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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 236

1923

- Rückblickend sagt Zöllner vom Jahre 1923 von sich: Ich konnte Besenreiser holen bis Mitte Februar, habe über 500 Besen gebunden, auch an 400 Stück Rechen gemacht (Zöllner lieferte auch schöne Rechen nach Breitscheid), anfangs kostete das Stück 300 Mark, im Sommer 12000 Mark. Da habe ich viel, sehr viel Geld eingenommen. Von dem allen habe ich keines mehr". - Wir sehen, Zöllner passte doch den Preis für seine Rechen der Geldverwässerung etwas an, aber mancher ehrliche Handwerker glaubte Wucher zu begehen, wenn er ein Gleiches tat, wie zum Beispiel der Hannphilipp. Er arbeitete für einen Preis, bei dem nicht einmal der Betrag für das Holz heraus kam. Als ihn einmal ein Kunde ein paar Groschen mehr aufzwang, als er gefordert hatte, brauste er entrüstet auf: "Etz brauchst de mer net mih ze komme, dorr aich dr aut mache! Den Schwindel (mit dem Geld) mach' ich net bet!"

13. Mai. Einweihung des Kriegerdenkmals. Sie fand am 13. Mai, einem etwas rauhen und trüben Sonntag statt. Oft stiegen drohende Wetterwolken auf, doch blieb es während der Feier trocken "von oben herab". Es war eine ansehnliche Zahl von Festteilnehmern herbeigeströmt, auch solche von den Nachbardörfern; sie wäre aber bei schönem Maiwetter noch größer gewesen. Um ½ 3 Uhr versammelten sich die an der Feier beteiligten Vereine am Kirchhof. Unter Glockenläuten und den Klängen eines Trauermarsches des Posaunenchors bewegte sich der Zug nach dem Denkmal hin, wo die Feuerwehr den Platz abgesperrt hielt. Das Lied "Was Gott tut, das ist wohlgetan" leitete die Feier ein. Dann hielt Bürgermeister Thielmann eine kurze Begrüßungsansprache. Er konnte darin, wie auch nachher Pfarrer Gaul, auf Selbsterlebtes im Kriege Bezug nehmen, was immer seine Wirkung nicht verfehlt. Nun Vortrag des von Frau Lina Weyel verfaßten Eingangsgedichtes von der 16 jährigen Else Preuß; dann ein Lied des gemischten Chors der freien Gemeinde unter Leitung von Heinrich Enners. Darauf kurze Ansprache des Vorsitzenden des Dillkriegerbundes, Gewerberat Jäckel, zur Enthüllung des Denkmals. Er verlas dann unter Glockenläuten die Namen der Gefallenen, wobei die Angehörigen des Kriegers einen Kranz für ihn niederlegten. Die 26 Kränze hatten die Breitscheider jungen Mädchen aus Tannenzweigen gewunden und mit Blumen besteckt, Kindern der Heimatlichen Natur. Nun folgte ein Lied des Posaunenchors, dann eins des gemischten Chors, darauf das Gedicht "Unsere Helden", vorgetragen von der 15 jährigen Leni Meier. Nachdem nun der Männerchor unter Leitung des Lehrers Rinn das Lied "Heldengrab" gesungen hatte, hielt Pfarrer Gaul die Weiherede, der er das Wort zugrunde legte: "Vergiß mein Volk, die treuen Toten nicht!" "Ja, vergeßt sie nicht, die mit ihren Leibern Heim und Herd beschützten, die unter tausend Strapazen den Feind fern hielten von Eurer Hütte, daß unser Dörfchen so still und friedlich blieb, daß Ihr nichts gescheut habt von der grauenhaften Verwüstung, die ein solcher Weltkrieg mit sich brachte." Das Denkmal solle zunächst ein Denkstein sein. Es wolle uns allen zurufen: "Vergiß ... die treuen Toten nicht", ja, es wolle auch den späteren Geschlechtern ein Denkmal sein für die Wahrheit des Wortes: "Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde". Gedächten wir der Gefallenen in der rechten Weise, so würde uns dieser Gedenkstein auch zu einem Dankstein werden. Der Dank an unsere Krieger solle eine Tat sein, der feste Vorsatz, wie sie auch Opfer für das Vaterland zu bringen, arm zu sein mit ihm, solange es arm ist, wie sie zu lernen, was opfern heißt, und vor allem einig zu sein, wie die Krieger draußen Schulter an Schulter für die gemeinsame Sache des Vaterlandes standen, denn "Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand. Endlich sei das Denkmal auch ein Mahnstein für uns. Es soll uns auf die Nichtigkeit alles Irdischen hinweisen und zu Gott, unserem wahren Freud und Helfer führen: "Dir blieb von allen Freunden ein einziger, dein Gott! Nur Einer, doch der Stärkste, der nie im Stiche läßt. Deutschland, du Land des Glaubens, halt deinen Glauben fest!" - Pfarrer Gaul leitete den Kirchenchor, der nun das Lied "Himmelsheimat über Sternen droben", einer eigenartig schönen Vertonung, zu Gehör brachte. - Auf das Gedicht "Der tote Soldat" (von Seidel), vorgetragen von dem 14 jährigen Otto Göbel, erfolgte dann die Übergabe des Denkmals durch Landrat Bartmann an die Gemeinde, wobei der das Denkmal den Herzen der Breitscheider empfahl. Hierauf nahm Bürgermeister Thielmann dankend das Ehrenmal in die Obhut der Gemeinde und gab ein entsprechendes Gelübde für sie ab. - Die Lieder "Das Kreuzlein im Walde", vorgetragen vom Männerchor, und das gemeinsam gesungene "Harre meine Seele" beschlossen die schöne Feier.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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