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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 298

1933

Am 1. Mai militärisches Wecken. Das Signal "habt ihr denn nicht lange genug geschlafen, wachet auf!" War uns Älteren noch wohlvertraut aus der Manöverzeit um 1890. Dem neuen Feiertag kam es zustatten, daß er auf einen Sonntag folgte. Die Leute erwachten so erleichtert und glücklich und waren mit allem so früh fertig wie an einem 2. Feiertag.

Früh schon wurden wir durch den Rundfunk in die allgemeinen Feiern des Vaterlandes hinein gezogen. Die Lautsprecher in der Mühle und in Hennings Wirtschaft trugen uns die Kundgebungen in Berlin zu. Von acht Uhr ab Läuten der Glocken in allen Orten. Fast wars des Guten zu viel. Von neun Uhr ab die Feiern der Jugend im Lustgarten. Der Berliner Sängerbund trug vor "Deutschland, dir mein Vaterland!"

Dr Göbbels´ Rede beginnt: "Deutsche Jungen, deutsche Mädels"! (Der Chronist begab sich nach Schumanns, um Hindenburgs Stimme auch einmal zu hören.) Dr. Göbbels sprach noch "Wir leben in einer Zeit geschichtlicher Umwälzungen, wie sie vielleicht nur jedes halbe Jahrtausend über ein Volk hereinbrechen. Glücklich die Jugend, die nicht nur Zeuge, sondern Mitgestalter und Mitträger dieses gewaltigen Geschehens sein kann. In diesem Sinne grüßen wir Jungen den ehrwürdigen großen Soldaten, den Gen.Feldmarschall des großen Krieges, den Präsidenten des Deutschen Reiches. In leidenschaftlicher Dankbarkeit schlagen ihm unsere Herzen entgegen."

Zum Schlusse Heilrufe auf Hitler aus 200 000 jungen Kehlen. Dann das Horst-Wessel Lied! Jetzt ein neuer Sturm der Begeisterung, als Hindenb. u. Hitler im Auto nahen und sich auf die Rampe des Schlosses begeben. 200 000 Kinder singen. Ich hab mich ergeben". Dann spricht Hindenburg:

Herzlich begrüße ich die deutsche Jugend ..., die heute hier versammelt ist, um sich zum gemeinsamen Vaterlande, zur pflichttreuen Hingabe an die Nation und zur Achtung vor der schaffenden Arbeit zu bekommen. Ihr seid unsere Zukunft! Ihr müßt einst das Erbe der Väter auf eure Schultern nehmen, um es zu erhalten, zu festigen und auszubauen. Die Zeit ist ernst u. schwer. Aber wenn wir alle zusammenhalten und in Einigkeit und festem Mut und unbeirrbarem Glauben zusammenstehen, dann wird Gott uns auch weiterhelfen. In diesem Willen laßt uns zusammen rufen. Deutschland unser geliebtes Vaterland! Hurra, hurra, hurra!

Die Jugend rief begeistert mit und sang dann das Deutschlandlied. Dann ließ Hitler den Reichspräsidenten hochleben. Erst allmählich klang der Jubel aus. Ich aber hatte Hindenburgs Stimme gehört, das war für mich das Ereignis des Tages. Im Anschluß an diese Reichsfeiern folgten die besonderen Veranstaltungen unseres Dorfes (etwa von 1/2 11 - nach 12)

Festzug und Einweihung unserer Hitler-Eiche.

Die Zugteilnehmer sammelten sich am Gusternhainer Weg. Von Schumanns Fenster konnte ich den Aufmarsch beobachten. In buntem Wechsel sehe ich die verschiedenen Gruppen zum Sammelplatz ziehen. Am reizendsten sind die kleinen Mädchen, mit ihren Kränzlein ums Haar, ein etwa 5-jähriges beißt gerade in ein dickes Stück Rimmelplatz. Hennings Robert fährt Thielmanns Rudolf in seinem Auto vorbei zum Sammelplatz. Endlich ferne Musik - der Zug kommt. Vorerst die Vereinigungen, welche Fahnen tragen. An der Spitze des Zuges die SA mit ihrem Gruppenführer. Dann die Arbeiter und Angestellten der Fabrik, voran der alte Dr. Schick im Auto, nun der Kriegerverein mit seinen Altveteranen im Auto, Posanenchor, Schulkinder, Männerchor Germania, Männerchor der Kirchengemeinde mit Pfarrer Bars,

übersetzt i.A. Robert Petry

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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