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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 166

Diese Betrachtungen habe ich eingeschoben, um einen Strich zu ziehen zwischen der alten Lern- und Drillschule, wie sie uns zuletzt unter dem Schulmeister Thielmann begegnete, und der neuen Schule, die das Schuledikt von 1817 einleitete. Auf Thielmann war 1798 der Lehrer Johann Jost Haas gefolgt, gebürtig aus Schönbach, als Sohn des dortigen Schulmeisters, den ich als Übergangsmann von den Schulmeistern zu den Lehrern betrachte. Um 1806 wird in einem hiesigen Pfarrbuch zum erstenmale das Wort "Lehrer" gebraucht. Die Bezeichnung "Schulmeister" hat sich auf dem Westerwald bis heute erhalten, hat aber hier keinen verächtlichen Beigeschmack. Recht betrachtet, ists auch eine Ehrenbezeichnung: ein Meister der Schule sein, ein Mann, der seine Sache versteht. Es haben ja auch höhere Berufe die Bezeichnung "Meister", z.B. Forstmeister, Rittmeister u.a. Die Schulmeister wurden amtlich auch oft "Schuldiener" genannt. Wieder ein Ehrenname! Denn was kann es Höheres und Schöneres geben, als der Schule, den Kindern zu dienen, und damit dem Ganzen, dem Vaterlande und der Menschheit! (Nach dem Weltkrieg, als sich ein lächerliches Streben nach hohen Titeln besonders bemerkbar machte, wollten die eigentlichen Schuldiener an den städtischen Schulen, denen die Reinigung des Schulhauses und die Botengänge für den Rektor obliegen, diesen Titel nicht mehr führen und Schulwart, Hausmeister oder so ähnlich genannt werden. Tatsächlich ist auch ihrem Wunsche willfahrt worden. Diener wollen die Menschen nicht sein. Und doch, was lernen wir von dem, der das Leben am besten meisterte und am höchsten unter den Menschen aufstieg, von Jesus? Er wusch seinen Jüngern die Füße! Er gab tiefer Weisheit Ausdruck in dem Gedanken: Wer sein Leben, sein wahres Leben, finden will, der wird es verlieren im Dienste für andere! Und worauf beruht der große Einfluß der Mütter in der Familie? Sie herrscht, weil sie dient! Der Weltmann Goethe weist darauf hin in dem Wort: "Dienen lerne beizeiten das Weib nach ihrer Bestimmung, denn durch dienen gelangt sie endlich zur Herrschaft". Und er sagt in anderem Zusammenhange: "Wer gelten will, muß wirken und muß dienen!")

Nach der Einführung des Schuledikts beließ die Regierung nicht alle seitherigen Schulmeister im Dienst. Unfähige und Unwürdige wurden ausgeschieden. Unser Haas schreibt von sich in der Schulchronik: "Durch eignes Studium und Fleiß hat sich derselbe hauptsächlich seine Bekanntschaft mit der neuen verbesserten Lehrmethode erwerben müssen". (Haas war in den 1790er Jahren von dem Lehrer Steup in Dillenburg für den Schuldienst ausgebildet worden.)

In der neu eingerichteten nassauischen Schule sollte auf höhere Weisung hin fortan auch eine Schul-Chronik geführt werden. Die unsrige hat der Lehrer Haas um 1820 gegründet. Er hat sich ihrer nach besten Kräften angenommen, gibt auch eine kurze Einführung darin. Von seinen Vorgängern berichtet er uns freilich nichts; seine geschichtlichen Kenntnisse scheinen überhaupt nicht weit her gewesen zu sein, denn er meint, Kirche und Schulanstalt seien wohl von gleichem

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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