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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 412

Nothklag des Pfarrers Ludovici (1666).

Durchlauchger, Hochgebohrner, gnädiger Fürst vndt Herr.

Ich werde zum höchsten gemüsiget. E.F.D. (Euer Fürstlicher Durchlaucht) zu erinnern, wie daß die gemeinde Breidscheid Euer Fürstlicher Durchlaucht gegebene befelche wegen ackern, nicht allein frevntlich vndt halstarriger weise muthwillig verachten, vndt solche befelche nichts fürstliches hohes würcken noch verfangen wollen, sondern zu allem trutz auch vnderlassen, das jenige zu thun, waß sie sonsten anhero mihr wie auch meinen antecehsoribus (Vorgängern) gethan haben, vndt ich auß schmertzlichen empfindungen solcher gegen mich verübter raach vnd muthwillen vergangen Jahr nicht einen eintzigen kern kornes sehen können, dahero (ich) itzund auch nichts einzuernten vndt zu leben habe, daß darogestalt (ich) mich mit meinen domesticis (Angehörigen) ohne hunger vndt noth leyden... notturfftig nicht auß zu bringen vermag. Zu deme so hat die hardneckigkeit v. halstarrigkeit meiner benachbahrten als rechten mandrabaliten (? Mandrit = Klosterbruder, alle wohl Christen) die gemeinde Rabenscheid, so ausser (Präspiel) v. land, zu hertzen genommen, sich meines elenden lebens erbahrmet v. jedes pferd einen halben tag geackert, ich auch soviel mächlich, doch nicht ohne große Costen, gedingt, dargegen (ich) aber von meinen nachbahren den Breitscheidern) nicht so viel vermag zu haben, das (ich) umb lohn einen einzigen pfluch einen halben tag ... bekommen können in der höchsten noth, wie ich den(n) selbsten viele darumb angelauffen vndt den heimberger der gantzen gemeinde sagen laßen, wan sie mihr nicht vmb Lohn arbeiten wolten, wehre mihr unmöglich bey ihnen zu leben. Dieweilen aber die rechte rührzeit (rühren = eine leichte Art des Ackerns vor dem "Setzen") fast umbhin ist, alle meine vorige (vreiosten) v. arbeith verlohren? wo saat korn? wo lebens brodt hero nehmen, allein auß verargter weltlicher boßheid meiner benachbahrten verseumbnus muthwillig? Ist das aber nicht, gnädiger Fürst v. Herr, unnachbarlich vnverantwordlich gegen Gott, ihre obrigkeit v. seelsorger ja unchristlich sich verhalten, der ich doch verpleibe intra terminos vocationis also daß ich gegen Gott den allmechtigsten, mein gnädig obrigkeit v. menniglichen vertrau zu verantworten.

Gelangt demnach ahn Euer Fürstlicher Durchlaucht mein vnderthänig pitten, diese meine nothklag ihrem hocherleuchteten verstand nach gnädig zu erwegen v. behertzigen, ob solche muthwillige, halstarrige, wiedersetzliche boßheidt ohne rechtlichen Zwang für dem gerechten Gott zu verantworten, einen armen Diener Gottes words also drücken, nothleiden vndt seuffzen zu lassen: Sonder daß Euer Fürstlicher Durchlaucht die vielmahl .... ertheilte befelche handhaben, welches als den (alsdann) zu größerem ....nechst Gottes ehr, Euer Fürstliche Durchlaucht hochrümblichen eiffer zu Gottes word vndt ehren gereichet, v. bin bittmessig(er) gnädig(er) handhabung deren.... befelchen vnderthänigst in schrifftlichster Krafft gewertigt.

E.F.D.

Vnderthäniger gehorsamster Diener
Am word Gottes anitzo zu Braidschiedt
Johann Jakob Luduvici.

(Fürst Heinrich schrieb eigenhändig auf die Rückseite des Gesuchs: (Des) Suplicaniten (Bittstellers) Zuhörer sollen sich mit ihme vergleichen, damit wihr ahnlaufens entübriget seien, dieses ist Vnser ernster befelch. 1666 Henrich Fürst zu Nassau.)

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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