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geschichtsübersicht


(Seite 401)

Aufklärung dunkler Ausdrücke in der Breitscheider Mundart.

mundartliches " hehlinge", für "heimlich", hat ebenfalls die Bedeutung "verbergen". Beim Hafer heißt die Spreu die Kob,(langes o) hochdeutsch "das Kaff", der Kobpähl ein Unterbett ist ein Pfühl, der mit Kaff gefüllt ist."Pfühl" bedeutet soviel wie "Kissen, Polster". Urahne, gebückt, sitzt hinter dem Ofen im Pfühl.

Trümmen heißt teilen. Davon sind gebildet: das Trumm=Bruchstück, z.B. ein Acker, der in der Mitte quer geteilt ist; ferner: der Trompel = etwas Geringes, eine Kleinigkeit; Redensart; etwas für einen Trompel verkaufen. Mit der Trommsäg wird der Baumstamm getrümmt, geteilt; der Bergmann ge = braucht den Trommer. Vergleiche auch das hochdeutsche "Trümmer"

Die Wid' (gedrehte biegsame Gerte zum Binden von Reisigbündeln, "Wischelchern", mittelhoch = deutsch wide = Flechtreis, bedeutet Wiede, welches Wort eine Nebenform von "Weide" ist. Das Flüß= chen Wied im Westerwald soll davon seinen Namen haben."Wid"soll auch schlechthin "Holz" bedeu= ten, u. Stucke stellt in seinen Wortsippen auch die Langwied (kurz gesprochen wie obiges "Wid"),die Verbindungsstange zwischen Vorder- u. Hinterwagen, zu unserem Wort.

Die Wörter Groppen (eiserner Kochtopf) und Grieben (die ausgebratenen Stückchen Speck oder Schmalz) gehören derselben Wortfamilie an; die älteren Vorfahren dieser Wörter haben die Grund = bedeutung "rösten". Unser mundartliches Reb, Mehrzahl Rebe oder Rewe, für krustartigen Hautaus= schlag, ist auch das Wort Griebe; es hat eine Übertragung stattgefunden, weil die Kruste den Grieben in der Pfanne ähnlich sieht. Daher sagt man auch scherzweise zu einem Kind mit einem solchen Aus= schlag am Mund: " Dau seist'm Pärner henner de Grejwe gewest". (Weit verbreitete Redensart.)

Die Zich (ein weiter Tragsack in der Form eines Kissenüberzuges), in der armen, alten Zeit ein un = entbehrlicher Gebrauchsgegenstand der Landleute, ist heute fast ganz durch Rucksack, Reisetasche pp. verdrängt. Das Wort wird "Zieche" geschrieben und hat nichts mit "Überzug" zu tun, obwohl die Tat= sache, dass vielfach die Kissenüberzüge als Zich benutzt wurden, dies vermuten lassen könnte. Die Sprachgelehrten halten "Zieche" für ein Lehnwort, das aus dem griechischen Wort für theke ??? entstanden ist, welches "Hülle, Büchse, Futteral bedeutet.- Zur Wortfamilie gehören die Fremdwör= ter: Theke (Ladentisch), Hypothek, Apotheke.

Das Wort Barmszeug ist verkürzt und entstellt aus "Beiderwandszeug". So wird der aus Wolle und Leinen selbst gewebte Kleidungsstoff der Bauern genannt, weil beide Seiten desselben gleiches Aus= sehen haben u. nach außen getragen werden können. Selwin bedeutet wahrscheinlich Selbende, Selb- Ende, denn "Ende" heißt bei uns mundartlich "In". Mit Selbin bezeichnet man den Randstreifen, die Webekante an einem Stück Tuch. Es ist ein zur Verhinderung der Ausfaserung mitgewobenes, dem Tuche selbsteigenes Ende, im Gegensatz zu einer Fremdstofflichen Einfassung. Im übertragenen Sinn bezeichnet man bei uns auch das Randstück am Kuchen (am "Zimmetsplatz" u. Rimmelplatz") und den Acker am Rande des Feldes mit "Selwinstück". -Befremdlich ist, dass das Wort Selwin in den Wörterbüchern "Salband" geschrieben wird, obwohl mittelhochdeutsch auch selp-ende, unserer Auslegung entsprechend.

Heraach (der Rauch von den großen Moorbränden in Norddeutschland) wird gern als Höhenrauch ins Hochdeutscheübertragen, weil er hoch am Himmel hinzieht. "Höhenrauch ist aber eine Umdeu= tung des Wortes he-rauch oder heirauch, von dem alten Worte hei-dürr, brennend, bedeutet also Trockenrauch. Die amtliche Rechtschreibung hat darum die Form "Herauch".

Keraach (die Schwärze der Weißbinder) heißt hochdeutsch "Kienrauch" auch "Kienruß", Kien =

Gemeinde Chronik, Seite 401 von R.K. - Übertragen durch Hans Henn

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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