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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann




(Seite 212)

(Dieses Erstlingswerkchen hat Phil. keines Neudrucks mehr gewürdigt. Es findet sich nur noch
in der größeren Bibliotheken der Heimat, so in der des Theol. Seminars in Herborn. Ich habe
einen ausführl. Auszug aus "Rosmarin" in mein "Heimatbuch von Breitscheid aufgenommen.)
Auch unserem Gemeindearchiv etwas einverleibt. Im Jahre 1901 kam das erste Gedichtsbänd=
chen Philippis heraus, "Aus der Stille". Schon der Titel verrät uns die tiefe, nach innen ge=
richtete Art des jungen Pfarrers. Er ist ihr zeitlebens treu geblieben und hat später
noch drei solcher Bändchen veröffentlicht. Sie enthalten einen guten Teil religiöser Lie=
der. In dem Büchlein "Fritz Phil. als religiöser Dichter"(1929), der die ausführliche Würdigung
des Lebenswerkes Phil.'s bildet, schreibt der Theologieprof. Wilh. Knevels, Heidelberg: Gust.
Schüler u. Fr. Philippi sind ohne Zweifel die beiden größten ev. Lyriker d. Gegenwart". Leider ist diese Seite ihres Pfarrers den Breitscheidern so gut wie unbekannt geblieben. Hätten sie die besten relig. Gedichte des ersten Büchleins ("Aus der Stille") gelesen und andächtig in sich
aufgenommen, so wäre Phil. beim erscheinen von "Hasselbach u. Wildendorn" im folgen=
den Jahre (1902) nicht in dem Maße von ihnen verkannt worden, wie es der Fall ge=
wesen ist. Anfang des Jahres 1903 wurde Hasselb. u. Wildend. erst bekannt in unserem Dorf. So
sehr man nun auch bemüht sein mag, den Dichter geg. ungerechte Beurteilung in Schutz
zu nehmen, so kann man doch nicht umhin, zuzugeben, daß dieses Buch zum Stein des Anstoßes
zwischen Philippi u. seinen Leuten werden mußte. Hauptsächlich die erste Erzählung "Der Lohnprediger"
war dazu angetan. Es sei eingeräumt, daß es im Wesen eines Dichters liegt, daß er eben dichtet,
seine Stoffe zum guten Teile frei erfindet und die Dinge nicht einfach abmalt und schildert,
wie sie wirklich sind. "Dichtung und Wahrheit" hat auch unser größter Dichter, Goethe, ineinander
verwoben, als er "Aus meinem Leben" schrieb. Aber nun betraf es bei Philippis erster Er=
zählung einen Teil seiner Kirchenbesucher. Denn die "Frommen" waren damals noch
nicht losgelöst von der Kirche. Sie dachten darum auch noch nicht daran, ein Vereinshaus für
sich zu bauen. Und nun hat "Der Lohnprediger" den Bau eines Gemeindehauses für die Ver=
sammlungsleute zum Inhalt, bei welchem der Hauptheld, der Evangelist Fridolin, ein ganz
zweifelhafter Charakter ist. Trotzdem wird er Hausvater im Vereinshaus und begeht als solcher
allerlei Schwindeleien. Das alles hätte auch im wirklichen Leben geschehen können, es war aber
doch nicht vorgekommen. Warum nun diesen Bevölkerungsteil des Dorfes so an den Pranger
stellen?! Zwischengestreute Schalkereien in der Erzählung, wie der auch erdichtete Vorfall von
den toten Maulwürfen im Ranzen des Reisepredigers, mußten den peinlichen Eindruck
verstärken, den die Lektüre dieser Erzählung bei den Gemeinschaftsleuten hervorrief.
In den übrigen Erzählungen des Buches "Hasselbach und Wildendorn" fanden die Leser manchen Dorfge=
nossen so deutlich geschildert, daß niemand im Zweifel war, wer damit aufs Brett
gesetzt war, "wie frischer Käs vor die Sonne". ( So z.B. der reiche, geizige Bauer im
2. Haus rechts am Gusternheiner Weg: "Da ist der Uhls derrer. Er wird auch der Hin=
kelsgriffer genannt. Denn er wär so welthungrig, daß er...manchmal die Hühner
fasse, ob sie kein Ei bei sich hätten; womöglich in die Hand wolle er's gelegt haben". Die
Schwiegermutter dieses Bauern, Uhls Jette, eine ehrbare, saubere Frau, nannte der Dichter
"die verhutzelte Schwieger". Kein Wunder, daß die Leser nun eifrig in einseitiger
Weise nach solchen Leckerbissen in dem Buche suchten und darüber gar nicht zu
einer rechten Würdigung der Gesamtarbeit des Dichters kamen, die das Buch darstellte. In dem
sie den Schwächen des Dichters nachspürten, verloren sie den Blick für das Wertvolle, daß er ihnen darbot, wie
z.B. die schönen Naturschilderungen. War nicht auch aus den Erzählungen ein hohes Interesse des Pfarrers
an der kleinen Welt seiner Leute zu erkennen, freute er sich nicht im letzten Grunde über alles
hier oben, über die unberührte Gebirgswelt, wie auch über die Urwüchsigkeit ihrer Bewohner, für deren

(Absonderlichkeiten) ab hier Seite 213

(Der Gusternhainer Weg muß wohl früher die jetzige Wilhelmstraße gewesen sein.)HH

aus der alten Handschrift übersetzt durch Hans Henn

seite-211 - seite-213

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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