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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 57

der weide des ortz, darzu sie von Breitscheit wyter geridt (geredet) sie wolten vns mit pferden oder vyhe vff kheyniger syten lyden, welichs vns armen beschwerlich, dwyl vnsere aldrn seligen fur, vnd wir nach, alles die beide Irlen vnd struth mit geprucht haben". U.s.w. (Es wurde in der Sache verfügt: Breitscheid soll denen von Erdbach "das abgepfandt vyhe ... sünder alle entgelt ledig geben", beide Parteien sollen "mitler Zeit gegeneinander stilsteen, pfandung wort vnd werk einander erlassen, biß mein g. Herr zu gelegner Zeit den augenschein der spennigen hude halben selbst oder durch seiner gnaden verordente besichtigen vnd alsdan bescheiden".)

1536, Juni 16, führt Erdbach wieder Beschwerde: "...Nechten am abent, als vnser pferdehirten noher der Aspenstrut vnd den Irlen geritten, die (pferd) in die weid zu spannen, 1). So syn Claß grethen eidomb (Eidam), Johanchen Heintz vnd Cleßhans knecht von Breitscheit mit drien (3) kolben am Malnreyn (wohl oberhalb von Oberstruth) gestanden, wolten vnser pferdhirten in vnser gewonlich alt weide mit rythen lassen, sprachen, wir solten vns in der weide oder vyhedryb mit fynden (lassen), anders sie lybe (Leib) vnd leben darby lassen, wir konnen nit wyssen, ob es die dry vß jren eigen kopfen, oder mit rathe der gemeyn gethan, So ists wißlich, das wir der weid halber gantz bezwenglich sitzen, konnen des alten gepruchs nit emperen, darumb vnser vnderthenigs durch Gotz willen bitten, v.g. woll die genanten dry, oder ob sie das vß der gemeyn Rathe gethan, sie sambt der gemeyn zu breitscheit anhalten, vns mit eygener gewalt vnsers alten gewonlichen vyhedrybs vnd weidgangs nit zu entsetzen, das wir vns neben jnen vnder v.g. enthalten konnen, wyter (weitere) Zweytracht vermitten plybe, vnd bitten des ein g. antwort. Datum am XVI Juni Anno .. XXXVI

Die gemeyner von Erpach."


1) Die Pferde wurden in die Weide "gespannt", d.h. es wurden ihnen die Vorderbeine mit einem Strick so kurz verbunden, daß sie wohl gehen, aber nicht entlaufen konnten. Von diesem Brauch rühren auch die Ausdrücke: "spennige orte" (= Weideplätze), "spennige weide", "spennige hud", "biß auff nechste spen" (= bis auf den jüngsten Weidegang) u.s.w. Das Fesseln der Pferde geschah hauptsächlich nachts, um ein Entweichen zu verhindern.


(Nicht zu diesen Prozessakten gehörig!). Vom Jahre 1527 liegt eine Eingabe der Gemeinde Breitscheid im Staatsarchiv Wiesbaden, in welcher sich dieselbe beschwert, daß ihr in einer Nacht (170) Stämme aus ihrem gefreiten Wald gestohlen wurden. - In einer andern Eingabe von 1598 ist davon die Rede, daß hessische Untersassen aus Waldhausen in der "Einfahrt" (= Gemarkung) "Wasch- Erde" (Wascherde = Walkererde) gegraben haben vor 6 Jahren. Der Peter Reiff hat diesen Hessen ihre Geräte weggenommen, ist dafür von dem Heimberger und der Gemeinde mit ½ Gulden bestraft worden, bezahlte aber dies Strafe nicht und wurde darum abgeholt. (Staats-Archiv)

(Siehe darüber ausführlich S. 349, 350)

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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