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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 70

1536
Am Dienstag nach Lukas (18. Oktober) kam der Rentmeister von Dillenburg mit dem Keller von Driedorf in des Wirts Hause zu Heisterberg zusammen. Der Keller brachte vor, "weß er der Dorffer Rabenscheit, Gusternhain vnd Breitscheid halb(er)er von seinem gnädigen fürsten vnd hern krigt vnd vßbracht hab." Unter anderem sagte er, er habe Befehl, die von Gusternhain und Rabenscheid bei dem hessischen Instrument zu handhaben, und was für Baufeld im Bezirk dieses Instruments liege, und befruchtigt werde, davon soll dem Driedorfer Pfarrer der Zehnte gegeben werden. Der Rentmeister antwortete, sein gnädiger Herr sei "disser Zeit nit anheimsch", er wisse ihn keiner Antwort zu vertrösten, sobald sein Gnaden "inheimsch" komme, wolle er ihm den Befehl anzeigen, ohne Zweifel werde sein Herr Antwort zu geben wissen. Darauf sind dann die Breitscheider aufgefordert worden, den Verlauf der Grenze dem Grafen mitzuteilen. Ihr Bericht findet sich in dem ersten Aktenband (B 661) und ist auf S. 43 gebracht worden.

Am Freitag nach Allerheiligen beklagt sich der Keller (von Driedorf) bei dem Rentmeister (in Dillenburg): Weiter Herr Rentmeister kommt mir glaubwürdige Klage, daß der Müller von Erdbach einen genannt Peter Ubach von Gusternhain kurz verg engen zu Schönbach in den Pfarrhof (auf die Pfarre oder "vff die freyheit", weil Verbrecher in die Pfarrhöfe und Klöster nicht verfolgt werden durften) mit "geraustem Rieting" (an anderer Stelle "Weher" genannt, also mit einer ausgerupften Gerte aus Riet oder dergleichen) gejagt habe, und so er (Vbeg) des Jagens Ursach wollen wissen, hat der Müller geantwortet, er sei ihm Heller und Pfennig nicht schuldig, sondern daß er ihm sein Vieh nicht wolle lassen weiden. Der Keller fügt hinzu: Wenn die landgräfischen Untersassen in der Herrschaft Nassau nicht sicher wandern können, würden sie geursacht, solches weiter anzusuchen; es würde ganz unnachbarlich gehandelt.

Anläßlich einer Pfändung hatten sich die Gusternhainer bei ihrem Wort gütlich getan, "Zerung vfgetragen vnd verdruncken". Das sollten die Breitscheider bezahlen. Sie weigerten sich, und es ging darüber manches Schreiben hin und her. Der Wirt pfändete die Gusternhainer. Wer schließlich die Zehrung berappen mußte, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Einmal schrieb der Keller Martin von der Thann nach Dillenburg: "Ist zum dicker mail (wiederholten male) mein begern..., die von Braitscheit den pfandtschilling zubezalen anzuhalten..., wo aber das verhalten werde, muß (ich) es an den hern Staithalter gelangen lassen, kundt Ir erachten, was als dan dar vß entstehen moicht, dan er lest sich in die lange nicht umbdriben, Hiemit viel guter Zeitt." Der edle Herr von der Thann überzeugte nicht, indem er forderte, denn er hatte selbst Dreck am Stecken. In einem undatierten Rückblick (1537 ?) wird gesagt, beiderteils Untertanen wüchsen mit täglicher Pfändung in - uni gegeneinander, daß auch ein Teil nassauischer armer Leute geschlagen, verwundet und tot blieben; die Landgräfischen hätten den Nassauischen ihr Vieh, hiervor 9 Pferde eine gute Zeit ingehalten, item ihre Schaf, deren Martin von der Thann, gewesener Keller zu Driedorf, etlich geschlacht, auch deren einen Teil über fürstlichen und des Statthalters Befehl behalten u.s.w.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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