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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 148

(Weiteres vom Tongewerbe.)

Aus 1779 ist eine flache, große Schüssel, die am Rande eine Inschrift hat, zur Zeit im Dillenburger Wilhelmsturm ausgestellt. Sie ist bunt bemalt. Das selbe war zu beobachten an den vielen Scherben, die wir in 1935 beim Ausheben des Grabens für das Fundament des Metzgerladens bei meinem Elternhaus fanden. Auf einer Scherbe war der Hinterteil eines Pferdes als Bemalung zu erkennen. Die Scherben stammen aus der Zeit vor dem Bauen von Kuhlmanns Haus, also vor 1826. - In einem Presbyterialprotokoll aus 1779 heißt es, das sittenwidrige Betragen des damaligen Pferdehirt in Breitscheid sei "von der größten Bedenklichkeit, die besonders in ansehung der hiesigen vielen fremden Häfnergesellen und anderem Gesinde von der schädlichsten Folge werden könnte." Um diese Zeit hatte Herborn 3 Häfnermeister, Erdbach und Breitscheid deren zusammen 21.
- Die gesamte Tonförderung in der Breitscheider und Erdbacher Gemarkung betrug damals (1786) jährlich etwa 11000 Zentner. Der Zentner. kostete an der Grube 1 ½ Kreuzer. Hier wurde auch "die gute seltene Pfeifenerde gegraben" wie Lehrer Haas rückblickend um 1819 in der Schulchronik schreibt; er fügt hinzu "obgleich noch keine Pfeifenbäckerei hier war." Die Herborner Pfeifenbäcker bezogen den Ton von Breitscheid und Erdbach und zahlten um 1786 für den Karren 45 Kreuzer, in älterer Zeit 15-18 Albus. Es wurden jährlich etwa 150 Karren Pfeifenerde verarbeitet. (Nach Steubings Topographie von Herborn.) - In Breitscheid wurde ein besonders weißer Ton, das sogenannte "Weiß" im Erdfeld gegraben (am alten Hüttenweg und Pierers Winkel). Das Haupttonfeld "war auf der Linde", am Schönbacher Weg. Dieses gleicht heute einem Vulkangebiet im Kleinen, in welchem Krater an Krater liegt, oder einem Trichterfeld im Kampfgebiet des Weltkrieges, ein Beweis dafür, wie unsachgemäß früher das Tongraben gehandhabt worden ist. (*) Die Dillenburger Berg- und Hüttenkommission führte oft Klage über die planlose Art des Tongrabens; am schlimmsten sei es damit in Breitscheid und Erdbach bestellt. Nach den Dillenburger Intelligenzmachrichten erließ sie 1786 folgende Verordnung: "Damit Ordnung bei dem Thongraben eingeführt und der Thon sicher und wirtschaftlich genommen und den seitherigen großen Unordnungen gesteuert werde, bei deren längerem Fortwähren der Eingang der Thongruben ohnvermeidlich gewesen seyn würde, ist ... beschlossen worden, dass diese Gruben für die Zukunft für Rechnung der Landesherrschaft betrieben werden sollen". Jedermann soll sich von jetzt an des Tongrabens enthalten, "es sey Walker-, Pfeifen- oder Hafnersthon"; wer aber Thon benötigt, soll sich bei dem Steiger oder dem Heimberger des Dorfes melden. - Nach Becher sollen im 18. Jahrhundert einige Arbeiter beim Tonhacken ihre Kühnheit und Unvorsichtigkeit mit dem Tode gebüßt haben. Im Jahre 1781 "bliebe Joh. Jost Petri ... in einer Erdkaut, worinnen er Erde graben wollen, tod.." (Sterbebuch Breitscheid.)
- 1788 erfolgte die Belehnung der Gemeinden mit dem Ton. (Siehe S. 153!)


*) "Weiße Erde" (S. 32): "Die Häfner gruben, jeder für sich, ihren Bedarf an weißer Erde, und wenn eine Grube ihnen nicht mehr tauglich schien, verließen sie unbekümmert das Loch. Darin sammelte sich das Wasser, ringsum wuchs der Ried; und die Unken, die allabends im Erdfeld musizierten, hatten eine Herberge mehr."

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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