www.ge-li.de

geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 297

1933

1.Mai "Die Regierung der nationalen Revolution hat den 1. Mai zum Feiertag der nationalen Arbeit erhoben. Sie will damit zum Ausdruck bringen, daß die Verbundenheit des ganzen deutschen Volkes mit der nationalen Arbeit, ihren Schöpfern und Trägern, eine unlösliche und schicksalgegebene ist. Zum ersten Male wieder seit Jahrzehnten innerer Zerklüftung und parteipolitischer Zerissenheit erhebt sich über Zank und Hader der unsterbliche Geist deutschen Volkstumes, verklärt und geläutert durch den Segen der deutschen Arbeit.. Wo ehedem marxistische Haßgesänge ertönten, da werden wir uns nun zum Volk bekennen. Wo früher der Geist eines öden Materialismus triumphierte, da wollen wir fußend auf das ewige Recht unseres Volkes auf Freiheit, Arbeit und Brot, in einem glühenden Idealismus die nationale Verbundenheit aller Stände, Stämme und Berufe zu einem einigen Deutschland vor unserem Volke und vor der ganzen Welt bekunden. Ehret die Arbeit und achtet den Arbeiter. Stirn und Faust sollen einen Bund schließen, der unlösbar ist. In gewaltigen nationalen Feiern wird die Reichsregierung mit dem Volke zusammen diesen Festtag begehen. Die ganze Nation wird aufgerufen, daran tätigen Anteil zu nehmen... Laßt an diesem Tage die Arbeit ruhen. Bekränzt eure Häuser ... mit frischem Grün und mit den Fahnen des Reichs. Das ganze Volk ehrt sich selbst, wenn es der Arbeit die Ehre gibt, die ihr gebührt. Deutsche aller Stände, Stämme und Berufe reicht euch die Hände! Geschlossen marschieren wir in die neue Zeit hinein! Es lebe unser Volk und unser Reich! (Minister Dr. Göbbels)

Gern folgte das Volk diesem Aufruf, alle taten mit, und niemand brauchte sich diesmal durch innere Not und Gewissensbedenken (wie etwa am 21.März um den "Geist von Potsdam" in der Festesfreude gestört zu fühlen. Denn wer möchte nicht auch der Arbeit die ihr gebührende Huldigung zuerkennen und das arbeitende Volk - nach Tolstoi *) in Wahrheit die Elite (Auslese, der wertvollste Teil) der Menschheit - einmal in den Mittelpunkt ehrender Feiern gestellt sehen?!

Wie ein großer Festtag nahte der 1.Mai bei uns heran. Tannengrün und Blüten wurden beschafft - "das Maach" war noch nicht heraus -, um die Häuser damit zu schmücken. Jede Familie, wenn sie nur irgend dazu in der Lage war, suchte eine Fahne zu erwerben, aber es galt bei der Hand zu sein und am Samstag, d. 29.April, war kein Fahnentuch mehr aufzutreiben. An diesem Tag geschah die Ausschmückung des Dorfes. Die Vorfreude leuchtet aus allen Augen, Menschen redeten sich an, die sonst gleichgültig aneinander vorbeigingen.

Es liegt im Wesen der Festfreude, daß sie das Gemeinschaftsgefühl weckt und stärkt und sie tut es umsomehr, je höher Sinn und Zweck des Festes stehen. Der einheitliche und verbindende Gedanke deutschen Volkstums und deutscher Arbeit soll am 1.Mai gefeiert werden! Alle Dorfgenossen sind Arbeiter entweder der Faust oder der Stirn, und indem jeder dieses Volks- und Vaterlandesfest feiert, feiert er sich mit.

Gegen Abend, als noch überall fleißige Hände das Fest vorbereiteten, zog eine fremde Wanderschar, Mädchen und Burschen, munter zu einem Hitlerlied daher schreitend, am Pfarrhaus vorbei dann an der Mühle, wo gerade unser Pfarrer am Mühlschuppen die Hochzeitsgesellschaft der Mühle (Bernhard Th.) fotografierte.
Bald senkte sich der Abendfrieden herab, und die Kirchenglocken läuteten zwei Feiertage ein.


* Seite vorher
Er läßt in dem Roman "Auferstehung" den Fürsten Nechljudow, als er im Wagen 3.Klasse unter den Arbeitern sitzt, ausrufen:
"Das ist sie, die wahre Elite!". Der Ausspruch ist freilich nur unter einer gewissen Einschränkung richtig.

übersetzt i.A. Robert Petry

seite-296 - seite-298

 

zu den Seiten: Übersicht
I II III IV 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47a 47b 47c 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191a 191b 192a 192b 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 206 207 208 209 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 264 265 266 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 359 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 423 424 425 430
Inhaltsverzeichnis

zurück zur Chronik

 

home | blog alt-breitscheid
hausnamen || liste | karte | ansichten | flurnamen | familien |
geschichte || Geschichtstafel | chronik | karte | kriege | friedenszeit | ereignisse |
schulen || kirchweg | lick | neue schule | klassenfotos |
kirchen || evangel. | konfirmandenfotos | freie evangel. | katholische | pfarrer | kirchgeschichte | feg-entstehung | posaunen | kirchhof |
arbeit || rathaus | landwirtsch. | töpferei | haus | ton-ind. | post | a-dienst | bahn | verkehr | stein | wald | wirtschaften | arzt |
fritz philippi || fortsetzungsgeschichte | buch | über ihn | gedichte |
freie-zeit || vereine | feste | gedichte | spazieren | sport | feuerwehr | musik | hochzeiten
kinder || vor der schulzeit |
 
höhle >
kontakt
anfahrt >
gästebuch >
site map
impressum

powered by FreeFind

Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

Diese Seite "Alt-Breitscheid" wird von diesem Blog begleitet: http://altbreitscheid.wordpress.com/

Copyright 2008-10 G.Lingenberg.