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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 196

Bürgermeister Philipp Petry.

Bürgermeister Phillip Petry In dem Buche "Weiße Erde", das den Kampf der Gemeinde Breitscheid mit dem "langen Schornstein zum Gegenstande hat, bildet der Bürgermeister Theodor Petry, der Bruder von Philipp Petry, eine wichtige Person. Der Dichter Philippi lässt ihn darum oft auftreten. An mehreren Stellen nagelt er fest, daß Thomas Raab (=Theodor Petry) sich von dem Millionenmann mit 300 M hat bestechen lassen. Er gibt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß dies bei einem Sproß des alt- eingesessenen Geschlechts der Raabhütter vorgekommen sei, denen er allgemein eine aufrechte Art, stolzen Trotz und Herrenbewußtsein beimißt. Philippi hat den Bruder seines Bürgermeisters nicht gekannt, der um 1884 gestorben war. Aber sicher hat er von ihm gehört, denn auf ihn trifft am meisten seine Charakteristik derer von der Raab- hütte (=Ziegelhütte) zu. Wir sind in der glücklichen Lage, die Nachbildung einer Photographie von Philipp Petry hier einkleben zu können. Das Origi- nal ist eine der ersten Photographie, (wenn nicht die erste), die um die Mitte der 1860er Jahre nach Breitscheid gekommen sind. Treffend finden wir in diesem Bild die Wesenseigentümlichkeiten zum Ausdruck gebracht, die Philippi in folgenden Aussprüchen diesem Geschlechte zuschreibt: (Weiße Erde) "Thomas Raab, dem doch sonst das Herrenbewußtsein im Blute liegt wie allen Raabhüttern..."(S.35)- "Herrenbewußtsein ist auf der Raabhütte daheim ... Dazu steht im Türbalken der Hausspruch von alters: "Alle meine Hasser seind wie Regenwasser, was vom Dach mir rann, weil ist Gott mein Helfersmann. Das ist der Raabhüttertrotz, so echt und erdgewachsen wie dieEichenbalken." (S. 63, 64.) - "Sie sagen im Dorf, nur der Holzwurm sei härter als der Raabhütter Stolz. Und manches Beispiel wissen sie zu erzählen." (97)
- Es seien nun dazu einige Beispiele aus der Überlieferung gebracht, die heute noch lebendig unter uns Älteren sind.
Ein neuer Landrat war ins Dillenburgische gekommen. Bei seinem ersten Besuch in Breitscheid ging er zunächst in die Häfnerei im Hause Nr. 23, um dann nachher sich auch dem Bürgermeister mal zu zeigen, denn sie kannten sich noch nicht. Der Bürgermeister kam nun zufällig auch in diese Häfnerei, die in seiner Nachbarschaft lag. Während des Gesprächs in der Erdstube fragt der Landrat den Bürgermeister: "Wer sind Sie denn?" Antwort: "Ich bin der Herr Bürgermeister. Und wer sind Sie?" Antwort: "Ich bin der Landrat von Dillenburg!"
- Einmal hielten einige Frauen in Dapperts Haus Kaffeeklatsch. Unter ihnen befand sich auch die Frau des Bürgermeisters, Ziegelhütter Gritt. Weil nun die Frauen diese mit "Gritt" angeredet hatten und nicht mit "Borjemaastersche", ergrimmte der Dorfgewaltige und verbot hinfort den schönen Brauch des Flachsaufhebens. (Es war herkömmlicher Brauch, daß vor der Gründung eine neuen Hausstandes eine "Goll" der Braut mit dieser von Haus zu Haus ging, um eine Handvoll Flachs für das Hochzeitspaar zu sammeln. Den Schenkenden machte es nichts aus, aber für die Bedachten bedeutete es eine schätzbare Hilfe.)
- Auf die halberwachsene Jugend hatte der Bürgermeister ein besonderes Augenmerk. Die Mädchen durften sich (außer an besonderen Festen) überhaupt nicht im Wirtshaus sehen lassen. Wagten sie es aber doch, in der oberen Stube in Kuhlmanns Wirtschaft bei den Burschen zu sitzen, so kam es zuweilen vor, daß sie sich bei dem Rufe "Zie'lätter Philäpp!" unter den Bänken verbargen, oder sie sprangen zum Fenster hinaus, wenn sich die Gesellschaft unten in "Kuhlmanns Wacht" befand (einer Stube neben der Küche, jetzt Heuboden), sobald der Gefürchtete erschien.
- "Göbels Sidonche" erinnert sich noch, wie der Bürgermeister einmal ein lustiges Zusammensein einiger Burschen in ihrem Haus sprengte. Gerade sang einer aus einem "Fratzelied": "Wird im Dorf ein Schwein geschlacht, seht ihr, wie der Bengel lacht", da drückt der Bürgermeister die Türe auf: "Ja, etz' lacht dr Bingel"! Und alles stiebt hinaus.
- Einige Burschen, die sich "auf der Brück" einmal unanständig aufgeführt hatten, sah man anderen Tags zum Spott der Vorübergehenden an der Pfarrwiese "die Bach ausraume".

(Bei dem jüngeren Bruder (Theodor) war die herrische Ader weniger hervortretend, aber ein starkes Selbstbewusstsein zeigte auch er gelegentlich. So erinnere ich mich aus den ersten Jahren seines Bürgermeisterdienstes, daß er einmal plötzlich auf dem Tanzplatz wo Bechtums (Wirtsch.?) erschien, mit dem Fuß kräftig auf den Boden "statzte" und rief: "Etz erres grod all! Aich sei' dr Boojemaaster!" Als er dem Fabrikherrn gegenüber eine schwache Stunde gehabt hatte, da war ihm das Rückgrat gebrochen, und Philippi konnte später in Weiße Erde von ihm schreiben: "Aber nun hatte er einen wunden Platz am Leibe ... Es war nicht dies, daß er beim Gemeindevorteil die Vorhand hatte. Das war immer so gewesen, wer die Hand am Euter hat, melkt die Kuh zuerst. Aber er hatte Geld genommen und sollte nicht mehr stolz sein dürfen." Und der Direktor Haber lässt Philipp sagen: "Vanderlept braucht nur mit seinen blauen Lappen zu wedeln, dann legen die Sonnwalter ihren Menschen vor ihm in den Dreck.)" Theodor P. war sonst umgänglich und gefällig.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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