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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann


(Seite 174)

an die Höf", d.h. Heeg, Hecke; Die Wiesengründe waren von Hecken eingezäunt,
wenigstens nach gefährdeten Seiten zu. Eine Wiese wird bezeichnet; "vor der lan=
gen Mauer". Wir sangen als Kinder: "Schnäjel, streck de Härrner raus, üwer
de langk Mauer raus."
Nun zur Ackerflur. Wenn wir heute unsere schönen, so regelmäßig zum
Dorf liegenden Felder überschauen, so trifft unser Blick kaum auf irgend ein
Hindernis, eine Mauer oder eine Baumgruppe und gar nicht mehr auf einzeln
stehende Bäume. Das Feld ist jetzt fast restlos urbar gemacht. Aber das ist nicht
immer so gewesen. Es hat vielmehr eine vielhundertjährige Arbeit unserer Vor=
fahren dazu gehört ( freilich in gemessenen Zwischenräumen ), das zu schaffen, was
wir heute vor uns haben und gewissermaßen als so selbstverständlich hinnehmen.
Niemand hat zu irgend einer Zeit uns etwas über die Urbarmachung unseres Fel=
des aufgeschrieben; was kümmerte die, die dazu imstande gewesen wären, die
kleine Welt des Bauersmannes? Aber unsere Flurnamen reden zu uns. In ihnen
grüßt uns eine längst dahingegangene Zeit; dem, der auf sie achtet und sich ih=
ren Sinn lebendig macht, beleuchten sie doch ein wenig das Bild des Feldes in den
Jahrhunderten seines Werdens. Es ist anzunehmen , dass unser Feld in der Hauptsa=
che schon gerodet war, als Breitscheid anfangs des 14. Jhrhdts. (1309) als größeres
Dorf der Gegend einen besonderen Geistlichen erhielt. Die Randgebiete, wie die "Hell"
Hölle, werden später erst urbar gemacht worden sein. Bis zur Reformation den=
ke ich mir aber unser Feld, besonders die großen Felder, noch recht buntscheckig;
die besseren Stellen urbar, dazwischen aber noch viele "Heckelchen und Wüstun=
gen, wohin die Steine der Umgegend zu Mauern zusammen getragen wurden.
Mancher Flurname erinnert noch an solche Mauern. Baumgruppen und Strauch=
werk bestand noch überall zur Freude der Menschen und Vögel. Dann vielleicht nur noch
hier und da wüstliegende Raine und Plätzchen mit einzelnen Bäumen. Nach
besonders merkwürdigen Bäumen wurde dann die ganze Gegend genannt.
Im Stockbuch von 1717 steht unter Eckerfeld: "beym Honigbaum"; im Faul=
feld; "hunder der Linde" (wir sagen heute noch für das Gebiet am Schönbacher=
weg "uff der Lenn" im Hochfeld; "beym graßgräunigen birbaum". Zu
irgendeiner Zeit haben dort wirklich diese Bäume gestanden. Der "Dicke Dorn"
lebt heute noch in dem Flurnamen, den Namen gabs auch schon 1717, und
wer weiß, wie weit die Zeit zurückliegt, wo der Dornstrauch dort stand. Manche
Mauer ist verschwunden, ihr Bestand füllte beim Wegebau die hohlen Wege
auf, aber der Name der Mauer kündet noch heute von ihrem einstigen Da=
sein. Einige Flurnamen weisen in die Zeit zurück, als Breitscheid noch katho=
lisch war, wie z.B. "bey der heiligen stockes mauer", oder "hunderm hei=
ligen stock" 1717; ferner die "Pfarr Leucht Satel"; wahrscheinlich hat ein
Breitscheider Einwohner diesen Acker der Kirche vermacht zum Besten der Be=
leuchtung im Chor in der katholischen Zeit. Wir sahen ja in der Urkunde von 1349,

1/ Auch der Erdbacher Weg im Dorf hieß u.heißt heute noch " hohler Weg.
2/ Ein ( Satel ) Sadel ist eine Ackerbreite, die vom Sämann auf einmal auf einem Sä=
gang besät werden kann. In Breitscheid ist das Wort nicht bekannt; in Uckersdorf sagt man "Sorel"

aus der alten Handschrift übersetzt durch Hans Henn

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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