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Der Weg einer "unterthänig gehorsamsten Vorstellung und Bitte" von Breitscheid bis Berlin und zurück

Es regt sich Mitleid mit den Menschen in der "guten alten Zeit", wenn man das - bemüht schön geschriebene - Gesuch des Schullehrers Johann Jost Haas vom 3. Juli 1802 liest und dann aus den Archivakten erfährt, dass es den Weg von Breitscheid über Herborn - Dillenburg - Diez nach Berlin und zurück gemacht hat, fünf Behördendienststellen bemühte, mindestens zehn Unterschriften höherer Beamten für den damit verbundenen Schriftverkehr erforderte, schließlich einem Fürsten und Prinzen vorgelegt wurde und dann doch erfolglos war. Mehr als anderthalb Jahre hatte die Angelegenheit gedauert - und das alles wegen einem Wagen Heu!

***

Das Dorf Breitscheid hatte um das Jahr 1800 zwar eine der schönsten Schulen im Fürstentum Nassau-Dillenburg, aber für den Lehrer war dort schlecht gesorgt. Es gab weder eine Dienstwohnung noch Schulländereien und die Besoldung war knapp. Die bis 1798 (in drei Generationen) amtierenden Schulmeister Thielmann hatten sich mit Landwirtschaft und Handwerk - der letzte auch als Feldmesser - Nebenerwerbe schaffen können; dem Nachfolger aber, einem aus Rodenberg stammenden Schulmeistersohn, fehlte diese Möglichkeit. In seinem fünften Breitscheider Dienstjahr wagte er es nun, der Regierung in Dillenburg eine Bitte vorzutragen. Sie lautete:

"An Fürstliche Landesregierung. - Unterthänig gehorsamste Vorstellung und Bitte des Schullehrers Johann Jost Haas zu Breitscheid um eine Unterstützung, in Heu bestehend.
Meine Besoldung besteht meistens in Frucht, so dass ich eigentlich an Brot keinen Mangel leide, aber einen Teil muss ich verkaufen, damit ich Geld zu anderen Hausmitteln und Kleidern erziele; doch um dieses erhalten zu können, muss ich dennoch sehr sparsam haushalten - auch bekomme ich zwar ein geringes Zinsengeld von Schulkapitalien, das ich aber zur Hausmiete anwenden muss, weil hier keine eigene Schulwohnung ist. Hierbei habe ich mir auch eine Kuh angeschafft, die ich aber nur mit Not, weil bei hiesiger Schule kein Wieswachs ist, durch Gaben meines Vaters erhalten kann; um sie ferner zu erhalten, müsste ich noch Heu kaufen, dazu sehe ich, weil ich geldarm bin, dieses zu kaufen keine Aussicht vor mir, als nur die Fürstliche Landesregierung um einen Wagen Heu unterthänig anzuflehen.
Da ich sonst eine Fürstliche Landesregierung um irgend eine häusliche Unterstützung noch nicht ersucht habe und es auch jetzt ohne Not nicht tue, so gelangt demnach meine unterthänig gehorsamste Bitte an Hochdieselbe, mir ein Geschenk mit einem Wagen Heu, von einer meinem Wohnorte nahegelegenen herrschaftlichen Wiese zu machen und mich deshalb, da die Heuernte nächstend eintrifft, mit einer baldigen gnädigen Resolution huldreichst zu erfreuen. Wobei ich mich auch durch fernere Pflichterfüllung dieser Gnade immer würdiger zu machen mich angelegentlichst bestreben werde".

***

Dem Gesuch war von Anfang an kein Glück beschieden, weil es in dem Amtmann Reichmann zu Herborn keinen Fürsprecher fand. Er gab es am gleichen Tag weiter mit der Randbemerkung: "Der Supplikant (Antragsteller) ist ein junger Mann, der neben dem Schuldienst noch andere Arbeit verrichten kann und sich applicieren muss. Dessen Gesuch finde ich demnach unstatthaft".

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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