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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann


(Seite 207)

Niederschrift über Pfarrer Fritz Philippi. Aus der Gemeinde-Chronik Breitscheid's, Seite 207 - 208, 211 - 214, und 292.
Fritz Philippi als Pfarrer in Breitscheid von 1897 - 1904.
Eines Schlossermeisters Sohn aus Wiesbaden geb. 5. Jan. 1869,
kam von Diez hierher, wo er Hilfsprediger gewesen war; Breitscheid wurde also seine
erste Pfarrstelle. Er erlebte hier, wie viele junge Pfrarrer vor ihm und nach ihm, das
was nach Schulrat Pollack (in seinen Lebenserinnerungen) die Höhepunkte des menschl.
Lebens bildet: Das erste Amt, die Verheiratung und das erste Kind. Und solches Erleben
macht die anfängliche Fremde dann zur Heimat. Ja, Philippi fühlte sich gleich heimisch und
warm bei uns. Als offener, ehrlicher Mensch, der er war, erschloss er gleich sein
Inneres, brachte seiner Gemeinde Vertrauen entgegen und erntete darum auch wieder Zu =
trauen u. Gegenliebe. Ein neuer Pfarrer ist ein ungeschriebenes Blatt, man nimmt
Fritz Philippi, unser Heimatdichter das Beste von ihm an und zeigt sich auch wieder von seiner besten Seite. Über seinen Empfang hier schreibt Philippi in seinem "Matthias Hirsekorn 1924" Hier war unsere Ankunft ein großes Ereignis, um dessentwillen in der strengsten Arbeitszeit des Jahres der Heuernte, mitten in der Woche gefeiert wurde. - Ich erwog damals noch nicht, dass von der allgemeinen Begeisterung mancherlei in Abzug gebracht werden musste, der nicht den neuen Pfarrersleuten galt. Der Neuigkeitshunger des welteinsamen Dorfbewohners, seine unverbrauchte Genussfähigkeit wirkten als selbstsüchtige Triebe mit. Uns aber riß das Volksfest an sich. Alle alten Schießeisen knallten, als unser Wagen ankam. Unter schwebenden Tannenkränzen stockte unser Gefährt im versammelten Volk und hielt vor dem breiten Steinkasten des Pfarrhauses.-
Willkommen! Ein blaues Band schlang sich über den Weg. Von allen verfügbaren Augen beguckt, traten wir vor. Ein Bursche, hochrot vor Feierlichkeit sagte ein Gedicht her. Der Lehrer hielt unseren Hausschlüssel in der hocherhobenen Hand u. leitete damit den vollen Chor der Schulkinder. So empfing uns das ganze Dorf und jedes Glied einzeln wie sehnlichts Erwartete und reichte uns etwas dar ? Was war das? Matthias Hirsekorn! Was macht dich warm unter der Weste und
macht dich froh und beschämt zugleich? Die Heimat! Niemand sagte es mit Worten, als
sei es selbstverständlich. Von Stund an sollte ein Bund geschlossen sein; etwas Wunder-
bares sollte sich vollzogen haben. Ehe ich wußte, wie mir geschah, vergaß ich alle guten
Vorsätze geistlicher Diplomatie. Ich stand auf der hohen Pfarrtreppe und antwortete auf die wohlgesetzte, würdige Rede des Schulmannes nicht mit meiner einstudierten Ansprache,
sondern sagte, was mich überfallen hatte wie Weihnachten: So sind wir nun nicht
mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit Euch zusammen und Gottes Hausgenossen:
An meiner Gemeinde erlebte ich vorläufig lauter Wohlgefallen und schrieb das zutunliche Wesen mein-
er Wildendorner unserer Umgänglichkeit in erster Linie meinem Frauchen zu. Ich ahnte nicht,
daß meine Leute auch der Ehrgeiz trieb, vor den Nachbardörfern und ihrem Neid den Tatbeweis
zu bringen, daß mit Wildendorn doch gut auszukommen sei. Wie Schüler die ein reines Schreib-
heft anfangen, hüteten sie sich vor dem ersten Tintenfleck. Die Erkenntnis, daß es für ihn,
den Pfarrer, auch notwendig war, keine Klexe zu machen, wenn das Zusammen

(mit seinen Gemeindegliedern
(ab hier Blatt 208)

aus der alten Handschrift übersetzt durch Hans Henn

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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