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Das Erdrecht (2)

Ton zu graben war von altersher jedem "Gemeinsmann" auf eigenen Grundstücken und auf Gemeindeland erlaubt gewesen. Behördliche Abbaugenehmigung (wie bei Erz und Kohle) war nicht erforderlich, da Steine und Erden nicht unter das Bergregal fielen. Die Gemeinden erhoben - soweit bekannt - auch keine Abgaben für die Tongewinnung auf ihrem Eigentum. Da die Häfner und Fuhrleute den Ton jeweils dort gruben, wo die Qualität am besten und die Arbeit am bequemsten war, gab es keinen geregelten Abbau. Als jedoch 1781 der 26jährige Johann Jost Petri aus Breitscheid "in einer Erdkauten, worinnen er Erde graben wollen" tödlich verunglückt war, wurde die Regierung aufmerksam und beauftragte die Berg- und Hüttenkommission in Dillenburg mit der Aufsicht über die Tongräberei. Diese verbot sogleich das willkürliche Graben, stellte Tonbergleute ein und berief die Häfner Konrad Schmidt und Johann Georg Schmidt aus Breitscheid zu Aufsehern, die von der Regierung vereidigt wurden. Die Häfner, Pfeifenmacher und Fuhrleute mussten nun den Tod an der Grube mit acht Kreuzer für den Karren bezahlen. Von dem Verkaufserlös erhielten die Tongräber vier und die Aufseher einen Kreuzer je Karren; der Rest wurde für den Verbau der Gruben gebraucht.

Gegen diese Regelung erhob sich bald von mehreren Seiten Widerspruch. Die Gemeinde Erdbach verlangte, weil die Gruben zum Teil auf ihrem Eigentum lagen, zur Wahrung ihrer Interessen einen Aufseher aus ihrem Ort; diese Forderung wurde im folgenden Jahr mit der Einsetzung des Häfners Johann Jost Werner aus Erdbach als Aufseher erfüllt. Die Breitscheider, Erdbacher und Herborner Meister der Häfner- und Pfeifenmacherzunft beschwerten sich über die Verteuerung des Tones und auch über angebliche Unregelmäßigkeiten der Aufseher. Auswärtige Tonkäufer bemängelten, dass sie längere Lieferzeiten hinnehmen müssten und in ihrem Gewerbe geschädigt würden. Aber auch die Aufseher waren nicht zufrieden und klagten bei der Berg- und Hüttenkommission über die Abnehmer, weil diese sich der Ordnung nicht fügen wollten. - Die Anwälte der Gemeinden und Zünfte und die Kanzleischreiber der Regierungsstellen verfassten weitschweifige Gesuche und Protokolle; entsprechend umfangreich sind die Akten im Archiv in Wiesbaden. Berücksichtigt man, dass fast jede Eingabe eine Verhandlung bei dem Amtmann in Herborn oder bei einer Behörde in Dillenburg nach sich zog, dann fragt man sich, was bei dem enormen Zeitverlust für die Beschwerdeführer wohl heraus gekommen sein mag. Jedenfalls hatten sie zunächst mehr Nachteile als Erfolg.

Da anscheinend der Regierung die ständigen Einsprüche lästig wurden, genehmigte sie 1785 auf Vorschlag der Berg- und Hüttenkommission probe-weise für zwei bis drei Jahre die Übernahme der Tongräberei in herr-schaftliche Verwaltung. Bergsekretär Becher und Bergmeister Jung schlu-gen dazu vor, einen Steiger als ständigen Aufseher und einen Schichtmeister als nebenamtlichen Betriebs- und Rechnungsführer einzustellen. Die Regierung ernannte und vereidigte den Bergmann und Heimberger (Bürgermeister) Christian Post aus Erdbach als Steiger mit einem Tagelohn von 15 Albus = 1/2 Gulden bei zwölfstündiger und 12 Albus bei achtstündiger Schicht und den Landwirt und Heimberger Johannes Kolb aus Breitscheid als Schichtmeister mit einer Besoldung von 5 Gulden je Vierteljahr. Die Aufgaben dieser beiden Verantwortlichen wurde von der Rentkammer zu Dillenburg wie folgt erläutert: "Ein Steiger oder Aufseher muss sein und bleiben, der die Vorrichtungen zum Tongraben nach der An-weisung und planmäßig ausführt. Wenn Ton gegraben wird, muss er immer gegenwärtig und auf dem Platze sein. Er muss für richtige Messung des Tones sorgen und dem Schichtmeister die Atteste zum Beleg der Rechnun-gen erteilen. Steiger und Schichtmeister lassen sich auch nicht in einer Person vereinigen, weil letzterer zur Erhebung der Gelder nicht selten abwesend sein muss und dann nicht auf den Gruben sein kann".

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Eine Gesellschaft hat keine Zukunft, wenn sie sich nicht an die Vergangenheit erinnert.
zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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