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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 193

1857, am 28. Juli abends 6 Uhr, fand ein Gewitter mit furchtbarem Hagelschlag statt. "Der Hagel fiel in so dichtgedrängter Masse, und Stärke bei starkem Sturmwinde, daß der ganze Luftkreis, weiß wie Schnee, nichts sonst mehr als ein großes Schneemeer erblicken ließ, die Schlossen in schuhhohen Haufen sich ansammelten, Menschen im Freien, ohne schnellen Schutz in Wäldern verletzten ... Viele Fensterscheiben in den betreffenden Gemeinden wurden zerschlagen ... In kurzer Zeit war fast die Hälfte der Ernte an Halmfrüchten zerschlagen. Die Krautgerste in dem Felde hinter der Ziegelhütte war ganz vernichtet. Die Gemeinden Rabenscheid, Gusternhain, Schönbach, Hörbach, Merkenbach waren noch schwerer betroffen worden." "Es war ein für die betroffenen Gemeinden schwerer Tag, dieser 28. Juli, wie sie noch keinen erlebt hatten und welcher aus ihrer Erinnerung nicht so bald verschwinden wird". (Nach der Schulchronik.)

Im Januar 1857 wurde nach der Rückkehr der Breitscheider Feuerwehr von einem Brande in Haiger der Schlosser ... Göbel von dem Johs. Hrch. Thomas im Spritzenhaus auf der Spritze totgeschlagen. Er erhielt 4 Monate Gefängnis. Diese Wirkung hatte der Schlag nicht haben sollen. (F)

1858,bei der Neuregelung der Lehrerbesoldung, erhielt die hiesige Schulstelle auch endlich besonderes Schulgut. Bis dahin hatte der Lehrer als Organist die Nutznießung des Orgelwieschens und außerdem zum Hausgärtchen das sogenannte Schulgärtchen am Tiergarten, nordwestlich vom alten Kirchhof. 1843 hatte die Landesregierung eindringlich gewünscht, daß in allen nassauischen Gemeinden Schulgüter beschafft würden, aber der hiesige Ortsvorstand war dazu nicht geneigt. In 1858 kam nun die sogenannte Hirtenwiese auf der Hub (unter Joachimsgräben) in der Größe von 3 Morgen und das Gelände auf der Bitz an die Schule. (Nach dem Kriege wurde die Lehrerwohnung und das Doktorhaus dorthin gebaut). Die Orgelwiese hatte eine Größe von 26,70 Ruten, das Schulgärtchen von 4, 82 Ruten, die Hirtenwiese von 3 Morgen, der Acker auf der Bitz von 55,94, der Garten dort von 40,38, die Wiese 14,80 und 15,40 Ruten.

Bau des Gemeindehauses

1858 bekam Breitscheid sein erstes Gemeindehaus (Rathaus). Bis dahin befand sich die Schreibstube des Ortsoberhauptes in dessen Privatwohnung. Die Gemeindehäuser der Dörfer unserer Gegend wurden meist nach demselben Plane gebaut; unten das Backhaus, daneben das Spritzenhaus und darüber im ersten Stock die große Gemeindestube. Neben unserm Backhaus war die sogenannte "Wacht", der Aufenthaltsraum für den Wächter und zugleich das Dorfgefängnis (Etz kimmste en de Wacht!"). Darüber die kleine Stube war für den Bürgermeister bestimmt, eigentlich viel zu klein; mit einer Entwicklung wurde jedenfalls gar nicht gerechnet. Damals hatte Breitscheid etwa 600 Einwohner. Als aber nach 1900 die Bevölkerungsziffer sprunghaft in die Höhe ging, machte sich auch das Bedürfnis nach einer Vergrößerung oder vielmehr Vermehrung der Verwaltungsräume geltend. Die ersten beiden Bürgermeister des neuen Jahrhunderts empfanden das aber gar nicht. Theodor Petry, der kleine dicke Mann, und sein Nachfolger Wilhelm Georg, zwar größer am Wuchs, doch ebenso behäbigen Naturells, beide unentwegt am Hergebrachten festhaltend, sie fühlten sich in ihrem Käfig, umringt von Schränken und Aktenregalen, ganz wohl und dachten in ihrer genügsamen Bauernart nicht einmal an Änderungen. Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Auch in unserem Falle. 1917 wurde Ferdinand Thielmann gewählt, ein jüngerer Mann (45 Jahre),


F) Die Tat war dem Alkoholmissbrauch zur Last zu legen. Im Spritzenhaus war dem Täter ("Dommes") leicht an den Fuß gefahren worden. Darauf nahm dieser ein Brett und schlugs dem auf dem Bock sitzenden Göbel auf den Kopf mit den Worten: "Dau wär´st mr aach e' Spritzemaaster!" Bei der ärztlichen Untersuchung ergab sich, daß der Erschlagene eine sehr dünne Hirnschale hatte, weshalb der Täter statt der beantragten 8 Monate Gefängnis nur 4 erhielt. - Der "Dommes" war nachher (in den 80er Jahren) Kuhhirt hier.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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