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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 231

28. Juni 1916: Fabrikbrand.

Das Herborner Tageblatt berichtete folgenden Tags: "Breitscheid, den 29. Juni. Bei einem verheerenden Feuer wurde gestern abend die Fabrik der "Breitscheider Tonindustrie" heimgesucht. Das ganze Werk (?) bis aufs Direktorenhaus, einige Schuppen und das Kesselhaus ist den Flammen zum Opfer gefallen. Um 8 ½ Uhr explodierte aus unbekannter Ursache ein Brennofen... und bald darauf war das ganze Werk wie in ein Flammenmeer getaucht. Der Fernsprecher kündete den Nachbarorten das Unglück, und bald darauf waren die Feuerwehren der nah und weiteren Umgegend, (auch die Herborner) auf dem Brandplatz versammelt und wetteiferten miteinander, um des Feuers Herr zu werden. Ihrer unermüdlichen Arbeit ist es auch zu danken, dass unser Ort selbst, in den die Funken regneten, vor Schaden bewahrt blieb. Unsere Einwohnerschaft, die ein solches Feuer noch nicht gesehen haben dürfte, bewährte sich vorzüglich. Die Großen und die Kleinen, die Alten und die Jungen griffen tüchtig mit zu und waren bis in die Morgenstunden, in denen jede Gefahr als beseitigt gelten durfte, tätig. Schwere Rauchwolken wälzten sich bei fast völliger Windstille weithin über unsere Wälder....". Soweit das Herborner Tageblatt. - Das Gebäude wurde bald wieder aufgebaut (die Mauern waren ja auch stehen geblieben), und so verlor niemand Arbeit und Brot. - Pfarrer Weyel schreibt u.a. in der Kirchenchronik: "Längere Zeit war auch das Dorf selbst in Gefahr durch die weithin fliegenden Funken. Viele Bewohner ... räumten schon ihre Wohnungen und brachten ihre Habe großenteils im Pfarrhaus unter, weil dasselbe massiv gebaut war". - Der große Fabrikbrand war ein schaurig - schöner Anblick, der uns allen unvergesslich sein wird.

1917, April 1: Einführung der ersten Krankenschwester in der Kirche.

Die Errichtung einer Diakonissenstation in Breitscheid hatte Pfarrer Weyel schon bald nach seinem Amtsantritt hier ins Auge gefasst und dafür einen Fonds gesammelt. - "Die ganze Gemeinde begrüßte das Kommen der Schwester mit größter Freude; sehr erfreulich war es auch, dass sich die Außerkirchlichen ausnahmslos dem zur Unterhaltung der Station neu gegründeten Diakonieverein ... anschlossen". (Kirchenchronik)

1917, Herbst: Aufhebung der geistlichen Ortsschulaufsicht.

-Lehrer Rinn, der schon immer in starkem Gegensatz zum Ortspfarrer Weyel stand, legte auch den Organistendienst nieder und schaffte das Singen der Schulkinder bei Begräbnissen ab; bei Letzterem folgte er freilich nur einem Beschlusse des Allgemeinen Lehrervereins. Das alles machte viel böses Blut im Dorf. - Lehrer Rinn war eine Kampfnatur, wie man sie äußerst selten antreffen dürfte. Die Schroffe, fanatische Art, mit der er seinen Rechtsauffassungen zum Siege zu verhelfen suchte, machte ihm viele Feinde. Aber aufrechtes Wesen, selbst wenn es sich krankhaft übertrieben betätigt, ist immer noch höher zu achten als sein Gegenteil: liebedienerische, heuchlerische Art, wie sie die Schulgeschichte Breitscheids in diesem Jahrhundert auch verzeichnen kann.

1919, Juni 2: Viehzählung.

In Breitscheid waren 28 Pferde, 390 Stück Rindvieh, 252 Schafe, 140 Schweine, 70 Ziegen, 46 Kaninchen, 2 Enten und 813 Hühner.
- Veränderung des Viehstandes durch den Krieg im Dillkreis:

Jahr Pferde Rindvieh Schafe Schweine Ziegen Federvieh
1912 828 19409 4440 12892 3080 78136
1919 1176 16117 7874 7845 3819 61980

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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