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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 56

1530 beschwert sich Lengets Heyman von Breitscheid:

".... mich hath dissen morgen der Schultheis zu Herborn gefenglich zu lybern (liefern) angenommen, das (daß) ich vß onghorsam vff der gemein von Erpach clage mitgeantwort haben soll, da ruff thun ich vch dinstlich zu erkennen, das mir die clage nit behendigt ... sunst wolt ich gar noede vßplyben syn, das mich aber die von Erpach schwerlich beilagen, das ich ire kynder gejagt vnd zur aspenstruth in der von Gonsternhaen hend getrongen pp.; wird sich gar nit erfynden, dan ich hab gesehen, das jrn pferdhirten in vnser weyde vnd ongepürliche ortern weiden, hab ich sie heissen ryden in die weide by vnser pferd, hab der kheynen witers gejagt oder geschlagen, sie werden es auch nit bewysen, Bitten darumb ..."

(Man ersieht hieraus, daß auch Kinder, aber doch wohl größere Jungen, die Pferde gehütet haben. Dorfschulen gab es ja auch noch nicht. Die Pferde blieben auch nachts auf der Weide, und man kann sich denken, daß eine wetterharte, wilde Jugend aufgewachsen ist. Wie klagt Luther über die Unwissenheit des damaligen Landvolkes. "Hilf, lieber Gott, wie manchen Jammer habe ich gesehen, daß der gemeine Mann doch so gar nichts weiß von der christlichen Lehre, sonderlich auf den Dörfern, ... können weder Vater - Unser, noch Glauben oder zehen Gebot; leben dahin, wie das liebe Vieh und unvernünftige Säue". - Bezeichnend ist auch die Angst der Erdbacher, ihre Kinder in die Hände der (hessischen) Gusternhainer kommen zu sehen. Wir sahen (S. 41), daß die Jungen der Erdbacher 1530 von den Gusternhainern bei Nacht und Nebel im Schlaf geschlagen worden waren.)

1532, Montag nach Trinitatis, klagt die "gemeyn von Erpach:

Gestern Sonntags ist unser Kuhhirt unserm alten Gebrauch nach in die Erlen bei Breitscheid gefahren, das Vieh darin zu weiden; haben etliche von Breitscheid das Vieh aus den Erlen zu Aspenstrut zu bis an den Schönbacherweg geschlagen und gejagt, "auch ein kow der maß geschlagen, das die in eynen graben gefallen vnd hetten sie dieselb nit widder vffgehoben, musst sie darin verdorben syn", hatten sich hören lassen, wir sollten da nicht, sondern in die Aspenstrut hüten, wiewohl unsere Eltern ("aldrn") seligen und wir allezeit in den Erlen mit gehütet haben.

So haben unsere Pferdehirten auf der andern Seite von Breitscheid, in der Breitstrut, die unsere "aldren" und wir auch alles mitgebraucht, gehütet, "synt widder etlich vß breitscheit dohien gelauffen, vnser pferd gepfant, vnd ghein Breitscheit vff jren kirchof getryben, als wir des der pferd halb wyse worden, haben wir etlich nachburen ghein Breitscheit geschickt, funden dieselben vnser pferd vff jrem kirchhofe stehen, die wollten jnen die von Breitscheid nit folgen lassen, (es sei denn) wir wolten dan Bürgen setzen, in die Breitstruth nit mehr zu tryben, dasselb wolten vnser geschickte nit thun, v.g. (Euer Gnaden) verwyset vns dan

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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