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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 270

1932

Bürgermeister Bechtum überbrachte den von der Gemeinde gestifteten Kranz mit folgender Rede:
Werte Trauerversammlung!
Zwei Millionen Deutsche Tote des Weltkrieges 1914 - 18! Wenn man heute in seinen Kriegserinnerungen kramt und an den großen schweren Opfergang des Deutschen Volkes denkt, dann fühlt man erst, wie ungeheuer dieses Schicksal der Kriegsjahre war, wie unermeßlich die Kämpfe waren, wie unsagbar groß das Leid, das diese paar Worte in sich bergen: "Zwei Millionen Tote!"

Wir haben uns nun heute wieder wie alljährlich am Sonntag Reminiscere, dem Sonntag des Gedenkens, des Erinnerns, hier an dem Ehrenmal unserer gefallenen Helden des Weltkrieges versammelt, um ihrer in einer besonderen Feier zu gedenken, denn unsere heutige schnellebige Zeit ist ja leider nur allzusehr geneigt, über den Geschehnissen, Sorgen und Nöten der Gegenwart das zu vergessen, was diese unsere gefallenen Kameraden für ihr Vaterland, für ihre Heimat und damit letzten Endes auch für uns, die Überlebenden des Weltkrieges, geopfert haben.

Unsere Gefallenen stehen heute wieder im Geiste vor uns, wie sie einst hinausgezogen sind, als die Not des Vaterlandes sie rief. Einig alle, aus welchem Stamm oder Beruf sie auch kamen. Sie rechneten nicht nach Gewinn oder Verlust und gaben ihr junges Leben hin für ihre Heimat. Ohne laute Begeisterung standen so viele draußen im Schlamm und Eis des Schützengrabens im Hagel der Geschosse, im Herzen das heilige "Ich muß`! in Pflichterfüllung, die nur eins will: Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen!"

Und diese unsere zwei Millionen deutsche Volksgenossen sind gestorben und haben ihre Treue mit dem Tode besiegelt. In Einigkeit, Treue und Pflichtbewußtsein haben sie sich einst in der Notzeit des Krieges dem Feinde entgegengeworfen und ihn von den Grenzen unseres Vaterlandes abgewehrt.

Sollten sie uns hierin heute nicht ein leuchtendes Vorbild sein können? Denn auch heute wieder ist Notzeit in unserem Volke, die doch nächst Gottes Hilfe letzten Endes auch wieder nur durch Einigkeit, Treue und Pflichtbewußtsein gebannt werden kann.

Möchte deshalb unsere heutige Gefallenengedenkfeier eine ernste Mahnung an uns bedeuten, daß wir uns zurückfinden zu der Einigkeit, zu der Treue und zu dem Pflichtbewußtsein mit dem unsere Gefallenen Helden des Weltkrieges gekämpft und in den Tod gegangen sind.
Und in diesem Sinne lege ich als äußeres Zeichen unserer dankbaren Erinnerung diesen Kranz an dem Ehrenmal der gefallenen Helden unseres Heimatortes nieder."

Die Vortragsfolge sah auch eine Gedächtnisrede unseres Pfarrers vor. Pfr. Bars aber eilte aus der Kirche nach Hause, und wurde gerne entschuldigt, denn 1/2 Stunde vor dem Gottesdienst war er bei gefahrvoller Geburt mit seinem 2. Sohn (Reinhold) beschenkt worden.
Der gemeinsame Gesang des Liedes "Ich hatt´ einen Kameraden" beendete die Gedächtnisfeier am Denkmal.

übersetzt i.A. Robert Petry

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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