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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 275

Vom Kirchhof (Friedhof)

Einen Kirchhof in der Bedeutung "Totenhof" haben wir wohl seit 1309, als Breitscheid einen eigenen Geistlichen erhielt, dann wir können annehmen, dass die Breitscheider von der damals erhaltenen Erlaubnis, ihre Toten bei ungünstiger Witterung bei ihrer Kapelle beerdigen zu dürfen, anstatt wie seither immer bei der Mutterkirche zu Herborn, gleich Gebrauch gemacht haben, und dass sie auch bald alle Toten hier begraben durften. Demnach fehlen nur 4 Jahre an den 600 Jahren, die unser Kirchhof als Begräbnisstätte gedient hat. Solange das Dorf noch klein war genügte die Hälfte des Kirchhofes als Totenhof. Die Nordseite blieb müßig liegen, die geringe Grabnutzung wurde später zur Schulmeisterbesoldung geschlagen. Im Jahrhundert des 30 jährigen Krieges waren etliche Scheuernstätten daselbst, das übrige voller Steine. Im Jahre 1836 "wurden 25 Ruten auf dem Kirchhofe, rechts gelegen, umgegraben, um die Steine herauszuwerfen, damit man auch diesen Platz zur Begräbnisstätte künftighin benutzen könne. Auch wurde das Pflaster, vom Kirchhofstor beginnend und bis zu den Kirchentüren führend, im Laufe dieses Sommers gefertigt." (Kirchenchronik.) Die heutige Kirchhofsmauer soll zur Zeit des Schultheißen Klaas, um 1840 errichtet worden sein. Die Rabenscheider wünschten damals ein Tor auf der Westseite, Schultheiß Klaas war aber dagegen. Die Kirchenordnung von 1570 bestimmte, dass der Kirchhof mit einer Mauer oder mit Planken umgeben sein solle. Die Kirchhöfe werden wohl immer eine den Zeitverhältnissen entsprechende Einfriedung gehabt haben. Seit 1749 werden die Toten auf unserem Kirchhof der Reihe nach beerdigt, bis dahin begruben die Familien ihre Angehörigen beieinander. Einen besonderen Totengräber haben wir seit 1926. Bis zu dieser Zeit begruben die Träger, die Nachbaren die Verstorbenen.

Der neue Friedhof wurde 1905 angelegt; er war bei der Zunahme der Bevölkerung notwendig geworden. Der Name Kirchhof ist auf ihn gedankenlos übertragen worden. Was seine Lage betrifft, so trifft auch auf ihn zu, was Riehl im vorigen Jahrhundert 1861 von den Friedhöfen des Westerwaldes sagt: "Auf dem hohen Westerwald hat man die Kirchhöfe fast überall am Waldsaum angelegt, selbst wenn man sie darum über die Gebühr vom Orte entfernen musste. Es ruht eine dichterische Weihe auf dem Gedanken, dass die Leute ihre Toten vor dem Streit der Elemente in den schirmenden Burgfrieden des Waldes geborgen haben". Dass die Friedhöfe hervorragende Zeugen für die Geschmacksrichtung und den Wohlstand einer Gemeinde und ihrer Zeit sind, das lehrt ein Vergleich zwischen unserem neuen und dem alten Friedhof. Wer erkennen die große Wandlung, die Breitscheid in diesem Jahrhundert durchgemacht hat. Fast scheint es an der Zeit, vor übertriebenem Aufwand auf den Gräbern, über modernden Gebeinen, zu warnen. Zu welchen Verirrungen die Sache ausarten kann, ist mir auf dem berühmten Mailänder Friedhof so recht zum Bewusstsein gekommen. Wichtiger ist, zu Lebzeiten Liebe an den Betreffenden zu üben. Der Tod schneidet alle Möglichkeiten einer Wiedergutmachung von Versäumtem mitleidslos ab.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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