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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 296

Auch in seinem Roman "Weiße Erde" legt Philippi denselben Irrtum fest, wenn er schreibt (S.28): "Mit einmal hörte es sich leibhaftig an, als sei der Feind mit wildem Kriegsgeschrei ins Dorf (gekommen) eingebrochen... Das waren aber nur die Mäckeser, "Haareleu" genannt, was so viel wie Heidenleute besagt". Philippis Bücher dürfen nur mit Vorsicht kulturgeschichtlich ausgewertet werden. Er war eben Dichter, und wer das Flügelroß reitet, läßt der Phantasie freies Spiel. Was Philippi hauptsächlich hier zu Veranschaulichung diente, war eine Familie vom hohen Westerwald, die in gewissen Zeitabständen hier ihre Ware holte, auch manchmal am Pfarrgarten, an der "Brück" mit ihren Zeltwagen hielt. Er nennt selbst die Sippe in seinen weiteren Ausführungen: "Und an der Spitze des Zugs, die braune Knochenhand am Pferdezaum, schritt die Hauptmännin der Mäckeser. Fröhlichs Bette (richtigen: Bettche = Koseform von Elisabeth) war's ein stachlichtes Gewächs, vor der dem tapfersten Mann das Widerwort entfiel". "Fröhlichs Bettche", unss allen noch in lebhafter Erinnerung, hatte nicht nur einen gut christlichen Namen (Elisabeth), wie auch ihr Bruder, "Fröhlichs Hannespeter", sondern auch helles Haar und blaue Augen nach echter Germannen- und nicht - Zigeunerart. Überdies: Zigeuner bleiben Zigeuner, ein unstetes, fremdes Element im deutschen Land, Mäckesersippen aber bestehen aus Volksgenossen mit meist festem Wohnsitz, die sich der anständigen Bevölkerung allmählich wieder eingliedern, wenn durch Einflüsse mancherlei Art die Ursache und Voraussetzung für ihre Entgleisung, die leichtsinnige Charakterveranlagung, in ihnen nicht mehr vorherrscht. Wir sagten schon oben, daß das alte, rüde Mäckestum im Aussterben begriffen sei. Mit der neuen Zeit, die mit Riesenschritten im neuen Jahrhundert auf dem Westerwald einzog, änderten sich die Verhältnisse, unter denen seine Entwicklung früher nur möglich war. Das im einzelnen nachzuweisen, müssen wir uns hier versagen. So ist es, wie in vielem, auch hierin besser geworden. Das darf einmal festgestellt und betont werden, angesichts der Neigung der Menschen, eine eingebildete "gute alte Zeit" gegen die heutige auszuspielen, die unsrige in Grund und Boden zu verdammen und für ihre Segnungen blind zu sein."

R.K., Breitscheid.

seite-295 - seite-297

von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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