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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 234

trug nun der gemischte Kirchen-Chor das Lied "Himmelsheimat über Sternen droben", eine eigenartig schöne Vertonung, vor. Auf den Vortrag des Gedichts "Der tote Soldat" (von Seidel) durch den 14 jährigen Otto Göbel erfolgte dann die Übergabe des Denkmals durch Landrat Bartmann an die Gemeinde, wobei er das Denkmal den Herzen der Breitscheider empfahl. Bürgermeister Thielmann dankte und legte ein entsprechendes Gelübde für die Gemeinde ab. - Die Lieder "Das Kreuzlein im Winde" (Gesangverein Germania) und "Harre meine Seele" (gemeinsam) beschlossen die Feier.


1923, Februar 7. Sammlung durch die 4 Lehrer und die Schulkinder für die "Ruhrspende" anläßlich der Vergewaltigung der Ruhrbevölkerung durch die Franzosen. Es gingen ein 139000 M (Inflationsgeld) und viele Lebensmittel, darunter über 2 Zentner Speck. Die Gemeindevertretung hatte am 3.II. eine Million Mark aus der Gemeindekasse bewilligt. Die Holzsteller, Arbeiter und Bergleute erklärten sich bereit, einen Schichtlohn zu opfern. Der Fabrikherr ist bereit, das 4-fache der Summe der Arbeiterspende an die Ruhrhilfe abzuführen.

Die Inflation (Geldentwertung)

die der Ruhreinbruch zur Folge hatte, nahm im Laufe des Sommerhalbjahres 1923 nach und nach ganz phantastische, wie gekannte Formen an. Wir machten alle den tollen Tanz mit, ohne daß uns seine Bedeutung für unser eignes Geschick so recht zum Bewusstsein kam. Nur die ganz Pfiffigen kamen ungerupfter davon. Sie hatten nicht nur ihre Wertpapiere beizeiten in sichereren Werten angelegt, sondern kauften auch für ihre Einnahmen sofort wieder Ware. Der Bauer aber, der etwa sein Kalbgeld für nachher anzuschaffende Schuhe beiseite legte (wie in normalen Zeiten), machte später, ja schon nach kurzer Zeit, große Augen, wenn er entdecken mußte, daß sein Geld zu nichts zerronnen war. Auch die Gemeinde erlitt die schwersten Verluste, nicht nur durch die Entwertung ihrer rechtlichen Kapitalien, sondern auch die ihrer laufenden Einnahmen. Der im Frühjahr 1923 gefällte westliche Teil von Breitscheid ist sozusagen ganz verloren gegangen (kaum, daß sie sich einen Geißbock dafür anschaffen konnten); auch der Erlös aus den Holzversteigerungen bedeutete für sie nichts mehr. So bezahlte ich zum Beispiel meine halbe Klafter Holz im Sommer mit dem Gelde, das ich für 23 leere Flaschen vom Althändler erhalten hatte. Wie rasch die Preise stiegen, auch dafür ein Beispiel aus meinem persönlichen Leben. Ich ließ mir beim Krämer eine Kerze holen, die früher 10 Pfennig kostete; jetzt 50000 M. Da sie mir billig vorkam, schickte ich das Kind wieder hin, um noch eine Kerze zu kaufen. Es kam zurück: sie koste jetzt 70000 M. Ich nahm sie gern und glaubte, noch einmal vorteilhaft gekauft zu haben. Im Herbst zahlte ich für 5 Eierbecher 5 Milliarden Mark! Als die Rentenmark kam, waren wir alle, die wir von Millionären zu Milliardären aufgestiegen waren, sozusagen Bettler, soweit es unsere Ersparnisse und unser Bargeld betraf, denn eine Billion Mark war nun eine Rentenmark!

1923, August 26. Erstes Brautpaar von Rabenscheid, das mit seiner Begleitung zur Trauung zur Kirche in Breitscheid fuhr, und zwar in zwei doppelspännigen Chaisen. Die Braut trug weißes Kleid, weißen Schleier, weiße Strümpfe und weiße Schuhe.

Die Geldentwertung ist von so einschneidender Bedeutung für uns geworden, sodaß ich ihr noch ein wenig Raum gönnen darf. Die alten Leute haben den Verlust ihrer Ersparnisse, soweit ihr Lebensunterhalt von ihnen abhing, nie ganz verschmerzen können. Als ich um 1936 gelegentlich im Auto durch Mademühlen kam, dachte ich den alten Adolf Weiß, unseren Heimatdichter, mal besuchen und kennen lernen zu können. Seine

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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