www.ge-li.de

geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 378

Examen gegen Schäfer Weigels Anna zu Breidtschiedt.

Weigels Anna dhut ihr Bekantnus in gegenwart ihres Pfarrers den 2 (?) Oktober 1629.

Wahr, als sie das letzte Kind zur Welt tot kriegt vor 20 Jaren und ihr zufor ein feiner bub gestorben, sey sie sehr bekümmert gewest, weil sie noch vorderhant 2 Kinder gehabt, so alle tot zur Welt kommen. Solches der böse feind wahrgenommen; als ihr man mit einem Wagen holtz zu herborn gewesen, und sie noch im Kindbett gewest und uf (über) 4 Wochen das Kind begraben, da wär er in die stube kommen und gesagt: was ist dir, du seist ja traurig? Doruf sie gesagt, ja es geht mir also, ich behalte ja kein Kind. Er gesagt: ich will dir wol zu andern Kindern helfen, die solen dir bleiben, wann du mir zusagst und folgen wolt. Daruff sie ihm die hant gegeben und ihm zu und gott abgesagt und ihm zugesagt zu folgen; doruff (er) sie uf die Erd gelegt und schant mit ihr gedrieben, und sey sein unzucht nit menschlich sondern gantz kalt gewest. Und (er) sey doruff von ihr zur stuben hinausgegangen. Über 6 wochen und lenger sey der Teufel zu ihr in ihr scheuer und haus kommen, wüßt es nit eigentlich, und zu ihr gesagt, ob sie auch standhafftig noch bleiben wolt, ach ich weiß nit, doruff er ihr gedroht, zu schlagen, sie gesagt, ich denke ich muß wol standhafftig bleiben. Doruff alsobalt schant mit ihr gedrieben und dornach von ihr geforen, als wann ein großer wint ginge.

Wahr, in Klesen Zwiebelgarden er zum drittenmal zu ihr kommen und gesagt, wie geht dirs, sie gesagt, das weiß gott wol, doruff er ihr gedroht zu schießen (?) und in einem wint von ihr gefahren.

Wahr, über lange Zeit sie gerst in breitstruth geschnitten, da sey er auch zu ihr kommen.

Wahr, der gaul, den die schmittin mit ihr helfen in ihrem stall den gifft in die Kribe legen, der gaul sey nit gestorben sondern gedorrt.

Sagt, itzo im som(m)er nach Johannesdag wär der Deuffel, ihr Hansn zu ihr kommen uf der bitz im garden und schant mit ihr gedrieben.

Ihr ein Kalb umbracht; item ein schwartz blessigt füllen, hat ihm schwartzen gifft ingeben u.s.w. (Dann folgen Angaben über die Tänze und wen sie da gesehen.)

Mitten in dem Wust von Aberglauben, Herzenshärtigkeit und Grausamkeit gegen die armen Opfer ihrer eignen Einbildungen, berührt es angenehm, auch eine echt menschliche Saite erklingen zu hören. Einer namens Georg (?) (*) richtet 4 Tage vor der Hinrichtung ein Gesuch an den Schultheißen zu Herborn zugunsten der Anna Weigel. Es heißt da: Meinen gruß und Dienst zu vor sonderlich groß günstiger Herr Schultheiß! Ich hab verstanden, daß Dönges schmit hausfraw und andere arme sünder sollen hingerichtet werden; gott wolle ihren armen seelen gnädig sein; so bitt ich zum höchsten und fleißigsten, daß ja das holz, wie etliche aus gesprenget haben, nicht zu Breidscheit möge bey ihren traurigen Hausgenossen und Kindern abgeholt werden.


*) Der Name ist unleserlich geschrieben, wie überhaupt das ganze Schriftstück, besonders der Schluß, sehr schwer zu lesen ist. - Wir sehen: So duster auch die Wolke ist, die an uns vorüberzieht, einen Silberstreifen hat auch sie, der uns leuchtend verkündet: sehet, auch das Gute ist da, verzweifelt nicht an der Menschheit! (Siehe auch den Schluß von Seite 384)

seite-377 - seite-379

von Kornelia Pelz übersetzt

 

zu den Seiten: Übersicht
I II III IV 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47a 47b 47c 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191a 191b 192a 192b 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 206 207 208 209 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 264 265 266 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 359 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 423 424 425 430
Inhaltsverzeichnis

zurück zur Chronik

 

home | blog alt-breitscheid
hausnamen || liste | karte | ansichten | flurnamen | familien |
geschichte || Geschichtstafel | chronik | karte | kriege | friedenszeit | ereignisse |
schulen || kirchweg | lick | neue schule | klassenfotos |
kirchen || evangel. | konfirmandenfotos | freie evangel. | katholische | pfarrer | kirchgeschichte | feg-entstehung | posaunen | kirchhof |
arbeit || rathaus | landwirtsch. | töpferei | haus | ton-ind. | post | a-dienst | bahn | verkehr | stein | wald | wirtschaften | arzt |
fritz philippi || fortsetzungsgeschichte | buch | über ihn | gedichte |
freie-zeit || vereine | feste | gedichte | spazieren | sport | feuerwehr | musik | hochzeiten
kinder || vor der schulzeit |
 
höhle >
kontakt
anfahrt >
gästebuch >
site map
impressum

powered by FreeFind

Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

Diese Seite "Alt-Breitscheid" wird von diesem Blog begleitet: http://altbreitscheid.wordpress.com/

Copyright 2008-10 G.Lingenberg.