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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 379

Da es ja sein solle: sollen und wollen sie das holz theuer genug bezahlen, anlangend meine Base Anna und liebe Gevattersche, so gefänglich, wie ich vernommen, ingezogen: wann sie dann vom bösen feind verführt wurde, so bitt ich umb gottes willen, wollet sie (ermahnen ?), daß sie gott die Ehre gebe und reu und leid über ihren Abfall haben möge, und mit dem schwert vom Leben zum Tode mögen bracht werden und begraben möge werden *) U.s.w.

Euer Henrich Georg (?)

Die Adresse lautete: Dem Ehrenhafften und wohlfrommen Hern Conradt Capfen, schultheisen zu herborn, meinem großgünstigen Hern und freundt.

Herborn.

(Anna Weigel wurde am 30. Oktober 1629 enthauptet.)


Jochem Mergen von Breitscheid gutwillige Bekantnus (**) wegen der Zauberey. Okt. 1629.

Sagt erstlich wahr, dß der böse feindt Zu ihr kommen wäre in ihrem Clässen Garten (unsere "Gaarden" am Schulweg) als Sie gegraben, in eines feinen mans gestalt mit Schwartzen Kleidern, sie gefragt, worumb sie traurig wäre, sie ihm geantwortet und gesagt, sie und ihr man wären streidig über ihren Stiefsohn, daruf der man zu ihr gesagt, sie Solte nicht bekümmert sein, sie Solte ihm folgen, so wolte er ihr helfen, dass sie vnd ihr man einig würden, daruff sie ihm verheissen, zu folgen vnd ihm die handt gegeben vnd mit ihm gebuhlet.

(Es sei) wahr, dß er ihr 10 Gulden zum vierdt (?) pfennig (ge)geben, anzusehen, alß wäre es sehr gut gelt, (es) wäre aber zu pferdsdreck (ge)worden.

Wohr, dß er daruf alsobalt mit ihr gebuhlet und wäre unmenschlich, unnatürlich kalt gewesen.

Wohr, dß er seinen nahmen damals ihr offenbahret und sich Huioff genant.

Wohr, (daß) der teuffell alsobalt zu ihr gesagt, sie müßte nun thun alles, was er sie heisse, ihr auch alsobalt befohlen, ihr selbsten ein rindt umbzubringen mit weißer materia, hätte es aber nicht gethan, sondern Sprengers Hannessen eine blümechte Kuh, so vorne an dem Endt gestanden, mit Schwartzem gifft umbgebracht.

Wohr, (daß) ihr Buhle wieder zu ihr kommen, keine ruhe lassen wollen, sie solte ihr selbst etwas thöden, daruf sie ihr ein Sau umbracht.

Wohr, dß über ein Jahr der teuffell wieder zu ihr kommen und befohlen, ihr eine Kuh umbzupringen, hätte es aber auch nicht gethan, sondern Claßen Henrichen einen Winterling umbgebracht.

Wohr, (daß) er ihr wieder befohlen, ihr selbst ein rindt umbzupringen, welches sie auch nicht gethan, sondern Cora Weygeln ein Kalb uf der weide in der Schlu... kaut mit gifft, welches sie in gras ingewickelt dem Kalb eingegeben, dß es gestorben.


*) Diese Todesart, Enthauptung und Begräbnis, galt als die am wenigen schimpfliche; andere wurden enthauptet und dann verbrannt; die größte Schande hinterließ das Verbrennen bei lebendigem Leibe. Wer reumütig ohne daß Foltern nötig wurde, gestand, wurde "nur" enthauptet und dann begraben. -
**) Damit ist noch nicht gesagt, wenn es auch anzunehmen ist, daß die Mergen nicht gefoltert worden ist. Geständnisse, die unter den leichten Graden der Folter gemacht wurden, wurden noch als reumütige angesehen. Nach Spee galt als solche leicht Anwendung der Folter auch der Gebrauch der Beinschrauben, die dem armen Opfer die Schenkel wie einen Kuchen zusammengepreßt hätten. Daher so viele "reumütige" Hexen!

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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