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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann Seite 293


1933 Fortsetzung von Seite 288

21.März "Tag der Nation", ein Dienstag. Die Feiern in Potsdam wurden durch den Rundfunk zu einem Erlebnis auch in den entlegensten Orten. Die Rundfunkempfangsstellen waren überall gut besetzt. In der Schule lauschten die Schüler, im Speisesaal der Fabrik die Arbeiter, die für diese Stunden frei bekommen hatten den erhebenden Gründungsfeiern des neuen deutschen Reiches. Auch unser Altveteran, Thielmanns Rudolf, durfte die großen Ereignisse miterleben. Ich sah ihn, von seiner Tochter geführt, gegen 1 1/2 Uhr auf dem Rückwege an unserem Haus vorbeikommen. Er sagte, er hätte zum Radio in der Mühle gewollt, da hätte ihn Pfarrer B. zu sich hereingerufen. Es wäre großartig gewesen. Ja, welcher denkwürdigen Vorgänge hatte der alte Mann Zeuge sein dürfen! Des Aufmarschs der Wehrverbände des Vorbeimarschs der Reichswehr im Paradeschritt, des Jubels der Massen bei der Triumpffahrt Hindenburgs und Hitlers zur Garnisonskirche, die in dem begeisternden Sang von "Deutschland, Deutschland über alles" ausklang. Dann hatte er die Feier in der Potsdamer Kirche mit anhören dürfen, die Eröffnung des neuen Reichstags, gerade auf den 62. Jahrestag der Eröffnung des ersten Reichstags des von Bismarck geschmiedeten Deutschen Reiches von 1871 des der Veteran mit erkämpfen half.

Er hatte Hindenburg gehört, wie er mit erhobener Stimme gesagt hatte: Möge der alte Geist dieser Ruhmesstätte auch das heutige Geschlecht beseelen, möge er uns freimachen von Eigensucht und Parteigezänk und uns in nationaler Selbstbesinnung und seelischer Erneuerung zusammenführen zum Segen eines in sich geeinten, freien stolzen Deutschlands! - Dann war die Regierungserklärung des Reichskanzlers Adolf Hitler gefolgt.

Die neue Regierung will in gläub. Vertrauen auf das eigene Volk dieses zu einer neuen Gemeinschaft formen. "Wir wollen wieder herstellen die Einheit des Geistes und des Willens der deutschen Nation. Wir wollen wahren die ewigen Fundamente unsers Lebens, unsere Volkstum und die ihm gegebenen Kräfte und Werte".....

"Aufbauen wollen wir eine wahre Gemeinschaft aus den deutschen Stämmen, aus den Ständen, den Berufen und den seitherigen Klassen... Aus Bauern, Bürgern und Arbeitern muß wieder werden ein deutsches Volk. Es soll dann für ewige Zeiten in seine eigene Treueverwahrung nehmen unseren Glauben und unsere Kultur, unsere Ehre und unsere Freiheit. Der Welt gegenüber aber wollen wir, die Opfer des Krieges ermessend aufrichtige Freunde sein eines Friedens, der endlich die Wunden heilen soll, unter denen alle leiden... In unserer Mitte befindet sich heute ein greises Haupt. Wir erheben uns vor Ihnen, Herr Generalfeldmarschall. (Nun folgt ein kurzer Rückblick auf Hindenburgs Leben) Dieses Ihr wundersames Leben ist für uns alle ein Symbol (Sinnbild) der unzerstörbaren Lebenskraft der deutschen Nation..."

Es sind eherne Worte und jeder Hörer fühlt es, daß hinter ihnen ein leidenschaftl. Geist u. ein gewaltiger Wille steht. - Nach Beendigung des Festakts begab sich der Reichspräs. in die Königsgruft um an den Särgen Friedrich-Wilhelm I u. Friedrichs des Großen einen Kranz niederzulegen. Währenddem begrüßte ein Kriegsblinder das neue Reich, er schloß:

"Haltet fest an eurem Gelöbnis, seid bereit zu jedem Opfer, schließt die Reihen, damit der ersehnte Tag der Freiheit kommt. Alles für Deutschland, unser Vaterland."
(Unser blinder Veteran sagte, diesen Kriegsblinden habe er am deutlichsten hören können) - 21 Salutschüsse donnerten nun über Potsdam u. die Ätherwellen trugen ihren Schall ins ganze Reich. Um 1 Uhr erfolgte die große Parade vor Hindenburg. Unser Veteran hat alles deutlich vernommen, die Musik, die Ankündigung der Regimenter, der Infanterie, Kavallerie, Artillerie u. ihren straffen Paradeschritt, dann den Vorbeimarsch der vaterländ. Verbände, der Jugendgruppen. - Unvergeßliche Eindrücke hinterließen die Feiern bei allen.

aus der alten Handschrift übersetzt durch i.A. Robert Petry

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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