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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 237

1924, Dezember 1: Angersteins Schreckenstat.

Am Abend des 1. Dezember wurde von Haiger aus die Schreckensnachricht verbreitet, im Hause des Angerstein habe eine Räuberbande 8 Personen umgebracht und dann das Haus angesteckt. Darauf sei sie nach dem Westerwalde geflüchtet. Begreiflicherweise entstand nun in der ganzen Gegend eine große Aufregung. Männer wurden aufgeboten, den Wald nach den Räubern zu durchsuchen. Die Kriminalpolizei brachte andern Tages schon einiges ans Licht, vor allem, daß Angerstein wahrscheinlich selbst der Verbrecher sei. So trat allmählich wieder etwas Beruhigung bei uns ein. Aber überall wurde noch wochenlang das furchtbare Ereignis unter den Leuten besprochen. Es soll hier nicht weiter auf die grausige Tat eingegangen werden, damit sie nicht wieder lebendig gemacht und nacherlebt wird. Sie hat damals übergenug die Gemüter in Erregung gehalten. Man kannte hier vielfach den Verbrecher, da er bei der Firma angestellt war, welche die großen Geländekäufe in 1910/11 am Ostrand unseres Hochfeldes getätigt hatte. Angerstein hatte die Verpachtung der Äcker unter sich. .- Im Juli wurde der Unmensch 8 mal zum Tode verurteilt und am 17. November 1925 in Freiendiez hingerichtet. Eine Hinrichtung war damals ein außergewöhnliches Ereignis, da nach der Revolution in 1918 die Todesstrafe nicht oder doch äußerst selten vollzogen wurde. - (ein von Angerstein in 1918 unterzeichnetes Schriftstück siehe im Gemeindearchiv Breitscheid)!

1925. In diesem Jahre wurde das kirchliche Gemeindehaus und das Armenhaus gebaut. Über den Bau des ersteren schreibt Pfarrer Gaul in der Kirchenchronik: "Auch ein langgehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: wir haben auf der Pfarrwiese ein Gemeindehaus errichtet. Der Männer- und Jünglingsverein war die treibende Kraft, er hat auch in finanzieller Hinsicht die ersten Opfer gebracht; haben doch seit November 1924 die regsten Mitglieder dieses Vereins, soweit sie Arbeitsverdienste hatten, monatlich einen Tagesverdienst in die Baukasse geopfert. Dazu haben wir im Verein Schönherrs "Glaube und Heimat" eingeübt und durch die Aufführung dieses Stückes hier und in Herborn Gelder für den Baufonds gesammelt. Sodann haben wir in der Kirchengemeinde eine Liste zur Einzeichnung von Baubeiträgen zirkulieren lassen. - Beim Bauen selbst ist vieles durch freiwillige Fronarbeit gemacht worden. Hier war der alte August Kuhlmann besonders rührig. - Den fehlenden Baukostenbetrag hat die Kirchengemeinde aus dem Verkauf von Pfarrgrundstücken mit Basaltvorkommen erworben." (Soweit Pfarrer Gaul). Ich habe die Nachrichten gerne in unsere Chronik aufgenommen, weil aus ihnen zu ersehen ist, wie der Gemeinschaftssinn sich damals doch recht lebendig hier gezeigt hat. Wie oft ist man geneigt, von seinem Mangel zu reden! Er ist immer vorhanden in den Menschen, und er offenbart sich auch, wenn ihre Führer, wie hier der Pfarrer, es verstehen, ihn zu wecken, ihm ein Betätigungsfeld zuweisen und die Herzen für den guten Zweck gewinnen. Ich schreibe dieses im Januar 1941, kann mich aber noch gut erinnern, wie einmal eine lange Reihe von Jugendlichen gebildet wurde und vom Pfarrgarten bis zu dem im Entstehen begriffenen Bau Backsteine oder Ziegel "durch der Hände lange Kette" zum Ort ihrer Bestimmung gelangten. Auch weiß ich noch, wie der hier lobend erwähnte "Schl(ä)sser Kuhlmann" (Philippis "Hampitters Gottlieb") fast täglich beim Bau erschien, um nach dem Rechten zu sehen. Seine eigne Wirtschaft litt freilich darunter, und es hat ihm später noch recht schlecht gegangen.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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