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Die Post in Breitscheid vor dem Ersten Weltkrieg

Seit dem Jahre 1890 hat Breitscheid eine Poststelle. Sie war zunächst eine "Postagentur", ist aber in neun Jahrzehnten über eine "Poststelle I" zum Postamt für die Großgemeinde Breitscheid, verbunden mit einem "Fernsprechwählamt", aufgestiegen. Erster Posthalter nach Einrichtung der Postagentur war der Fuhrmann und Landwirt Christian Wilhelm Brandenburger (1838-1912), der aus Willingen im Westerwald stammte und nach Breitscheid eingeheiratet hatte. Den damals noch sehr einfachen Postdienst versah er als Nebenbeschäftigung, die mit 20 Mark im Monat entlohnt wurde.

Die Poststelle war untergebracht im Hause Brandenburger (jetzt Pfaff) in der Schönbacher Straße; sie war bis 1918 gekennzeichnet durch ein Holzschild mit dem Reichsadler und der Aufschrift "Kaiserliche Postagentur". Drei Generationen der Posthalterfamilie Brandenburger-Lupp-Thielmann haben im Erbgang dort den Postdienst verrichtet, zuletzt der verstorbene Postbeamte Paul Thielmann ("Poste Paul"). Heute steht unweit der alten Post ein Wohnhaus mit neuem Anbau, im dem sich das Post- und Fernsprechwählamt befinden; es hat der vorbeiführenden Ortsstraße auch den Namen "Poststraße" gegeben.

In einer Postagentur, die früher nicht die Beamteneigenschaft des Inhabers erforderte, konnten neben dem Posthalter auch dessen Familienangehörige und andere Helfer mitarbeiten. Das war auch in Breitscheid so. Über den Ablauf der Postzustellung vom damaligen Postamt Herborn aus bis zu den Empfängern haben wir für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg den Bericht eines Posthelfers aus Breitscheid, einen Erlebnisbericht des späteren Zimmermanns Ernst Klaas (1889-1975), vorliegen.

Danach wurde vor der Eröffnung der Eisenbahnlinie Herborn - Westerburg im Jahr 1906 die Postsachen mit dem Pferdewagen (nicht mit einer Postkutsche !) von Herborn über Burg - Uckersdorf - Medenbach nach Breitscheid gebracht. Später, ab 1906, konnten dann die Postsäcke und Pakete täglich an der Bahnstation Schönbach abgeholt werden. Das geschah mit dem Handwagen am Vormittag, wozu wegen der starken Straßensteigung immer zwei Personen erforderlich waren.

Von Breitscheid aus wurden damals auch die Dörfer Erdbach und Rabenscheid postalisch bedient. Wenn die Postsachen in Breitscheid sortiert waren, ging je ein Zusteller in die vorgenannten Dörfer zum Verteilen. Der Rabenscheider Bote musste mittags wieder in Schönbach sein, um an der Bahn Briefpost anzunehmen und nach Breitscheid zu bringen. Mit dem Handwagen vom Morgen fuhr er dann nachmittags nach Schönbach zurück und lieferte die in Breitscheid eingegangene Tagespost ab. Dreimal am Tage nach Schönbach und zurück und einmal nach Rabenscheid brachten dem Posthelfer je Tag zwei Mark Vergütung ein, was um 1910 dem Tagelohn eines jugendlichen Arbeiters entsprach und mindestens acht Stunden reine Arbeitszeit erforderte, während die allgemeine Arbeitszeit damals in der Breitscheider Fabrik zehn Stunden betrug.

Mit der Einführung des Telefondienstes durch die Post begann in Breitscheid eine neue Zeit. Der Breitscheider Chronist Reinhold Kuhlmann (1876-1945) schreibt darüber in der Gemeinde-Chronik: "1890 Gründung der Poststelle in Breitscheid. Einige Jahre danach Anlegung der Fernsprechleitung, die ersten Privatanschlüsse im Dorf erfolgten 1919."

Auch der in Breitscheid von 1897 bis 1904 amtierende Pfarrer und Heimatdichter Fritz Philippi hat in seinem Buch "Weiße Erde" das Kommen des Fernsprechers dichterisch ausgeschmückt:

"Die Fremdlingsleute (die die Fernsprechleitung anlegten) redeten mit einer anderen Mundart als die Sonnwalter (Breitscheider) und hatten ihr Sinnen und Trachten einer anderen Zeit verkauft, als die am Kuhschwanz baumelt... Ganz Sonnwalt stand mit den Händen in den Hosen, die Weiber die Hände unter der Schürze, und sahen zu. Alle Hände aber kamen hervor und griffen in die Luft, als der Posthalter die Beine spreizte auf der Gasse und gewichtig kundgab, mit dem dünnen Draht von Stange zu Stange sei künftig Sonnwalt unlöslich mit der weiten Welt verbunden. Denn unbemerkt war längs der Telegraphenstäbe die neue Zeit auf Stelzen angekommen mit Riesenschritten und hatte ihre Ankunft mit hellem Klingelzeichen in des Posthenrichs Stube vermeldet….." mehr

Aus der Manuskript-Sammlung des Ernst Henn bearbeitet und ergänzt von Manfred Thielmann, Breitscheid-Erdbach.

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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