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Das Brennen der Ware

Die fünf ältesten Breitscheider Brennöfen waren vererbbarer Gemeinschaftsbesitz mehrerer Häfnerfamilien sogenannte "Kompanieöfen". Sie standen der Feuersgefahr wegen abseits der früheren Ortsränder und zwar: zwei am Schönbacher Weg gegenüber der heutigen Alten Post, zwei am Alten Hüttenweg an der Einmündung des ehemaligen Tiergartenpfades (heute Tiergartenstraße) und einer am Weg nach Erdbach (1909 von "Dillmanns Werkstatt" überbaut). Von dem letztgenannten Ofen wissen wir, dass er von den Häfnermeistern Jost Henrich Kuhlmann und Nikolaus Uhl 1782 erbaut worden war (OChrBr). Um die letzte Jahrhundertwende ist je einer der Kompanieöfen am Schönbacher Weg und Alten Hüttenweg wegen Baufälligkeit abgerissen worden.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurden zwei neue Brennöfen gebaut; einer am Gusternhainer Weg 1853 von Johannes Peter Gliß (spätere Eigentümer: Stahl, dann Weyel)

   

und einer am Weg nach Langenaubach 1875 von Johannes Adolf Thielmann. Beide waren Einzelbesitz, konnten aber von Häfnerkollegen mitbenutzt werden. Wann der Brennofen im alten "Aßmannshannesehaus" gebaut wurde, ist nicht bekannt.

Den letzten Ofen in Breitscheid baute Wilhelm Benner 1905 an sein zwei Jahre vorher erbautes Wohnhaus am Langenaubacher Weg; er wurde 1927 von Moritz Benner auf ein neues System umgebaut und ist als einziger heute (1962) noch vorhanden.

Die Brennöfen aus dem 18. und 19. Jahrhundert System "Kasseler Öfen" hatten einen Rauminhalt von sechs bis acht Kubikmetern und fassten 150 bis 200 Wurf Häfnerware. Sie waren aus Schalstein, einem leicht porösen Vulkangestein aus einem Bruch in der Gemarkung Gusternhain, gebaut und im Innern mit einem Mörtel aus Tonmehl und scharfem Flusssand überschmiert. Der starke Hitzeangriff, besonders am Gewölbe, machte häufige Ausbesserungen mit dem gleichen Material erforderlich. Nach 1900 konnten für die innere Verkleidung der Öfen feuerfeste Steine und Schamottemörtel aus der Breitscheider Fabrik (Westerwälder Thonindustrie GmbH) verwendet werden.

Die Häfnerware wurde im hellbrennenden Feuer ("Oxydationsbrand") bei Temperaturen zwischen 1000 und 1100 Grad Celsius gebrannt. Standfeste und gleichmäßig feuerdurchlässige Stapel waren erforderlich, um Über- oder Schwachbrand zu vermeiden. Das Einsetzen besorgten die Meister meist selbst. Im Ablauf des Brennens unterschied man "Räuchern" (Anfeuern) und Vollfeuer; die gesamte Brennzeit betrug je nach Witterung 20 bis 24 Stunden. Einsetzen, Brennen, Abkühlen und Aussetzen erforderten zusammen drei Tage, so dass der Ofen zweimal in der Woche benutzt werden konnte.

Beim Anfeuern mit langsamer Wärmesteigerung entwich die letzte Feuchtigkeit aus dem Brenngut; zu schnelle Erhitzung hätte Risse in der Ware verursachen können. Wichtig war auch, dass Einsatzware und Ofenmauer- werk vor Beginn des Vollfeuers annähernd gleiche Temperaturen hatten. Hilfsmittel für die Temperatur-bestimmung Pyrometer oder Segerkegel gab es bis in die letzten Jahre in Breitscheid nicht. Den Fortschritt des Brennvorgangs erkannte der erfahrene Häfner an der Farbe des Feuers, den Zeitpunkt des Garbrandes am "Schwinden" der Warenstapel und am Hochglanz der Glasuren. Andere Brennweisen: wie Schrühbrand, Reduktionsbrand (durch Luftdrosselung), Verwendung von Kapseln oder Muffeln, hat man in Breitscheid nicht angewandt; sie wären bei den alten Öfen auch nicht möglich gewesen.

Als Brennholz wurde fast nur Buchenholz benutzt, das beim Anfeuern nicht vom besten zu sein brauchte, für das Vollfeuer aber aus gut trockenen, armdicken und 100 bis 120 cm langen "Schiwwern" (gespaltene Scheite) bestand. Es kam aus dem Breitscheider Wald, zusätzlich auch aus Langenaubacher Walddistrikten. Versuche zur Mitverwendung der Breitscheider Braunkohle sind Mitte des 18. Jahrhunderts gemacht worden, aber fehlgeschlagen (HStAW 172/4156). Man ist später, als das Breitscheider Bergwerk in vollem Gange war (ab 1832), nicht mehr darauf zurückgekommen; wahrscheinlich wurde die erforderliche Brenntemperatur nicht erreicht.

aus "260 Jahre Häfnerhandwerk in Breitscheid" von Ernst Henn

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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