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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 158

Hause durchs niedrige Fenster; die verzweifelnde Mutter fleht sie an, es zu unterlassen, - umsonst! -

Von meiner Großmutter hörten wir, ein Franzose habe in Webers Haus (am Katzenweiher) ein Kind in der Wiege aufgespießt und auf der Spitze des Säbels herausgetragen; die Leute im Dorf seinen fast alle in den Wald geflüchtet gewesen. -

Daß solche Scheußlichkeiten eine tiefgehende Erbitterung schufen, die sich bei unbeherrschten Leuten zu Rachetaten ähnlicher Art auswirkte, sobald sich Gelegenheit dazu bot, ist zu begreifen. Im Jahre 1838 fügte Pfarrvikar Schellenberg, um, wie es seine Art war, den Charakter der Breitscheider ins rechte Licht zu setzen, unseren Pfarrakten ein Schriftstück folgenden Inhalts bei: "In den siebzehnhundertneunziger Jahren haben die Breitscheider und ein fremder Häfnergeselle Namens Michel mehrere Franzosen, nachdem die Breitscheider dieselben ihres Geldes beraubt hatten, in und vor dem Orte Breitscheid zum Theil in Schweineställen, zum Theil auf der Straße erwürgt oder todt geschlagen und dann in der Waldecke gen Gusternhain zu unter die Erde verscharrt. Solches theilte mir mit der pensionierte Schullehrer Justus Haas zu Breitscheid." Soweit Vikar Schellenberg. Welche Schandtaten aber die Franzosen begangen hatten, davon sagt er nichts; es diente hier nicht seinem Zwecke. Kein Zorn ohne Ursache! -

Ein Bericht etwas heiterer Art möge hier den Beschluß bilden. Dieser Fall ist natürlich ganz ins Reich der Fabel zu verweisen. Ich bringe ihn nur seiner Absonderlichkeit wegen und um zu zeigen, wie bei manchem Dörfler längst für überwunden geglaubte Wahnvorstellungen noch munter fortbestehen. Mein Gewährsmann ist völlig überzeugt davon, daß es sich um eine wirkliche Begebenheit handelt. Seine Großmutter hat ihm erzählt: Einst in der Franzosenzeit erschien französische Reiterei auf Hermannsroth, der Höhe südlich von Breitscheid. Darob große Angst im Dorf. Aber einer war darin, der "aut konnt'", nämlich hexen. Er stellte die Pferde der Franzosen, bannte sie, daß sie zwei Tage nicht von der Stelle konnten trotz Fluchens und Wetterns der Reiter. Als sie dann nachher, aufs höchste erbost, ins Dorf rückten, erging es den Leuten nicht gut, besonders aber bekam der Heimberger ihren Unmut zu spüren. - Wie schade, daß man vor dem Ausbruch des Weltkriegs in Deutschland nicht mehr hexen konnte! Die feindlichen Heere zwei Tage auf der Grenze festgebannt - und der Krieg war gewonnen!

Nun zur eigentlichen Franzosenzeit (1806-1813), wo unser Land unter Napoleon ein Untertanenland Frankreichs war. Was die Verhältnisse in der Heimat anbelangt, so gehörte Breitscheid zur Mairie oder Munizipalität (Gemeindeverband) Hörbach, zum Kanton Herborn, zum Bezirk Dillenburg und zum Siegdepartement, das seinen Sitz in Dillenburg hatte. Die vormaligen Heimberger, die Dorfoberhäupter, hießen Munizipalrat; neben dem ersten Munizipal-

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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