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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 165

1817 wurde das nassauische Schuledikt erlassen, das der Schule die Grundlage gab, auf der sie im Wesentlichen heute noch ruht. Es sollen hier nur einige Bestimmungen daraus hervorgehoben werden. Die Schule soll fortan im Sommer und Winter in wöchentlich 30-32 Stunden gehalten werden. Mittwochs und Samstags soll nachmittags frei sein. 6 Wochen Ferien sollen im Jahr sein. Die Schulpflicht soll vom 6. - 14. Jahre dauern. Für die Mädchen sollen Strickschulen eingerichtet werden. Dem Lehrer wird der Betrieb jedes Nebengewerbes untersagt. - Ein besonderes Seminar zur Ausbildung der Lehrer wurde in Idstein eingerichtet. Dort wurden die angehenden Lehrer mit den großen Vorbildern auf dem Gebiete der Erziehung bekannt gemacht.

Noch lebte Pestalozzi in der Schweiz, der neben Jesus das Beste Vorbild für Jugenderzieher für alle Zeiten bleiben wird. Auch aus Nassau wurden Schulmänner zu ihm geschickt, die "neue Lehre zu holen", wie man in Breitscheid sagte.

Und worin lag die Größe dieses Mannes? Ihm war nicht äußere Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten der Hauptzweck des Unterrichts, sondern die allgemeine Emporbildung der inneren Kräfte des Menschen zu reiner Menschenweisheit. Und solche Bildung sollte auch den niedrigsten Volksklassen zuteil werden. Und das große Mittel, dass sich die Kindesseele dem Lehrer erschließt wie die Blume dem Sonnenlicht, damit er veredelnd auf Gemüt und Willen einwirken kann, war ihm die Liebe zu den Kindern. Das Herz wird einem warm, wenn man an diesen Mann denkt, wenn man sich ihn vorstellt unter den Waisenkindern in Stans, wie er sie wäscht und kämmt und von Läusen und Grind reinigt, wie er sie väterlich an der Hand nimmt, ihnen liebevoll ins Auge schaut wie eine Mutter, um ihnen der Sonnenschein zu sein, der ihnen sonst nicht leuchten will. "dass mein Herz an meinen Kindern hange, dass ihr Glück mein Glück, ihre Freude meine Freude sei, das sollten meine Kinder vom frühen Morgen bis an den späten Abend in jedem Augenblick an meiner Stirne sehen und auf meinen Lippen ahnen". (So schrieb Pestalozzi an einen Freund über seinen Aufenthalt in Stans.) - Kriege sind der Sache der Volksbildung immer günstig gewesen; denn in jedem Kriege, in der höchsten Not des Vaterlandes, wird's offenbar, worauf letzten Endes die beste Kraft und die Rettung des Landes beruht: auf der harmonischen Ausbildung der geistigen und körperlichen Kräfte jedes einzelnen Volksgenossen. Wie damals nach den Befreiungskriegen, so soll es auch heute nach dem Weltkrieg mit der Volksschule einen Schritt vorwärts gehen: die Lehrer sollen höhere Schulen und Lehrerakademien besuchen. Eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung in allen Ehren! Aber wenn der rechte Pestalozzigeist, die Liebe zu den Kindern fehlt, der ist nur ein Taglöhner, ein Mietling in der Schule, und wenn er, ausgestattet mit allem wissenschaftlichen Rüstzeug, auch glänzende äußere Unterrichtserfolge aufzuweisen hat.

"Geh fleißig um mit deinen Kindern! Habe sie Tag und Nacht um dich und
liebe sie, und laß dich lieben einzig schöne Jahre; denn nur den engen
Traum der Kindheit sind sie dein, nicht länger!"

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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