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Die Ortschronik von Reinhard Kuhlmann - Seite 98

brannte würde, werde er in den benachbarten katholischen Ländern zwei Dörfer abbrennen lassen". Der Landgraf Wilhelm von Hessen hatte Hilfe versprochen, aber diese blieb aus. Mansfeld machte sich anfangs Mai auf, um Rache an unserem Ländchen zu üben. Furchtbarer Schrecken kam über die Leute,Graf Ludwig Henrich als sich das drohend Ungewitter näher zusammenzog. Die Dorfbewohner um Dillenburg zogen mit dem Vieh und aller ihrer Habe auf die Dillenburger Festung.
Die Breitscheider mögen wohl in unsern großen Wald geflüchtet sein. Das Groß (der Hauptteil) des Mansfelschen Heeres kam die Dill herauf, ein andrer Teil rückte von Weilburg über Driedorf vor, für beide Teile war das Ziel die Festung Dillenburg, wo der Graf seine Truppen zusammengezogen hatte. Stadtschreiber Höhn von Herborn schreibt über den Einfall: ".... die armen Landleute mußten viel leiden. Die meisten liefen in den Wald, einige blieben zurück, in der Hoffnung davon zu kommen." (Die Festung Dillenburg wurde eingeschlossen). Unterdeß kam ein Kommissar vom Schloß und bot einen Akkord an, welcher nach mehrfachen Briefwechsel angenommen wurde." (Der Graf mußte den Abzug Mansfelds mit 10000 Reichstalern erkaufen.) "Trotzdem aber hat das Feindsvolk sich auf alle Städt, Flecken und Dörfer verteilt und alles, was sie fanden geplündert, Vieh, Pferd, Kühe und Schafe hinweggetrieben." Am 5. Mai zog der Feind nach Südenwesten zu ab. "Raub und Misshandlung begleiteten ihre Schritte."
Im Amt Herborn allein waren an Privatpersonen 32 totgeschlagen worden und 60 verwundet; 1128 Stück Rindvieh nebst 1514 Schafen und 221 Pferden wurden weggenommen. In Bicken waren 53, in Offenbach 60, in Herbornseelbach 89 und in Burbach 18 Gebäude abgebrannt worden. Der Pfarrer Wetzflar von Driedorf war 3 Tage krumm geschlossen worden und dann gegen 200 Taler freigelassen worden.
In welchem Maße Breitscheid in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist mir nicht bekannt. Aber unsere Kastenrechnung aus diesem Jahre deutet das Außerordentliche an. Bis dahin konnten in jedem Monat "Sonstigs außm Säcklin" Almosen entnommen werden, in diesem Mai: O! Am 30. Mai erhielt ein armer Mann aus Weilburg, unser Schulmeister und andere eine Unterstützung. Die Einwohner waren also da wieder zurückgekehrt. An anderen Orten haben sie damals auf Jahre hinaus die Heimat ganz verlassen.

Um sein Land nicht ganz dem Untergang entgegen zu führen, trat unser Graf im August 1635 zu den Kaiserlichen über, ohne indes der evangelischen Sache innerlich untreu zu werden. So ließen jetzt die Kriegsbedrückungen in unserem Lande nach. Aber wie sah es in der Heimat aus! Der Mansfeldsche Einfall war die schwerste Kriegshandlung gewesen, die der Westerwald jemals erlebt hatte. Er hatte Teurung, Hunger und Pest zur Folge. Was Spielmann von ganz Nassau schreibt, trifft auch für unsere Gegend zu: "Das ganze Land war mit einer einzigen zerstörten Stadt vergleichbar. Überall qualmende Trümmerhaufen, Blutlachen, verwesende Leichname, wilde Tiere, scheue, gehetzte, skelettartige, hungernde Menschen in den Wäldern; überall dem Grauen


*) 1635 berichtet ein Paulus Friesz von Gusternhain in einer Eingabe an die Kanzlei in Dillenburg, daß ihm bei der Mansfeldschen Plünderung ein Rind genommen worden sei.

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von Kornelia Pelz übersetzt

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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