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Der Warenverkauf

Der Ablauf des Warenverkaufs war in der Gesamtzeit des Breitscheider Häfnerhandwerks recht unterschiedlich. Im 18. Jahrhundert erlaubte die Zunftordnung den Landmeistern nur die Warenabgabe im Hause und auf Jahrmärkten. Hausieren in Städten und Dörfern war den Meistern und ihren Familienangehörigen bis in die Franzosenzeit bei zehn Gulden Strafe verboten. Der Verkauf durch Händler über die Grenzen der Fürstentümer Dillenburg, Siegen, Hadamar und Diez hinaus stieß häufig auf Schwierigkeiten, da "ausländische" Behörden den Überlandhandel wegen der Konkurrenz für ihre eigenen Untertanen nicht immer zuließen.
Politische Veränderungen und die Aufhebung der Zünfte im frühen 19. Jahrhundert beseitigten diese Einschränkungen und eröffneten dem Warenabsatz mehr Möglichkeiten so auch die Lieferung an Händler und Ladengeschäfte in der weiteren Umgebung. Als es später Eisenbahnen gab, kam der Versand in "Harrassen" hinzu. Der Harraß war eine aus Holzschwarten hergestellte Kiste von etwa 3/4 Kubikmeter Inhalt, in die man die Ware mit "Packsel" (minderwertiges Heu) sorgfältig verpackte. Den Transport zu den Bahnstationen Herborn und (später) Schönbach besorgten die Breitscheider Fuhrleute; sie brachten auch die zurückkommenden leeren Harrasse von dort wieder mit. Marktbesuche mit ihrer Ware machten die Häfner in den letzten 100 Jahren nur noch selten; im Verhältnis zum Gesamtumsatz war auch der Verkauf ab Haus an Verbraucher gering.

Noch dem Ausräumen des Ofens wurde die Ware im "Woarstall" (Warenschuppen) oder in der Scheune abgestellt und sortiert. Was nicht im Einzelverkauf und im Harraßversand wegging, holten die Händler, von denen es drei Gruppen in unterschiedlicher sozialer Einstufung gab. Nach R. Kuhlmann ("Heimatbuch" nach 1920) kamen um die Jahrhundertwende:

1. "Hannelsleu" (Handelsleute), die im sauberen, mit wohlgepflegten Pferden bespannten Planwagen die Ware holten;

2. "Kiezemänner" (Kiepenträger), die ihren Rückenkorb mit billiger Ware füllten und diese in nahegelegenen Orten verkauften;

3. "Mäckeser" (Umherzieher), die als "unterste Sorte" der Händler zum fahrenden Volk zählten und entsprechend angesehen waren. Sie kamen mit Hunde , Esels oder bescheidenem Pferdefuhrwerk, brachten meist ihre Familien mit, tranken oft zu viel, machten weite Wege beim Überlandhandel und waren bei der Landbevölkerung nicht gerade gefürchtet, aber auch nicht beliebt. Mit Zigeunern, denen sie in Unkenntnis ihrer Herkunft schon zugerechnet worden sind, hatten sie nichts zu tun, wenn auch ihre Lebensweise zuweilen recht zigeunerhaft war. Sie hatten feste Wohnsitze, in die sie immer wieder zurückkehrten, und erfüllten damit die Voraussetzungen für eine behördliche Genehmigung ihres Gewerbes.

Nach dem starken Rückgang der Häfnerei in Breitscheid um 1900 sah man natürlich die Handelsleute, vor allem die größeren Händler, hier seltener. Die geringer gewordene Produktion konnte durch die kleineren Händler, den Harrasversand und den Einzelverkauf abgesetzt werden. Ältere Einwohner erinnern sich aber noch an Mäckeser, von denen es zuletzt um das Ende des 1. Weltkrieges nur noch einige Familien im Oberwesterwald gab.

Die Breitscheider Bevölkerung hat sich, soweit es zu übersehen ist, wenig am Warenvertrieb beteiligt. In den Kirchenbüchern werden nur zwei "Erdenwarenhändler" genannt, und in unserem Jahrhundert waren es auch nur zwei Männer und zwei Frauen, die auf Nebenerwerb angewiesen mit Häfnerware umliegende Orte besuchten. Versuche zweier Einwohner, bald nach dem Kriege mit eigenem Pferdefuhrwerk von hier aus Überlandhandel zu betreiben, liefen sich in den Inflationsjahren Anfang der 20er Jahre tot. Mehr Erfolg hatten später die Häfnermeister Albert Thielmann und Moritz Benner, als sie in den wirtschaftlich schlechten Jahren um 1930 ihre Erzeugnisse zum Teil auf die Märkte und in Geschäfte bis nach Siegen und Wiesbaden fuhren und damit ihr Handwerk über diese schwierige Zeit hinwegbrachten.

Die Preisabrechnung mit den Händlern geschah nach dem "Wurf", einem alten Werkmaß, das in Breitscheid auch "Kopfstück" genannt wurde. Von den verschiedenen Arten und Größen der Gefäße gingen - bei gleichem Preis jeweils feste Stückzahlen auf den Wurf, so z.B.: vier mittlere Kaffeekannen oder sechs größere Schüsseln, acht kleinere Schüsseln oder zehn 2 Liter Milchtöpfe ("spetze Debbe"), zwanzig Milchtöpfchen ("Schoppedebbcher") oder dreißig kleine Blumentöpfe. Mit dieser Rechenweise, die nicht einer echten Kalkulation sondern langer Gewohnheit und Erfahrung entsprach, verstanden sich Käufer und Verkäufer ohne Schwierigkeit; bei einem Preisnachlass etwa im Winter - wurde auch nicht der Geldbetrag je Wurf gesenkt, sondern ein oder zwei Stück Ware zugegeben. Erst nach 1945 galt mehr der Preis je Stück, wie es beim Kleinverkauf vorher schon üblich war.

aus "260 Jahre Häfnerhandwerk in Breitscheid" von Ernst Henn

 

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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