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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 73

wollten denselben nicht ungestraft lassen. Aber wir waren des Vornehmens, so der Hafer reif geworden wäre, so wollten wir ihn mit Rat, in Dillenburg eingeholt, gemähet und abenommen haben, weil das Land uns zum Teil zuständig ist, damit wir nicht durch Einnehmen "frembder leude" an unsern Eigentum beschädigt werden. (Ausgang des Falles unbekannt). - Gleichzeitig klagt Breitscheid: Es hat auch Kon Christs Jost (von Gusternhain) mutwillig in unser Geländ gefahren, hat einen Pflug zu Schönbach genommen, daß man seine Tücke nicht merken und meinen sollte, es täten die von Schönbach, aber er ist daraus gejagt, daß er dgs (in der Eile) ließ liegen. Er hat aber nun die Hälfte mit Hafer besät, auf daß er's in seinen Brauch bringen möchte. Die Hafer steht noch. So denn das Land uns zuständig ist und er das also mit List untersteht einzunehmen, so bitten wir, Euer Gnaden wolle uns zu verstehen geben, wie wirs mit der Hafer vornehmen sollen, ob wir ihm selbst Nehmens gestatten und des Unsern entbehren sollten oder nit, damit wir nichts Vergessliches vornehmen.

1550, auf Pfingsten, hat es sich zugetragen, "daß deren von Breidtscheidt kuwhirth Kreyn Henn, in dem Hachelbachs graben gelegen, wölchs on alle mittel in nassauwisch oberkeit ligt, sein keeß (Käse) vnd brodt geessen, sejen kilmanß Thebuß jun von Gosternhain sampt andern vieren von Gosternhain von Rabenscheidt herab gangen vnd gedachten kuwhirthen von Breidtscheidt on Einiche vrsach, vff den linken arm gestochen, vnd mit dem Bejhel (*) geschlagen." - "Ihm so hab Inen (ihn) Jacob der Ejdel zu Gosternhain, disen Sommer auch in der aßmußstruth bej den kuwen on Einiche vrsach vberloffen, vnd mitt einer haugabel geschlagen."

Am 16. Juli desselben Jahres wurde der Breitscheider Schäfer überfallen und mißhandelt. Der gesamte amtliche Schriftwechsel über den Fall, mit Ausnahme der Schlussverhandlungen, ist noch vorhanden. Am ausführlichsten wird die Sache in dem Protokoll dargestellt, das von der Untersuchungsbehörde am 19. Juli über das Verhör der Breitscheider aufgestellt wurde. Dieses ist der folgenden Darstellung die Grundlage gewesen. Im Beisein Melchior von Graradts (**) (Grorad ?), des Amtsmannes, und Doktor Justini Goblers verhörte der Sekretär Dyonisius Reuchlin die folgenden Breitscheider: Johann den Heimberger, Christgins Jakob, Jörgen Clauß, Kremers Jost und Jung Elsen Clauß. Die sagen einhelliglich, wie es sich zugetragen: daß auf letzten Mittwoch den 16. Juli "vmb den zwo vren nach Mittag" der Schäfer von Breitscheid, Ludwig von Wommelshausen ("wummelßhusen") in Hessen, unter dem Müllerstück an der Aspenstrut auf dem Driesch gen Breitscheid gehörig, auf nassauischer Obrigkeit Grund und Boden, in seiner Ruhe gelegen und geschlafen; "seind Etlich vß gosternhain ... zu Im (ihm) hinein gefallen, vnd hab einer mittt einer hauw gabel den scheffer bey dem hals ergriffen, Inen


*) Axte oder Beile (Barten) waren die gewöhnliche Bewaffnung der Bauern. **) Wahrscheinlich handelt es sich um das adelige Geschlecht "von Grorod." Der Hof Grorod besteht heute noch. Er liegt einige Minuten unterhalb Frauenstein b. Wiesbaden. An den Namen "Hof Grorod" knüpfen sich für mich die schönsten Erinnerungen meines Lebens. Ich verkehrte als junger Lehrer von Dotzheim in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts dort in der Familie des Verwalters des Hofes.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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