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geschichtsübersicht
Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 97

sollten, denn bei diesem krieg nie keiner so bös gewesen, der solchergestalt uf einen geschossen hatte." Aber "indem er sich zue laufen gestalt, wer er stracks hinden zum rücken hinein geschossen worden, dasz er stracks liegen geblieben. Die kugel sei noch im leib, er fühle seines leibs unden her noch gar nichts, sondern sei gleichsamb todt."

1628-30 waren Missernten; dazu die Not des Krieges. So kam der Hunger. Man backte Brot aus Hanfkörnern, Eicheln und Wurzeln. Und da man glaubte, das Elend sei eine Strafe des Himmels für das Teufelwesen, das im... herrsche, so begann man die Hexen zu verfolgen.

1629 wurden vier Frauen aus Breitscheid wegen Hexerei in Herborn hingerichtet, 1631 und 1632 je eine, und 1638/39 wurde wieder zweien der Prozeß gemacht. Wir hoffen über die Hexenverfolgungen in Breitscheid an anderer Stelle einen besonderen Aufsatz zu bringen. (*)

1631 erhielt "Johannes Klein zu Heylung des fingers, so ihm ein rohr (Gewehr) in der Wachtt zu Dillenbergk abgesprengt", 12 Albus Almosen. " Item einem ... Fuhrmann, dem von partheyen vier pferdt genommen worden 5 Alb. - Item einer vertriebenen pfarhers frawen von Magdeburgk 2 alb. 6 d". (Magdeburg war 1631 von Tilly zerstört worden.)

- Die Kastenrechnung von 1631 enthält 43 "Item" über Unterstützungen, darunter viele an Fremde, ein Beweis, daß in diesem Jahre in Breitscheid keine besondere Not herrschte.

Nach dem Fall Magdeburgs stand es schlecht um die evangelische Sache. Da kam Gustav Adolf als Retter der evangelischen Freiheit. Die ersten Schweden zogen den 5. November in Herborn ein und vertrieben die Pappenheimer. So hörte auch endlich die so viele Jahre getragene drückende Einquartierung einmal auf, und es kamen die bis jetzt so sehr geschonten katholischen Gegenden mehr an die Reihe.

- 1632 rückte unser Graf, der zu den Schweden übergetreten war, mit seinem Infanterie - Regiment nach Mainz aus. Das war eine große Gefahr für die Heimat. Denn auf den Ausschuß, die Bürgerwehr, konnte man sich wenig verlassen. Dieser hielt zwar treue Wacht an der Grenze, solange keine Gefahr bestand, sobald sich aber der Feind blicken ließ, suchte er in der Flucht sein Heil.

- Am 6. (16) November 1632 fiel Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen. In vielen evangelischen Kirchen wurden Trauergottesdienste abgehalten.

- Im Frühjahr 1634 machten die Kaiserlichen Einfälle von Südwesten her auf den Westerwald. Im Mai nahm der Feind in der Gegend von Driedorf und dem Knoten an 1000 Stück Rindvieh und 50 Pferde weg und führte sie fort.

- Gegen Ende November 1634 kam ein Teil des feindlichen Mansfeldschen Heeres, 3 Regimenter zu Fuß unter dem Obersten Metternich, von Rennerod her über Driedorf, um über Herborn nach der Wetterau zu ziehen. Die Truppen überstiegen die Mauern Herborns, versetzten die Bewohner in großen Schrecken und plünderten die Stadt. Ob der Durchzug derselben durch unsere Gegend auch Breitscheid berührt hat, ist uns nicht bekannt.

1635, am 18. Januar, hatte unser Graf mit seinen Soldaten den Kaiserlichen die Festung Braunfels durch einen kühnen Handstreich entrissen. Diese Heldentat erregte im In- und Ausland große Bewunderung. Aber dieses Draufgängertum Ludwigs Henrichs sollte seinem Ländchen teuer zu stehen kommen. Der kaiserliche Heerführer Phil. V. Mansfeld schrieb an unsern Grafen, "er wolle sein Land so heimsuchen, daß er und seine Nachkommen dies gewiß nicht vergessen sollten; es sollten alle Gebäude des Landes in Asche gelegt werden, kein Schweinestall mehr stehen bleiben". Graf Ludwig Henrich antwortete ihm, "er wundre sich sehr, daß der Graf mit Brennen drohe, solche Art, Krieg zu führen, sei unter christlichen Völkern nicht gebräuchlich. Für jedes Dorf, das ihm abge-


*) Siehe: "Die Hexenverfolgungen in der Heimat", S. 109 ff. und "aus den Hexenprozessen Herbst 1629 (Die Hexenprotokolle)." Anhang S. 374-384.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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