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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 94

Aus der Zeit des 30jährigen Krieges. (1618-1648).

Die Grafschaft Dillenburg blieb neutral, bis 1631 die Schweden kamen; am 1. Dezember 1631 trat unser Graf Ludwig Henrich zu den Schweden über; nach der für die Evangelischen unglücklichen Schlacht bei Nördlingen trat er Herbst 1635 aus politischen Gründen auf die Seite der Kaiserlichen, und 1640 zog er sich aus dem Kriegsleben zurück und erbaute sich das Lusthaus unterhalb Uckersdorf, Neuhaus genannt, während das um 1621 gebaute Ludwigsbronn das "Alte Haus" genannt wurde (Neuhaus hieß Katharinenbronn). - Es ist uns von den Breitscheidern Pfarrern kein besonderer Bericht über die Kriegserlebnisse unseres Dorfes hinterlassen worden. Zum Glück reichen aber unsere ältesten Kirchenbücher in diese Zeit zurück, und ein Niederschlag der Ereignisse ist aus ihnen doch zu erkennen. Unter Heranziehung von Kellers: "Drangsale des nassauische Volkes" und Steubings "Topographie" u.a. können uns dann die gelegentlichen Eintragungen in unserem Pfarrhaus doch ein wenig ins Bild setzen.

Der große Kampf zwischen Katholiken und Evangelischen brach 1618 in Böhmen aus, für unsere Heimat, "hinten weit in der Türkei". Aber sie traf Vorbereitungen, der heraufziehenden Gefahr zu begegnen. - Als im November 1619 ein großer Komet lange am Himmel stand, hielten dies die abergläubischen Menschen (denn Komete erscheinen auch im tiefsten Frieden) für das Anzeichen des Heraufziehens furchtbarer Zeiten. Ihre Angst sollte diesmal nur allzu begründet sein. - Bettler durchziehen das Land, die schon die Kriegszeit am eigenen Leibe verspürt hatten. 1618 wird einer aus Hessen, "so von Freibeutern beraubt worden", aus unserem Almosenkasten unterstützt, ebenso 1620 ein Mann aus der Gegend von Worms, "so vom Kriegsvolck verherget (verharrt) worden". (*)

1620. In der zu Breitscheid am 9. Oktober abgehaltenen Synode, ward den sämtlichen Predigern der Grafschaft von Herrschaftswegen anbefohlen, bey dem Visitations-Abschied von 1611 fest zu halten, die Kinderlehre fleißig zu halten, die Schulen auf den Dörfern nicht in Abgang kommen zu lassen, den Heidelberger Katechismus fleißig zu treiben, des Abends und Morgens auf den Dörfern von den Schulmeistern das Gebet unausgesetzt halten zu lassen, bey ihren Gängen auf die Dörfer allemal die Schulen zu besuchen und zu katechisieren". (Nach Steubings Kirchengeschichte).

Von 1622-1636 war Joh. Gottfried Heidfeld als Pfarrer hier. Gebürtig aus Driedorf, kam er von Bergebersbach hierher, wo er sich schon schriftstellerisch betätigt hatte. (Er hat z.B. in seinem "Studentenspiegel" das Leben des damaligen Studenten geschildert.) Er war ein gelehrter Mann und wurde von hier an die Hohe Schule zu Herborn als Professor der griechischen Sprache und Geschichte versetzt.

1622, am 30. Januar, rückte Graf Anholt mit einem Corps von 12000 Mann ins Dillenburgische ein. Graf Anholt lag in Haiger mit 800 Reitern, alle anderen Ortschaften waren mit Truppen angefüllt. Diese Truppen hielten schlechte Manneszucht, weder Männer noch Frauen waren vor diesen Unmenschen sicher. Die Frauen wurden geschändet, die Männer furchtbar mißhandelt, die Kindbetterinnen aus ihren Betten in die Wälder gejagt. Öfen, Fenster und Türen wurden zerschlagen, die Lebensmittel in den Kot geworfen, Bettwerk und Hausgerät mit fortgeschleppt u.s.w. In Uckersdorf und Ebersbach mußten verschiedene Personen 50-100 Reichstaler zahlen. Im Burbacher Grund griffen die Leute aus Verzweiflung zu den Waffen und verteidigten sich gegen die Unmenschen. (Ausführlicheres bei Keller.)


*) Ferner wurde 1620, zweien nacketen Vaganten, so Brüder.... gewesen und auß Böheimen kommen "4 alb. 4 ed" Almosen gegeben.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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