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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 316

Zu den Anfängen der Gemeinschaftsbewegung in unserer Gegend.

(Aus der Chronik des Theodor Zöllner - Rabenscheid, 1921 aufgezeichnet.)

Es ging so (d.h. nach der hergebrachten Weise) bis in die 1860er Jahre. Ich steckte noch in den Kinderschuhen, da gab es etwas Anderes, etwas ganz Neues. Es hieß: Nach Haiger ist ein neuer Pfarrer gekommen, der kann gewaltig predigen. Wo es etwas Neues gibt, da macht alles hin. Die Kirche (in Haiger) ist groß, aber sie war doch zu klein. Mein Vater (*) ging auch mal hin. Mich als seinen Ältesten nahm er gern mit, und so kam ich auch hin. Nein, so etwas hatte ich noch nicht gehört, und so ging es den meisten Leuten. Wenn der schrie, dann wackelten die Kirchenstühle ... - Wir hatten bis jetzt in Breitscheid einen einfachen, freundlichen Mann, ohne viele Umstände, ich meine, ich sähe ihn noch, Namens Bickel. Ich war vielleicht damals 10 Jahre alt. (Zöllner war 1854 geboren) Auf einmal wurde der versetzt, wir bekamen einen neuen Pfarrer. (1865 kam Pfarrer Wolff) Der Liebenscheider Pfarrer, der viel Zulauf hatte, hatte mit Leuten aus unserem Dorf (Rabenscheid) gesprochen und gesagt, gegen den (Wolff) wäre er ein Schuljunge. Man war voller Spannung, was kommen werde. Und es kam. Der Mann glaubte sicher, er wäre viel zu spät auf die Welt gekommen. Ich hatte als Schuljunge wirklich Angst, Pfarrer und Kanzel kämen alles obenherüber... Daß da nicht die Kirche jeden Sonntag überfüllt war, war nicht zum Verwundern. Auch in der Schule gab es Neuerungen. Vo da ab durfte kein Volkslied mehr in der Schule gesungen werden. Die "Missionsharfe" wurde unser Liederbuch ... Bei dem neuen Pfarrer gab es auch neue Feste, die man früher nicht gekannt hatte. Sie hießen Missionsfeste. Sie wurden meistens im Freien abgehalten, da doch die Kirche zu klein war. Die Missionsfeste wurden als Jahresfeste gefeiert, aber nur in den Kirchdörfern, wo der Pfarrer seinen Sitz hatte. - "Wie wir nun wissen, wurde das Sektenwesen von diesem Pfarrer (Wolff) gefördert und unterstützt. Wohl wollen wir das Gute, das damit befördert worden ist, nicht verkennen, ebenso wenig können wir auch die Mißstände und den Ärger nicht verhehlen, den sie zuwege gebracht haben. In Breitscheid ging zuerst der Tanz los. Wenn wir an einem Sonntag gegen Abend auf dem Heimweg von Breitscheid an einem Haus vorbeikamen, wo drin gesungen wurde, so sagte man mir, da sind Fromme drin. Ein verpfuschter Schneider (Weber Wilhelm mit Namen) war der Haupt-Mann. (Den folgenden Satz will ich auslassen. K.) Von unserem Pfarrer wurde er unterstützt und wußte sich so einzuschmieren, daß er bald durch diesen zu einem Ämtchen kam. Gar bald war ihm Breitscheid zu wenig, er siedelte nach Haiger über. In kurzer Zeit war er viel gescheiter geworden, als der Herr Pfarrer, der predigte überhaupt verkehrt".

Nach diesen Auslassungen von kirchlicher Seite möchte ich zur weiteren Aufhellung der Anfänge der Gemeinschaftsbewegung auch die Gegenseite hier kurz zum Worte kommen lassen. Grundlegend für die "Freien Gemeinden" ist die Stellungnahme des Evangelischen Brüdervereins in Elberfeld zur dortigen reform. Kirche gewesen. Im Nobember 1854 erklärte er in einer Eingabe an das Presbyterium seinen Austritt aus der reformierten Kirche. Es heißt darin u.a., der Grund ihres Austritts sei darin zu sehen, daß in der bestehenden Volkskirche der Ungläubige mit dem Gläubigen auf Grund einer Massenkonfirmation dasselbe Recht genieße. Der "kirchliche Formalismus" (Die Überschätzung der äußeren Formen des Gottesdienstes) sei eine Gefahr für das persönliche Glaubensleben in Christo. "Wir trennen uns deshalb von Ihrer Gemeinde", heißt es weiter, "weil die Gläubigen in derselben sich grundsätzlich nicht von der Welt trennen wollen..." Durch Hinweis auf 2. Kor. 6,14 ff, (wo es heißt: "Ziehet

(Fortsetzung folgende Seite unten)

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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