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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 381

Zu den vorstehenden Hexenprotokollen.

Ein dunkles Kapitel hat sich auf den vorstehenden Blättern entrollt! Wäre es nicht vorzuziehen gewesen, es ganz unter den Tisch fallen zu lassen? Wozu dem Irrtum irgendwelchen Platz einräumen? Ists nicht besser, ihn vollständig außer acht zu lassen, daß er vergessen wird, so wie es ihm gebührt? Diese Fragen sind berechtigt, und Paulus hat recht: "Was lieblich ist, was wohl lautet, ist etwa eine Jugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach"! Und Goethe, wenn er sagt: "Man soll nur das Liebliche im Leben, das Schöne, das Beschwichtigende, das Ausgleichende sehen und hervorheben ... und das Übrige auf sich beruhen lassen". Und Mary Baker Eddy: "Laß Disharmonie jeder Art und jedes Namens nicht mehr gehört werden, und laß den wahren harmonischen Sinn des Lebens und des Seins von dem menschlichen Bewußtsein Besitz ergreifen"! Wenn wir nun trotzdem die Hexenprotokolle in unserer Chronik aufgenommen haben, so ist es aus wohlüberlegten Erwägungen geschehen. Diese Protokolle, wie das ganze traurige Kapitel über die Hexen, zeigen, in welchen Abgrund es führt, wenn man den obigen Ermahnungen entgegen handelt und sich auf die finstere Seite des Lebens schlägt, also dem verneinenden Denken das Feld überlässt. Der Hexenglaube ist auch heute noch lebendig in der Heimat, und es liegt uns am Herzen, daß sie endlich von diesem Aberglauben frei wird. Er muß wie eine im Unterbewusstsein verderblich wirkende Gruppe verdrängter Vorstellungen bewußt gemacht und im hellen Licht der Vernunft als Wahn erkannt und zerstört werden. Und dazu können die Bekenntnisse unserer Frauen zu einem guten Teile mit beitragen.

Auffällig ist die Ähnlichkeit der Bekenntnisse, und der Verfechter des Hexenwahnes könnte sie als Beweismittel für seine Überzeugung heranziehen. Demgegenüber sei bemerkt, daß das Wissen über das Hexenwesen sozusagen eine Weisheit der Gasse war. Soldan meint, mit den Punkten, auf die es in den Prozessen ankam, sei das Volk zuletzt fast genauer bekannt gewesen als mit seinem Katechismus. Die Frauen wußten auch, daß es das Klügste für sie war, sich der Hexerei schuldig zu bekennen. So wollten sie dem Richter willfährig erscheinen und sagten aus, wie er es erwartete. Sein Ziel war, ein Geständnis zu erlangen, auf Grund dessen die Angeklagte verurteilt werden mußte. Wo es nötig war, half er mit geschickten Fragen nach, indem er in sie hineinredete, was er von ihnen hören wollte. Daher stimmen die Aussagen der Frauen in den wesentlichen Punkten überein. Sie enthalten alles, was zum Begriff der Hexerei gehörte: Die Absage an Gott und den Bund mit dem Teufel, den geschlechtlichen Verkehr mit ihm, die Teilnahme an den Hexentänzen, die Übeltaten, die sie im Auftrag des Teufels begangen haben wollten pp.

Es soll zugegeben werden, daß unter den Ungezählten, die dem Hexenwahn zum Opfer fielen, hier und da ein böser Mensch gewesen ist, der absichtlich ein Verbrechen, etwa eine Vergiftung, beging. Manche mögen auch unter einem gewissen inneren Zwang eine böse Tat verübt haben; sie waren eben so überzeugt von der Verführung durch einen persönlichen Teufel, daß sie glaubten, wenn die Regung zum Bösen in ihnen auftauchte, sie wären dem Leibhaftigen nun so verfallen, daß sie die betreffende Tat nun auch begehen müßten. Für eine solche Hexe halte ich die "Klöppelsche" von Roth, von der unsere Lena Hoff zur Hexerei verführt - worden sein will. - Wenn wir also manches bezüglich der Hexerei einräumen, so sind die Bekenntnisse unserer Frauen, aufs Ganze gesehen, doch abzulehnen. Sie sind zum weitaus größten Teil als erdich-


* Im Prozeß gegen Anna Scherer, die Burg-Anna, und Anna, die Schneiders Anna, haben der Heimberger Joh. Groß u. die 2 Ankläger, Martin Hurtig und Schreiner Adam (beide aus Herborn) im Haus des "Schnierdöppen" vergeblich gesucht".

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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