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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 183

vortreffliche Gemeinde, in der Heuchelei und Unsittlichkeit zu den Ausnahmen gehört. In Rabenscheid könnte der Sinn für höhere Güter lebendiger und begeisterter sein". *)
Schellenberg kam von hier nach Wallau im "Blauen Ländchen". Der Buch- und Schreibwarenhändler Schellenberg in Herborn ist ein direkter Nachkomme(Enkel) von ihm.

1835 waren nach der Kirchenchronik 89 Häuser in Breitscheid.

1836 und 1893. Ablösung der Pfarrbesoldungsfrucht. Von alters her hatte in Breitscheid jedes Haus, jede Feuerstätte, 2 Mesten Korn und 2 Mesten Hafer zu liefern. Im Jahre 1836 schlossen der Kirchenvorstand einerseits und der Gemeindevorstand andererseits mit Zustimmung aller Gemeindeglieder zu Breitscheid einen Vertrag, wonach fortan nur noch eine Meste Korn und eine Meste Hafer geliefert werden sollte. Eine Meste Korn und eine Meste Hafer wurde im 25 fachen Betrage von der Gemeinde abgelöst. Die Gesamtsumme dafür betrug 2990 Gulden. -

Gänzlich abgelöst wurde die Fruchtlieferung in Breitscheid im Jahre 1893, also die letzte Meste Korn und die letzte Meste Hafer. Diesmal hatten aber die Gemeindeglieder selbst die Kosten der Ablösung zu tragen, entweder eine einmalige Ablösesumme von 72 Mark, oder 41 Jahre lang jährlich 4 Mark an die Rentenbank in Münster. Pfarrer Schmaltz schreibt, dass die neue Ordnung der Sache angenehmer sei für den Pfarrer und wohl auch für die Gemeindeglieder.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie auf die Bekanntmachung des Polizeidieners hin ("Morrn ze Onnern soll de Parrfrucht geliwwert werrn") die Bauern in ihren bis zum Knie herabreichenden Werktagskitteln die Frucht in Säcken in die Pfarrscheuer trugen. Als Quittung erhielten sie dort einen Schnaps.

In Rabenscheid blieb die Fruchtlieferung weiter bestehen bis in die Inflationszeit nach dem Weltkrieg. Anlässlich einer Fruchtlieferung in Rabenscheid sagte der "Krischer" dortselbst, zum Pfarrer Philippi, der Pfarrer Hain sei der gescheiteste Pfarrer gewesen. Und warum? Er habe sich die Frucht im Herbst auf einen Tag liefern lassen, und so frühzeitig, dass sie geliefert werden musste, wie sie die Garbe gab, während sonst die Pfarrer an einem späteren Termin mit geringerer Frucht abgefunden wurden. Dies gab dann den Anlass für Philippis Erzählung: "Der gescheitste Pfarrer." (In "Hasselbach und Wildendorn")

In 1836 beantragte die Gemeinde, um die Kosten zur Ablösung der Pfarrfrucht aufzubringen, eine außerordentliche Holzfällung. Die Genehmigung einer Fällung von 400 Klaftern Holz wurde aber seitens der Forstbehörde davon abhängig gemacht, dass die Gemeinde ihre Einwilligung dazu gebe, die Waldblößen aufforsten zu lassen. Die Gemeinde wehrte sich, da die Waldlichtungen zur Gesundheit und zur Erhaltung des Viehes notwendig seien. Wie damals die Sache entschieden wurde, ist mir nicht bekannt.

Aufforstungen von freien Plätzen sind noch um 1860 erfolgt. Gegen Ende des Jahrhunderts zog sich nur noch der breite Viehtrieb von der Rheinstraße an der Gemeindewiese vorbei bis auf die Hub. Seine Bepflanzung bis auf Wegbreite ist aber dann auch erfolgt. Wald und Weide sind nun reinlich voneinander geschieden, und das Vieh hat im Walde "nichts mehr verloren". - (Weiteres hierüber siehe Seite 335!)


* "Die Welt ist ein Spiegel, aus dem jedem sein eigenes Gesicht entgegen blickt." (W. Thackeray).

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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