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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 190

lich eines erlittenen Schlaganfalles erhielt er 1859 einen nach der Kirchen-Chronik ehrenvollen (?) Abschied von seinem Bürgermeisteramte. (Über Schmidt siehe auch S. 195). - Der Nachfolger Schmidts war Philipp Petry (von [auf]) der Ziegelhütte (1859-1874). Er legte 1874 den Dienst freiwillig nieder, weil eine Sache für ihn brenzlich zu werden drohte. Ihm folgte Wilhelm Bechtum, der Sohn des früheren Schultheißen Bechtum (1874-1889). Er war nach dem Bau seiner Wirtschaft (jetzt Herborns, dann Zeilers) zugleich auch Gastwirt, was immer eine unglückliche Verbindung ist. Sein Abgang war auch kein ungetrübter, (Siehe Kirchen-Chronik, Jahr 1888.) im allgemeinen war er aber beliebt, die Rücksicht auf seine Wirtschaft ließ ihn oft ein Auge zudrücken.

Die Gemeinschaftsbewegung nach 1848.

Was wir heute an außerkirchlichem Wesen im Dillgebiet vor Augen haben, hat seinen Anfang erst nach dem Freiheitsjahr 1848 hier genommen. Diese Bewegung liegt in dem Zuge der freien Bestrebungen, die in der reformierten Kirche noch ein Jahrzehnt vor Speners Auftreten, um 1666, begannen. In Belgien oder Holland fing es an und sprang von da ins benachbarte Rheinland über. Nach 1848 bereitete sich dann im Wuppertal zuerst allmählich die Loslösung von der Kirche vor. In Vohwinkel - Eberfeld wurde 1850 der Evgl. Brüderverein gegründet, u. im Jahre 1854 die erste freie Gemeinde in Elberfeld - Barmen. Vom Wuppertal verbreitete sich die Bewegung ins Siegerland und bis zu uns.
- 1849 schreibt Pfarrer Hatzfeld in unserer Kirchen-Chronik: "Die Wühlereien auf dem politischen Gebiete wälzten sich auf das religiöse". - Er weist nun auf die Bestrebungen der linksgerichteten Freireligiösen hin und fährt dann fort: "Hierdurch, sowie durch den um sich greifenden krankhaften Pietismus scheinen der Kirche und ihren Dienern noch schwere Zeiten bevorzustehen. Die hiesige Kirchengemeinde hat sich bisher noch lobenswerth bewiesen".
- 1850 drang von Dillenburg aus die freie Bewegung zuerst nach unserem Kirchspiel und zwar nach dem zunächstliegenden Medenbach. Ein Teil der Gemeindeglieder vereinigte sich Donnerstags und Sonntags in einem Privathause zu besonderen Erbauungsstunden(*).
- 1851 verzeichnet Hatzfeld nichts in der Kirchen-Chronik. 1852 schreibt er: "Die sogenannten Frommen oder Pietisten, welche seit 1848 durch Einwirkungen aus dem Wupperthal im Amte Dillenburg und Herborn sich vermehrt und auch im hiesigen Kirchspiel, nämlich in der Gemeinde Medenbach an einem Viertheil der Bewohner Zuwachs erhalten haben, scheinen einen steigenden feindseligen Charakter gegen die unierte Kirche Nassaus und ihre Geistlichen einzunehmen". Es stände zu befürchten, daß auch in Breitscheid Schwache zur Sektiererei betört würden.
1853 schreibt Hatzfeld nichts vom Sektenwesen.
1854 berichtet sein Nachfolger Bickel: "Die sogenannten Frommen oder Pietisten haben sich besonders in Breitscheid vermehrt." Demnach hat die Bewegung um 1853 in Breitscheid Fuß gefasst. Soviel ich gehört habe, sollen anfangs einige Männer von hier die Versammlungen in Medenbach besucht haben. Der erste Führer der Breitscheider war Weber-Wilhelm, draußen der "Bratschider Wilhelm" genannt. Er soll in Fronhausen "bekehrt" und Ende der 1850er Jahre hierher gekommen sein. Er hielt die ersten Versammlungen in seinem Haus, dem letzten Haus oben rechts in der Wilhelmstraße (jetzt Nr. 30, Klaas). Mit dem Nachfolger Bickels, dem Pfarrer Wolff (1865-1873), einem "gläubigen" Pfarrer, soll Weber in gutem Einvernehmen gestanden haben, es soll aber Wolff sehr betrübt haben, als Weber sich nun doch nachher in Haiger, wohin er als Prediger verzogen war, von der Kirche


*) Wörtlich, "In der Gemeinde Medenbach hat sich, veranlasst durch mehrere überschwänglich fromme Christen von Dillenburg, ein Theil der Gemeindeglieder zu einer besonderen Erbauungsstunde vereinigt. Diese ... singen religiöse Lieder, beten, lesen Missionsschriften und Predigten vor ... . Ich ignoriere zusehend die ganze Sache ... . - Wie dem Chronisten von zwei Seiten versichert wird, hängt die spätere Breitscheider Versammlung des Wilhelm Weber nicht unmittelbar mit dieser ersten Versammlung in Medenbach zusammen, auch nicht die darbistische. Es soll eine besondere Richtung gewesen sein.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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