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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 308
20. Juni 1933.

Hebammen-Jubiläum.

Nach den großen vaterländischen Feiern durfte unser Dorf nun auch ein schönes Fest in kleinerem Rahmen feiern: Das 40jährige Dienstjubiläum der Hebamme Frau Alwine Zeiler We. Das kirchliche Gemeindehaus war am Nachmittag des 20. Juni vollbesetzt von Festgästen. Den Hauptteil des Saales links vom Eingang füllten die Breitscheider Frauen, rechts an der Südwand saßen die Anverwandten der "Ammefrau" und vorne rechts Gemeindevorstand und Vertretung; links auf dem Podium stand der Tisch für die Jubilarin und die Ehrengäste aus Dillenburg, die um 3 Uhr mit dem Auto eintrafen. Eröffnet wurde die Feier mit 3 Strophen des Chorals "Lobe den Herrn". Wohl kaum dürfte er in einem Gottesdienste mit größerer innerer Anteilnahme gesungen werden als in einer Versammlung von Frauen aus solchem Anlaß, die hier der Durchhilfe des Höchsten in schweren Stunden gedenken. "Der Dich erhält, wie es dir selber gefällt, hast du nicht dieses verspürt?" "In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über die Flügel gebreitet?"
- Herr Bürgermeister Bechtum begrüßte die Versammlung und gedachte der hohen Aufgabe des Berufs, den die Jubilarin 40 Jahre lang treu und gewissenhaft erfüllt habe als ersten Dienst am Menschen überhaupt und an der Jugend und damit auch am Volke und der Menschheit. Über 200 Frauen habe sie in über 900 Fällen betreut, und nun seien die Frauen zahlreich erschienen, um sie an ihrem Jubeltage zu ehren.
- Herr Pfarrer Bars stellte die Festgemeinde unter das Psalmwort Pf. 34,4. An einem Tage, wie dem heutigen, dränge es uns, stille zu halten und rückschauend des tiefsten Schmerzes und der höchsten Freude im Leben der Frauen zu gedenken, an denen die Jubilarin durch ihren Beruf so lange Zeit teilgenommen habe. "40 Jahre Storchentante", dies Buch, das er ihr vor einiger Zeit zum Lesen gegeben habe, zeichne ein Bild ihres eigenen Lebens. Der Dienst einer Amme sei ein hoher Beruf, der deswegen nicht geleistet werden könne bloß als Broterwerb, sondern er müsse getan werden aus dem Quell wahrer Christlichkeit heraus: ich will dienen, ich will helfen, wo ich kann. So dienen zu dürfen, ist Gnade und Gottes Geschenk. Deshalb soll diese Feierstunde nicht allein Menschen verherrlichen, sondern unter dem Worte stehen: "Preiset mit mir den Herrn und lasset uns miteinander seinen Namen erhöhen!" Der reiche Gott hat der Jubilarin Kraft dargereicht zu ihrem schweren Dienst in langen Jahren, er allein schenkt auch unserm Leben Frucht, die da bleibt. Das miteinander zu bezeugen, ist der tiefste Grund unserer Freude an diesem Festtag. In diesem Sinne gedenken wir der Jubilarin und wünschen ihr, daß sie auch weiter unter Gottes Segen im Dienst an unserer Gemeinde wirken möchte. - Der Herr Pfarrer überreichte der Jubilarin dann ein Bild: "Mutterfreude und Mutterglück".
- Der Schülerchor des Herrn Hauptlehrer G. sang nun: "Allzeit im Herrn, in Worten und in Werken". Die Schülerin Gertrud Peuser trug ein Gedicht vor ("Gott war mit dir").
- Herr Landrat Dr. Bünger überbrachte nun als erster der Ehrengäste und im Namen der Kreis- und Staatsverwaltung herzliche Glückwünsche. Gerade die heutige Regierung, die beseelt sei von der Liebe zum Volke, rechne es sich zur Ehre an und es gereiche ihr zur Freude, wenn sie heute in Dankbarkeit der Arbeit gedenken können, die die Jubilarin in Treue geleistet habe. Bei Tag und bei Nacht, in Sturm und Regen sei sie ihrer Pflicht nachgekommen, und der Hauptlohn sei eben der, das Bewußtsein zu haben, ihre Pflicht erfüllt zu haben. Unter den Gratulanten wolle die Preußische Staatsregierung nicht fehlen, und der Herr Regierungs-Präsident habe ihn im Auftrag des Herrn Ministers des Innern beauftragt, mit den Glückwünschen Frau Zeiler auch ein Diplom in Anerkennung ihrer treuen Dienste zu übermitteln, dessen Wortlaut er nun vorlas.
- Die Vorsitzende des Hebammenvereins betonte nun in einer kurzen Ansprache, daß Frau Zeiler zum Teil in schwerer Zeit des Vaterlandes ihren Beruf ausgeübt habe. Wie oft habe sie wohl ein Kind auf den Armen gehalten mit der bangen Frage: "Wie wird's mit dem Kindlein werden in dieser Zeit der Armut?" Aber heute dürfe auch sie wieder bei solchem Anlasse hoffnungsfroh in die Zukunft sehen. Sie überreichte mit den Glückwünschen eine (Brosche?).
- Frau Pfarrer Bars dankte im Namen all der Frauen Breitscheids, denen sie in schwerer Stunde gedient habe. Wie oft habe sie in banger Stunde bei ihnen gesessen. (Die Frauen Breitscheids ließen Frau Zeiler eine schöne Chaiselongue machen)
- Bürgermeister Bechtum nahm noch einmal das Wort und verehrte die Jubilarin von der Gemeinde einen Korbsessel.
- Nachzuholen ist noch, daß Frau Dr. Frank im Namen des Vaterländischen Frauenvereins der Jubilarin den Dank aussprach und ein Diplom überreichte.
- Das Schlusswort hatte Frau Zeiler: durch Gottes Güte sei es ihr vergönnt gewesen, 40 Jahre in ihrem Beruf zu dienen, sie danke allen herzlich.
- Vorher noch Gedichtvortrag zweier Mädchen und ein Lied der Schüler.
- Schlußgesang: die letzte Strophe des Eingangsliedes "Lobe den Herrn". Ewig schön ist dieser Choral. Heute so schwungvoll, klar und frisch von den Müttern gesungen, verfehlte er auch seine Wirkung nicht und war für mich (schon immer mein Lieblingschoral) das Erhabenste der ganzen Feier.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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