mauer auf der Brücke, dass derselbe in 2 Stücke fiel, als wenn er von einander geschnitten wäre, und ließ denselben nebst der Zange und dem Blasbalg liegen. Das geronnene Blut lag dem Frauenzimmer faustendick in dem Schoß; beide Brüste waren ganz schwarz und hohl ausgebrannt, was erbärmlich anzusehen war. Hierauf wurde es vom Schinder mit einem Pferde auf der Schleife zum Richtplatz oder dem Holzhaufen auf dem Galgenberg geführt. - Der Holzhaufen war über ein Lachter (2 Meter) hoch und mitten durch war ein mittelmäßiger Eichbaum in die Erde gestellt, der Holzhaufen unten mit Kreuzstangen hohl gelegt, dann lagen zuerst Schafwollen mit dem Laub unten, dann eine Lage Holz, darauf wieder Wollen u.s.f. eine Lage um die andere bis oben hinaus. Bevor die Verurteilte von dem Nachrichter auf den Holzhaufen gebracht wurde, betete erst Hofprediger Arnsdorf herzbrechende Gebete mit ihr. Hierauf brachten die Schergen sie auf den Holzhaufen, nagelten sie mit einer Kette an den Pfahl fest, stiegen dann von dem Holzhaufen herunter, nahmen eine Strohfackel, zündeten den Haufen an den 4 Ecken an, so dass es schnell ein schreckliches Feuer gab und man die Person vor Rauch und Feuer nicht sehen konnte. Sie war noch lebendig, obschon die Mütze und das Haar auf dem Kopfe und der Strick an den Händen verbrannt waren; der untere Leib lag im Feuer und sie lebte noch und schlug die Hände zusammen und war so schwarz, wie eine Kohle, was erschrecklich anzusehen war. Viele Jahre darnach hingen noch die schwarzen Knochen an dem Pfahle."

Frau Püsch-Spieß in Wiesbaden hat über das grausige Geschehen in den Dillenburgern "Heimatblättern" vom 15. Oktober 1930 berichtet und sagt darin: "Wie schon der Kindesmord eine Tat der Verzweiflung gewesen sein mag, so gab wohl auch die Verzweiflung der Unglücklichen den Gedanken ein, sich zu retten (sie sollte hingerichtet werden), indem sie mit ihrem Lichtchen das Strohdach der Hütte in Brand setzte. Die ungeheure Wirkung der Tat war nicht beabsichtigt." Sie fügte dem Bericht hinzu: "Im Juni 1823, 100 Jahre später, hielt mein Urgroßvater, Kirchenrat Stifft, eine Predigt zum Gedächtnis des Brandes über den Text Ps. 143: "Ich gedenke an die vorigen Zeiten. ..."

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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